Demo gegen Matheklausur - Ministerin prüft Nachschreibtermin

Schüler demonstrieren in Düsseldorf gegen eine vom NRW-Schulministerium gestellte Abituraufgabe in Mathematik.
Schüler demonstrieren in Düsseldorf gegen eine vom NRW-Schulministerium gestellte Abituraufgabe in Mathematik.
Foto: Stefan Arend / WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Mit Trillerpfeifen gegen Mathe-Frust: Hunderte Abiturienten finden die schriftlichen Prüfungen zu kompliziert und ziehen in die Landeshauptstadt. Ob sie nachschreiben dürfen, ist aber offen. Von den über 10.000 Facebook-Anhängern war die Schülerinitiative bei ihrer Demo noch weit entfernt.

Düsseldorf.. Mehrere hundert Abiturienten haben am Dienstag vor dem Schulministerium in Düsseldorf lautstark gegen die Mathematikprüfungen protestiert. Auf Transparenten forderten die Demonstranten "Fairness auch für Versuchskaninchen" und sagten "Nein zu Mathe-Schweinereien". Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) schloss eine zweite Chance nicht aus.

Sie stellte sich zwar nicht den wütenden Schülern, die mit Trillerpfeifen ihrem Ärger Luft machten. Sie will die Kritik aber prüfen. Ob die Betroffenen nachschreiben dürfen oder nicht, will Löhrmann "relativ zeitnah, aber spätestens im Laufe diese Woche" entscheiden.

"Wir fordern, die Klausuren frewillig wiederholen zu dürfen"

Die schriftlichen Prüfungsaufgaben in Mathe seien für alle Abiturienten in NRW zu kompliziert gewesen, sagte Luise Cornely (18) aus Bonn. Sie gehört zur Initiative "Faires Abitur". "Wir fordern, die Klausuren freiwillig wiederholen zu dürfen", sagte sie. In einer Facebook-Gruppe schlossen sich mehrere Tausend Schüler der Kritik an. Sie fordern die Überprüfung der gestellten Aufgaben durch eine Kommission aus neutralen Fachleuten. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft waren die Klausuren im Vergleich zu früheren Jahren "sehr sehr schwer, aber grundsätzlich lösbar".

Cornely und zwei andere Schülerinnen konnten ihre Kritik Staatssekretär Ludwig Hecke im Ministerium vortragen. Löhrmann sagte später: "Es geht nicht um die fachliche Richtigkeit und eine grundsätzliche Lösbarkeit der Aufgaben, sondern darum, ob das zu schwer war oder nicht." Die Bedenken der Schüler will sie nun gemeinsam mit einer Bewertung der Fachkommission fachlich sowie juristisch prüfen.

Landtag befasst sich am Donnerstag mit den Matheklausuren

Die schulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Petra Vogt verlangte von Löhrmann Aufklärung, was wo schiefgelaufen sei. "Es kann nicht sein, dass der ohnehin schon besonders belastete Doppeljahrgang durch Nachlässigkeiten und Schlampereien der Landesregierung nochmals belastet wird", sagte Vogt laut einer Mitteilung. Ihre FDP-Kollegin Yvonne Gebauer forderte, über die Möglichkeit einer Wiederholung nachzudenken. Der Landtag soll sich am Donnerstag mit dem Thema befassen.

Nachschreibtermine bis 5. Mai vorgesehen

Abitur Seit gut zwei Wochen laufen die Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen. Die Klausuren sind geschrieben, jetzt beginnen die mündlichen Prüfungen. Schon seit 2007 bekommen alle Schülerinnen und Schüler im Land dieselben Aufgaben im schriftlichen Abitur gestellt. Aber noch nie waren es so viele wie diesmal.

Denn weil die Schulzeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre verkürzt wurde, machen 2013 zwei Jahrgänge ihren Abschluss, insgesamt mehr als 120 000 junge Leute. Auch diesmal sind die Aufgaben einheitlich, egal, ob jemand "G8"- oder "G9"-Schüler ist. Nachschreibtermine sind bis zum 5. Mai vorgesehen. Bis spätestens 6. Juli müssen die Abiturzeugnisse ausgehändigt werden. (dpa)