Der „Dior vom Rhein“ lud zum Schlussverkauf
19.12.2010 | 18:34 Uhr 2010-12-19T18:34:00+0100
Düsseldorf. Hanns Friedrichs, der „Dior vom Rhein“, setzt sich zur Ruhe und bot in Düsseldorf Kreationen und Skizzen zugunsten der Aidshilfe an. Zu seinen Kundinnen gehörten unter anderen Brigitte Mira und Joan Collins.
Der „Dior vom Rhein“ zieht sich zurück. Am Wochenende lud der charmante und oft präsente 82-jährige Hanns Friedrichs zum Schlussverkauf seiner opulente Mode.
Viel ist nicht übrig geblieben, nur ein einzelner luftig behangener Kleiderständer steht noch in den Räumen gegenüber dem Polizeipräsidium. Die 40 handgemalten Modezeichnungen waren bereits in der ersten Stunde vergriffen. Seit zehn Uhr verkaufte der Modedesigner Hanns Friedrichs am Samstag seine Haute-Couture-Kleider - zum letzten Mal. Denn mit 82 Jahren will sich der „Dior vom Rhein“ zurückziehen, so langsam.
Ganz aufhören wird er wohl nie können, aber mit dem Alter wird es schwieriger, sagt er. Schließlich habe er immer alles alleine gemacht - vom Zeichnen bis zur Anprobe mit seinen berühmten Kundinnen wie Brigitte Mira oder Joan Collins, „das geht heute nicht mehr“.
Die Zeit in Los Angeles
Dass seine Kleider für einen Spottpreis verkauft wurden - das teuerste lag bei lediglich 400 Euro - bedrückt ihn nicht, schließlich kommt der ganze Erlös der Aidshilfe zu Gute, für die er sich als einer der ersten Prominenten überhaupt engagierte.
Dabei war sein Weg nie gerade gewesen. Mehr aus der Not der Kriegsjahre heraus hatte Friedrichs - ehemaliger Kinderstar am Weimarer Nationaltheater - mit 16 Jahren eine Schneiderlehre gemacht. Seine Schwester hatte ihm erzählt, dass er so an Lebensmittelkarten käme.
Seinen Durchbruch feierte er, als er aus Zufall 1952 die Damen einer deutschen Delegation auf Staatsbesuch nach Amerika ankleiden durfte. Die Amerikaner, erinnert sich Friedrichs, hatten Frauen mit dicken Zöpfen und Trachten erwartet und waren sehr überrascht, sie in eleganten Garderoben begrüßen zu dürfen. Eine damalige Titelstory im „Tribune“ berichtete - und der „Dior vom Rhein“ war geboren. Die Kleider hängen heute in einem Museum.
Von da an geht seine Karriere steil bergauf. In den 80er Jahren arbeitet er in Los Angeles als Kostümbildner unter anderem für die Soap Opera „Denver Clan“. Gleichzeitig erlebt er hier auch die ersten Aidsfälle. Es wird eine traurige Zeit, er verliert viele Freunde an die damals kaum erforschte Krankheit. „Am Ende waren nur noch Frauen im Freundeskreis übrig“, sagt er.
Jahrzehntelanges Engagement für die Aidshilfe
Seit dieser Zeit bemüht er sich für die Aidshilfe. Auch, wenn das am Anfang eine gesellschaftliche Ächtung hätte bedeuten können. Er schert sich nicht darum und engagiert sich immer wieder für Benefiz-Veranstaltungen. Legendär seine Kreationen für die Chrysanthemen-Bälle.
Ob er traurig sei, dass die glanzvollsten Tage vorüber seien? Im Gegenteil, so der charmante Meister. „Die Frauen, die ich anziehen wollte, habe ich gehabt. Heute arbeite ich nur noch im kleinen Kreis für gute Freunde und Bekannte.“
Rund 4500 Euro kamen bei dem Verkauf Samstag zusammen. Insgesamt erzielte er 20.000 Euro aus dem Ausverkauf - so viel wie ein einzelnes seiner Kleider gekostet hätte.
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