Dem Roten Kreuz in Düsseldorf gehen die Blutkonserven aus

Blutkonserven aus einem Kühlschrank. Laut DRK reicht der Vorrat derzeit gerade einmal für anderthalb Tage.
Blutkonserven aus einem Kühlschrank. Laut DRK reicht der Vorrat derzeit gerade einmal für anderthalb Tage.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das DRK und die Universitätsklinik schlagen Alarm: Der Vorrat an Blutkonserven reicht nur noch für anderthalb Tage. Gründe sind Ferienzeit und Poststreik.

Düsseldorf.. Düsseldorf braucht dringend frisches Blut. Dies vermeldet der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuz (DRK). Wie die Hilfsorganisation mitteilt, ist nun das eingetreten, was schon seit ein paar Wochen von den Experten befürchtet wird: Der „Blutstrom“ ist abgerissen. Weil in den vergangenen Wochen nur wenig Spender zu den DRK-Terminen gekommen sind als geplant und benötigt, sind die Vorräte an Blut und Blutpräparaten geschmolzen. „Das ist zwar häufig ein Problem in der Sommerferienzeit, aber diesmal ist es richtig eng“, sagt DRK-Sprecher Heinz Kapschak. „Wenn sich die Situation in den nächsten Tagen nicht entschärft, könnte dies im schlimmsten Fall dazu führen, dass planbare Operationen verschoben werden müssen.“

760 weniger Spender als 2014

Gesundheit Im ersten Halbjahr 2014 spendeten 4876 Düsseldorfer beim DRK Blut. Im ersten Halbjahr 2015 sind es mit 4116 Spendern 760 weniger. „Das sind deutliche Zahlen“, sagt Kapschak. „Wir haben zurzeit nur einen Vorrat von anderthalb Tagen. Jeder denkt, wenn was passiert, dann kann ich ja noch Blut spenden gehen. Aber: Wir brauchen das Blut, bevor die Katastrophe passiert.“

Auch die Uniklinik schlägt Alarm. „Durch die Hitzewelle in den vergangenen zwei Wochen und die Ferienzeit sind sehr wenig Blutspender gekommen“, sagt Jasmin Adelmann von der Uni-Blutspendezentrale. Notfall-Operationen würden durchgeführt, doch das Blut für die Krebspatienten, die Hauptempfänger an der Uni, müsste derzeit schon von externen Dienstleistern eingekauft werden. „Das wirkt sich zum einen negativ auf unsere Bilanzen aus, und außerdem sind auch da die Vorräte irgendwann erschöpft.“

Engpass liegt nicht nur am Sommerwetter

Gesundheit Vom DRK wird in Düsseldorf pro Halbjahr zu rund 65 Blutspendeterminen aufgerufen. Die Gründe für den Engpass lagen zuletzt aber nicht nur beim Sommerwetter, das viele nutzen um Freibad oder Biergarten zu besuchen, statt zum „Blut abzapfen“ zu gehen. Man habe auch im Vorfeld der Ferien – wie ansonsten üblich - keine Chance gehabt, die Läger zu füllen, heißt es, „da der mehrwöchige Poststreik große Auswirkungen auf das Blutspendewesen hatte“, so Sprecher Kapschak.

Regelmäßige Spender seien zu den Blutspendeterminen per Brief eingeladen worden. Durch den Streik seien aber die Einladung zu spät oder gar nicht zugestellt worden. „Der Streik hat uns in den vier Wochen rund 50 Prozent der Spender gekostet.“

Zwei Blutgruppen besonders betroffen

Besonders betroffen seien die Vorräte an Blutkonserven der Blutgruppe Null Rhesus positiv sowie alle Rhesus negativen Blutgruppen. In der Regel wird nur blutgruppengleiches Blut übertragen. Die Blutgruppe 0 Rhesus negativ – zum Beispiel – kann allen Empfängern übertragen werden und ist daher besonders für Notfallsituationen wichtig, wenn keine Zeit bleibt, um den Patienten vollständig zu untersuchen und schnell Blut zur Verfügung gestellt werden muss.

Nur sechs Prozent der Bevölkerung trägt jedoch die Blutgruppe Null Rhesus negativ.