„Der Druck von außen ist zu groß“

Kathleen Turner und Michael Douglas im Film „Der Rosenkrieg“. Es begann so romantisch als sie sich kennenlernten.
Kathleen Turner und Michael Douglas im Film „Der Rosenkrieg“. Es begann so romantisch als sie sich kennenlernten.
Foto: imago/United Archives
Was wir bereits wissen
In Düsseldorf wird wie in anderen Großstädten auch jede zweite Ehe wieder geschieden. Experte Manuel Kaluza weiß, warum das so ist.

Düsseldorf..  Jede zweite Ehe zwischen Gerresheim und Oberkassel, zwischen Angermund und Hellerhof wird heute geschieden. Das ist in Düsseldorf nicht anders als in anderen Großstädten. „Allerdings kann man es auch so ausdrücken, dass jede zweite Ehe hält“, sagt Eheberater Manuel Kaluza. In seinem Büro an der Klosterstraße, das zur Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Erzbistum Köln gehört, sitzen diejenigen Paare, die es noch einmal miteinander versuchen wollen oder die überprüfen, ob eine Trennung die besserer Lösung ist. Viele behaupten, wenn du Hilfe von außen brauchst, ist es ohnehin zu spät. Der 56-Jährige sieht das anders. „Zu mir kommen Leute, die in ihrer Situation festgefahren sind, ich höre ihnen zu.“ Selbst, wenn die Trennung schon vollzogen sei, so Kaluza, mache Beratung Sinn. Sehr oft sind Kinder mit ihm Spiel. „Wenn Paare nicht mehr miteinander auskommen, kann ich ihnen dabei helfen, gute Eltern zu bleiben“, so der gelernte Diplom-Pädagoge.

1978 waren es noch wenig Trennungen

Während laut statistischem Jahrbuch 1978 auf 3229 Eheschließungen gerade einmal 442 Scheidungen kamen (13,7 Prozent), hat sich die Zahl der Trennungen in den Jahren danach sukzessive erhöht und mittlerweile auf eine Fiftyfifty-Situation eingependelt. Heißt: Jede zweite Ehe in Düsseldorf hält – oder eben nicht. Im Vergleich zu 2006 (auf 2433 „Ja-Worte“ kamen 1550 Scheidungen, macht 63,7 Prozent) war 2013 noch ein gutes Jahr, wenn man so will: Auf 2912 Eheschließungen kamen 1242 Trennungen –macht 42,7 Prozent.

Es ist auch nicht so, dass in den großen Städten die Angst vor enger Bindung gewachsen sei. „Im Gegenteil“, sagt Kaluza, der auch systematischer Familientherapeut und Mediator ist. „Der Wunsch nach Beziehungen ist ungebrochen. In einer Zeit, in der die äußeren Umstände wie etwa die Arbeitsstelle immer unbeständiger und unklarer werden, steigt der Wunsch nach einem verlässlichen Partner.“ Andererseits, so Kaluza, seien die Einwirkungen von außen auch dafür zuständig, dass Paare scheitern. „Der ökonomische Druck ist hoch, so sollen viele Männer immer mehr leisten, beim Job und auch Zuhause, da darf man nicht gestresst von der Arbeit kommen.“ Und: „Viele Frauen fühlen sich wie in einem Hamsterrad in der Anforderung zwischen Kindern, Beruf und Haushalt.“ Kaluza, seit 28 Jahren im Beruf, erinnert sich an eine Begegnung aus der Anfangszeit der Eheberatung. „Da kam ein Mann mit seiner Gattin und erzählte mir, seine Frau sei fremdgegangen, ich solle sie doch wieder hinbiegen. Das lassen heute immer weniger Frauen mit sich machen.“

Menschen, die über Dritte Hilfe suchen – das ist die eine Seite. Paare, die über Dritte in den Ring steigen, die andere. Pro Jahr zählt die Stadt Düsseldorf rund 1500 Neuanträge von (in der Regel) Müttern, die Unterhaltsvorschussleistungen beantragen. Das sind mindestens 133 Euro für null- bis fünfjährige Kinder, und 180 Euro für sechs- bis elfjährige Kinder. „Die eindeutige Mehrheit der Väter kann diesen Forderungen nicht nachkommen“, sagt Hartmut Wienen vom Sozialamt. In diesem Fall springt die Stadt ein, im Schnitt für 3850 Kinder pro Jahr, davon gibt’s knapp die Hälfte von Land und Bund zurück.

Im Büro von Manuel Kaluza sitzen viele Kinder, die an beiden Eltern hängen und „nicht wollen, dass ihre Eltern auseinander gehen“, sagt der Therapeut, der übrigens selbst zweifacher Familienvater (und nach wie vor verheiratet) ist. „Auch die haben unseren Respekt verdient.“

Angebote wie das der Katholischen Ehe-, Familien und Lebensberatung an der Klosterstraße gibt es wenige in Düsseldorf. Es ist kostenlos und finanziert sich über Spenden. „Wir schenken den Leuten hier Zeit, die sie anderswo nicht bekommen“, sagt Kaluza.

Hochbezahlte Paartherapien müssen es nicht immer sein...