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Der Kahlschlag

04.08.2009 | 18:09 Uhr
Der Kahlschlag

Düsseldorf. Bis vor ein paar Tagen blühte das Indische Springkraut am Löricker Rheinufer. Die lilafarbene Pracht begeisterte die Spaziergänger. Aber dann kamen die Schafe. . .

Ein Kleinod in Lila – bis vor wenigen Tagen lud hinter dem Freibad an den Löricker Rheinwiesen noch ein Pflanzenmeer den Großstädter zum Träumen ein. Ein Gast aus Fernost, das Indische Springkraut, hat sich dort rasant verbreitet. Bis vor kurzem. Dann kam eine Schafherde. . .

„Es sind sehr schöne Pflanzen, aber sie breiten sich auf Kosten der einheimischen Pflanzen aus”, erklärt Bernd Magenburg, Botaniker beim Naturschutzbund. Und das äußerst schnell (siehe Box). Da die „Emscherorchidee”, wie das Gewächs umgangssprachlich bezeichnet wird, mit einem hochwertigen Pollen protzt und intensiv duftet, fühlen sich Bienen und Hummeln zur Bestäubung von ihnen stärker angezogen, als von einheimischen Konkurrenten.

Schäfer dürfen dort weiden lassen

Der Stein des Anstoßes: das Indische Springkraut. (Foto: Uwe Schaffmeister)

Bei den Grünen entfacht der ostindische Gast jedenfalls keine Romantik: „Das Springkraut muss weg. Es hat hier nichts zu suchen und verdrängt die anderen Pflanzen”, betont Marlies Balkenhol, Fraktionssprecherin der linksrheinischen Grünen.

Da dürfte ihr diese Nachricht ins Konzept passen: Eine Schafherde machte sich in den letzten Tagen über das Springkraut her. Die gefräßigen Tiere hinterließen einen Kahlschlag. „Grundsätzlich ist es üblich, dass Schäfer im Bereich des Deiches ihre Schafe weiden lassen. Das ist so gewollt, damit dort kein Urwald entsteht”, sagt Michael Zwirnmann, Leiter des Vermessungs- und Liegenschaftsamtes.

Vierbeiner freuten sich über Abwechslung

„Die Schafe gingen ganz schön zur Sache”, sagt Toni Beusel, der die Herde als Spaziergänger zufällig beobachtete. Auf dem tierischen Speiseplan mag Indisches Springkraut nicht oft stehen. Die wolligen Vierbeiner freuten sich mutmaßlich über die Abwechslung.

Aus Sicht des 70-jährigen Beuse sei es verständlich, dass die Pracht in Lila nicht stehen bleiben konnte. „Es sähe schlimm aus, wenn man hier gar nichts tun würde”, meint der Niederkasseler, der regelmäßig mit seinem spanischen Mischling Sandy dort spaziert.

Viele Hundehalter sind dort unterwegs

Ohnehin scheint die Mehrheit der Spaziergänger Hundebesitzer zu sein. Die Neusserin Mara Stockhausen (64) kommt täglich nach Lörick, um ihren drei großen Hunden den Auslauf zu bieten, den sie brauchen. Der Dobermann und die beiden Doggen könnten sich ja sonst ohne Leine kaum irgendwo austoben. Das Springkraut war Mara Stockhausen ein Dorn im Auge. Ihr Dobermann sei kürzlich in das Meer eingetaucht und mit einem Schwarm voller Wespen wieder herausgekommen.

Was bleibt, ist das Zirpen der Grillen, platt getrampelte Gräser, einige der abgeknabberten rot-grünen Stängel und der Duft, der an ein lilafarbenes Meer erinnert.

Marco Virgillito

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Kommentare
05.08.2009
14:21
Der Kahlschlag
von ErwinSchwarz | #1

Seit Jahren ärgere ich mich über das pissig stinkende Springkraut an Düsseldorfs Bächen. Es verdrängt einheimische Pflanzen und gehört nicht nur am Rhein schnellstens gemäht.

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