Der Bienenkönig

Hafen..  Es unwirklich wie ein Science Fiction Szenario: Weit und breit ist kein Blatt, kein Baum, kein Strauch zu sehen. Nur Kiesel, breite Versorgungsschächte, umgeben von einer hohen Mauer. Allein der Blick zum Himmel ist offen. Stille. Dann taucht in einer verborgenen Ecke auf dem Dach des Hyatt Hotels eine außerirdisch wirkende Gestalt auf. Es ist Alfred Luchten. Er ist weiß gekleidet, mit Imkerhut und Schleier auf dem Kopf und Schutzhandschuhen über den Fingern. „Ich bin vorsichtig“, sagt er.

Luchten steigt den Hoteliers regelmäßig aufs Dach, um hier zwei seiner 30 Bienenvölker zu betreuen. Eigentlich sind Blümchen seine Passion, der 48-Jährige betreibt am Südfriedhof eine Gärtnerei. Aber es scheint schlüssig, dass er sich auch für Bienchen interessiert.

„Nach der Maus“

Vor zehn Jahren gründete er mit Uwe Plath (†) den Verein Apidea Mellifica, der in Düsseldorf Bienenzucht und Imkernachwuchs fördert. Doch seine Zeiteinteilung ist inzwischen eine andere. Jetzt heißt es: „Vor der Maus“ und „nach der Maus“. Gemeint ist „Die Sendung mit der Maus“, die am 14. Juni ausgestrahlt wurde. Sie brachte Popularität, der Bienenkönig kann den Audienz-Anfragen kaum nachkommen. Viele möchten die beiden Bienenstöcke über der 19. Etage sehen, möchten wissen, wo denn die 50 000 Bienen gerade hier im Hafen ihre Nahrung finden. „Im Umkreis von drei Kilometern finden sie Brombeerhecken oder sie fliegen zu den Linden am Kino an der Hammer Straße“, erklärt Alfred Luchten. Immerhin produzieren die beiden Völker etwa 60 Kilo Honig. Das ist ausreichend, um die Hotelgäste mit dem „Hafengold“ zu erfreuen. Der Name für das hauseigenen Produkt wurde via Wettbewerb von den Hotelmitarbeitern ersonnen.

Aber wie kommt gerade ein Gärtner darauf, auf einem kargen Hoteldach Bienen zu halten? „Es gab eine Ausschreibung für Fünf-Sterne-Hotels“, erklärt Luchten. Ursprünglich hatte er auch in einem Hotel am Hofgarten Bienen platziert. „Die hatten in 14 Tagen 20 Kilo produziert“, sagt Luchten mit Stolz. Doch leider missfiel einer Dame aus der Führungsetage die Vorstellung, soviele „Check-Inns“ zu haben. „Diese Biester müssen sofort weg“, hieß es ebenso lapidar wie energisch. Im Hyatt-Hotel ist man hingegen auf Alfred Luchten sehr stolz. Die Zusammenarbeit zwischen Imker und Küchenchef brummt, in diesem Jahr gibt es erstmalig ein Honigeis.