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Das Woodstock des Mittelalters

24.08.2008 | 14:55 Uhr

FEST. Spektakulum lockte trotz matschigen Bodens wieder viele Zuschauer. Die meisten Darsteller sind längst Stammgäste.

Sieht gefährlich aus, doch versteht der Feuerschlucker sein Handwerk bestens. (Fotos: Judith Michaelis)

MONHEIM. Schalmaienklänge, Lagerfeuer, edle Ritter und stolze Maiden - dazwischen ein Gaukler mit roter Filzkappe auf dem Kopf, eine SMS auf seinem Handy schreibend. Ein kleiner Anachronismus während des "Mittelalterlichen Spektakulums" im Marienburgpark. "Das ist meine Arbeit hier. Wenn man viel organisieren muss, dann braucht man auch schon mal das Handy - wenn's auch nicht ganz authentisch ist", sagt Jens Räthel, alias "Tamino der Gaukler", der seit zehn Jahren im Spielmannsgeschäft tätig ist.

350 Akteure waren dabei

Ähnlich wird es den 350 anderen Akteuren gehen, die sich an der Marienburg eingefunden hatten. "Viele, die hier ihr Handwerk präsentieren oder Aufführungen haben, machen das als Profession", meint Michael Nagy von der Marienburggarde, der das "Spektakulum" nun schon zum fünften mal ehrenamtlich mitorganisiert hat. "Es gibt auch manche Mittelalterfans, die eine historische Rolle gewissermaßen nachleben und sich so einen Ausgleich vom Alltag schaffen." Er selbst finde die Atmosphäre auf dem Platz fantastisch. "Das ist schon etwas besonderes mit den ganzen Akteuren hier, irgendwie familiär. Alle haben sich lieb", sagt er lachend - quasi Woodstock im Mittelalterlook.

Musikerin Katharina Göttlichova, gewandet im selbst gefertigten Mittelalterkostüm, ist nicht zuletzt deshalb mit ihrer Band "Braagas" sogar extra aus Prag angereist. Sie und ihre Bandkolleginnen heizten dem Publikum mit flotten Klängen auf Fidel, Trommel und Zister, einem altertümlichen Saiteninstrument, ordentlich ein. Auch den Dudelsack beherrscht die Tschechin. "Das hab ich in drei Wochen gelernt. Schalmai ist viel schwieriger", verrät sie.

Zwischen schwertschwingenden Duellanten, Feuerspuckern und Waffenschmieden konnte man schon mehr als nur einen Hauch von Mittelalter erleben. Auf drei Schaubühnen war rund um die Uhr Programm: Hier die "Feuergeister Zündor und Brandor", dort die beeindruckende Greifvogelflugschau von Falkner Pier Schmidt und als kleiner Höhepunkt der Auftritt der Mittelalterrockband "Saltarello" - immer gab es etwas zu sehen. Da hätte selbst Stauferkaiser Friedrich Barbarossa, der für seine großen Feste einst gerühmt wurde, gestaunt.

Unheimlicher Pestmarsch

Dass wegen der zunächst etwas ungünstigen Wetterbedingungen der Boden vollkommen aufgeweicht und matschig war, vermochte die Stimmung nicht wirklich zu trüben. "Wir haben eigentlich jedes Jahr an einem der beiden Tage Regen gehabt", erzählt Michael Nagy. Später kam dann zum Glück doch noch die Sonne raus, und der unheimliche "Pestmarsch" gegen Abend konnte, wenn schon nicht ohne Pestbeulen, dann wenigstens trocken überstanden werden. Das "Spektakulum" ist bereits Tradition - und wird es wohl auch bleiben, Nagy: "Der Zuspruch ist sehr groß und das Event ist eine gute Sache für Monheim." Auf dass es auch in den kommenden Jahren ein gar vortreffliches Schauspiel geben möge. . .

Weitere Bilder finden sie auf einer Bilderstrecke: www.derwesten.de/monheim.

PETER SIEBEN

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