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Jahresrückblick

Das war Düsseldorf 2011

29.12.2011 | 16:50 Uhr
Das war Düsseldorf 2011
Ein Feuerwerk der guten Laune: Der Eurovision Song Contests war das herausragendste Ereignis 2011 in Düsseldorf. Foto: Michael Gottschalk/dapd

Düsseldorf.Es war das Ereignis 2011 – und fast jeder Düsseldorfer war darauf stolz: Der Eurovision Song Contest (ESC) startete am 14. Mai in der Arena. Zehntausende besuchten unsere Stadt, genossen schon Tage vorher bei Sonnenschein das internationale Flair der Landeshauptstadt. Bei der TV-Übertragung lief es vielen Düsseldorfern eiskalt über den Rücken, als die internationalen Juroren sich immer wieder mit „Good evening Düsseldorf“ meldeten. Einer der schönsten Momente während der Live-Übertragung kam aus Israel: „Düsseldorf ist nicht nur die Hauptstadt der Mode und des Karnevals sondern heute auch der europäischen Musik!“ Die Stadt steckte zehn Millionen Euro ins europäische Großevent, 83 Begleitveranstaltungen mit 350 000 Besuchern gab es anlässlich des ESC in der Stadt. Bei allen den positiven Ereignissen und Erinnerungen rund um den ESC fielen die Pannen kaum ins Gewicht: Zum Beispiel die fehlerhaften Programmhefte, die tausendfach überklebt wurden oder die angekündigte und dann geplatzte Illumination des Dreischeibenhauses.

Düsseldorf war 2011 aber auch geprägt von weiteren emotional positiven und negativen, hoch-politischen und spannenden Themen. Beispiele:


Neues Kraftwerk:
Alle wollten den Bau eines neuen umweltfreundlichen Gas-Kraftwerkes im Hafen: die Parteien, der Oberbürgermeister, die Gewerkschaften, die Umweltschützer vom BUND, die Landesregierung. Nur der Mehrheitseigner der Stadtwerke, der Karlsruher Energiekonzern EnBW zögerte. Die Investition von 500 Millionen Euro müsse sich rechnen, verlangte EnBW. Und ließ sich von der Wirtschaftlichkeit des Projektes schließlich überzeugen. Im Dezember stimmte der Stadtwerke-Aufsichtsrat einstimmig zu.

Das Altstadtpflaster drohte zum Skandal zu werden.


Altstadt-Pflaster:
Das neue Pflaster für die Altstadt mit einer geplanten Investitionssumme von 5,7 Millionen Euro drohte zum Flop des Jahres zu werden. Kaum verlegt, platzten wenig später hier und da die Fliesen. Die Stadt verhängte zeitweise einen Baustopp und schaltete einen Gutachter ein. Der fand heraus: Das Pflaster ist einwandfrei, Doch die Spannungen in manchen Fugen waren zu stark. Ein neuer Mörtel musste her.

Give-Boxen: Mitte September stellte Silke Roggermann die in Berlin entdeckte Idee der „Givebox“ im sozialen Netz Facebook vor, Mitte Oktober gab es mehr als 200 Helfer, schon am 17. Oktober stand der erste Geschenke-Schrank in Flingern. Eine Idee der ehrenamtlichen Bürgerhilfe, die sich über Facebook rasant verbreitete: In nur zwei Monaten entstanden Giveboxen in Gerresheim, Eller, Oberkassel, fünf weitere sind geplant. Anwohner und Geschäftsleute kümmern sich um die Schränke, in denen immer wieder gut erhaltene gebrauchte Kleidung, Küchengeräte oder Spiele neue Besitzer finden.


Hassels:
Das Wohnhochhaus an der Potsdamer Straße 45 wurde zum Skandal: Nach mehr als 25 Bränden geriet das Haus weiter in Verruf, weil die Verwalter die Aufzüge nicht reparierten, und Mieterinnen wie die 94-jährige Martha Leber im 15. Stockwerk von Verwandten versorgt werden musste. Zudem wurde die Heizung nicht zügig repariert, im November waren sogar 700 Mieter im Viertel ohne Wärme. Noch kurz vor Weihnachten lief in einigen Wohnungen keine Heizung, nach Monaten der Reparatur. Martha Leber, die seit 40 Jahren dort lebt, zieht nun aus. Ein „Runder Tisch“ bei der Verwaltung hatte zunächst nur ordnungspolitische Vorschläge, formulierte im November allerdings doch noch Auflagen für die Wohnungseigentümer.

Das Dreischeibenhaus wurde verkauft!


Dreischeibenhaus:
Nach dem Wegzug von Thyssen-Krupp wird das Wahrzeichen wiederbelebt. Ex-Pharma-Unternehmer Patrick Schwarz-Schütte und ein Hamburger Projektentwickler pumpen 220 Millionen Euro in die Architektur-Ikone. 2013 sollen hier moderne Büros für bis zu 1500 Mitarbeiter bezogen werden.


Occupy:
Es begann im Mai in Spanien, erreichte die Wall-Street, und auch Düsseldorf erlebte Tausende, die unter dem Slogan „Wir sind 99 Prozent“ gegen soziale Ungerechtigkeit und die Macht der Banken demonstrierten. Nach dem weltweiten Vorbild der Bewegung „Occupy Wall Street“ campierten an der Johanneskirche etwa 40 Besetzer in Zelten. Ihr Protest wurde unterstützt von Bürgern, die Essen, Decken, Lebensmittel, sogar Öfen vorbeibrachten. Die Wut auf die Finanz-Zocker trieb auch viele Ältere auf die Straße.

Die Philipshalle hat einen neuen Namen.


Philipshalle:
Die Halle, mit deren einprägsamen Namen Generationen nach dem Krieg groß geworden sind, die einst für Mega-Konzerte stand, heißt jetzt „Mitsubishi Electric Halle“. Durchgesetzt hat sich dieses Namensmonstrum bei den Düsseldorfern noch nicht.


Kö-Bogen:
Die Kräne drehen sich weiter, langsam wächst das Fundament. Im Sommer wurde mit dem Stuttgarter Bekleidungshaus „Breuninger“ der erste Mieter des Prestige-Objekts bekannt.

Tausendfüßler:
Im Rahmen des Kö Bogen soll die fast 50 Jahre alte Hochstraße kommendes Frühjahr abgerissen werden. Ein Tunnel soll den Nord-Süd-Verkehr durch die City aufnehmen. Nicht nur die Politik ist gespalten (CDU und FDP für den Abriss, SPD und und Grüne dagegen), auch die Bevölkerung: Laut Bürgerbarometer der NRZ wollen 54 Prozent der Düsseldorfer den Erhalt des denkmalgeschützten Tausendfüßlers. NRW-Bauminister Harry Voigtsberger, der Mitte Dezember entscheiden wollte, drückte sich: Er hat jetzt ein Gutachten in Auftrag gegeben, will dann entscheiden. Fest steht schon jetzt: Der geplante Abriss wird, wenn er denn kommt, um Monate verzögert.

Auf der Münchner Straße wurde in der Nacht zum 12. Juli ein Fußgänger überfahren und dabei getötet.


Tödliche Unfälle:
Mehrere Menschen starben bei Unfällen. Am 20. Mai stürzte in einer Baugrube in Flingern eine sechs Meter hohe Mauer ein. Ein Arbeiter war sofort tot, sein Kollege kam schwerst verletzt in die Klinik. Vor der Basilika in Gerresheim kam in der Nacht zum 17. April ein 23-Jähriger ums Leben. Er steckte kopfüber im Gully. Vermutlich wollte er Handy und Schlüssel aus dem Schacht holen, rutschte dabei in den geöffneten Abfluss. Am 21. August starb ein Rollstuhlfahrer am S-Bahnhof Wehrhahn. Er hatte die Kontrolle über den Rollstuhl verloren, der eine einfahrende S-Bahn streifte. Er wurde aus dem Stuhl gerissen und 20 Meter mitgeschleift. An der Grafenberger wurde am 31. Oktober eine Frau (99) von der Straßenbahn überfahren. Am 12. Juli lief nachts ein Fußgänger auf die Münchener Straße und wurde überrollt. Am 12. Dezember verunglückte ein Pkw-Fahrer auf der Frankfurter Straße, am 29. November starb ein 73-Jähriger bei einem Unfall auf der Kniebrücke.

Auf der Kirmes brannte in der Nacht vor der Eröffnung eine Losbude komplett aus. Es war Brandstiftung.


Kirmes:
Weniger Besucher als im Vorjahr wurden gezählt – der verregnete Sommer machte den Schaustellern einen Strich durch die Rechnung. Am Tag der Eröffnung brannte nachts der „Glückskönig“ aus – Brandstiftung! Einem Schausteller-Ehepaar wurde mit der Losbude die Existenz genommen. Am ersten Kirmes-Sonntag stürzte ein Vierjähriger aus einem drehenden Kettenkarussell, flog durch die Tür in den Wohnwagen der Wahrsagerin Cassandra. Das Kind kam mit Brüchen und Abschürfungen relativ glimpflich davon, der Karussell-Betreiber muss sich vor Gericht verantworten. Die NRZ startete erstmals ihr Riesenrad-Dinner: 72 Leser genossen bei einer mehrstündigen Fahrt ein dreigängiges Gourmet-Menü.


Flughafen:
Erstmals gab es mehr als 20 Millionen Passagieren. Immer mehr Ziele werden angeflogen. Air China fliegt neu nach Peking, Air Berlin nach Curacao, Ethiad nach Abu Dhabi. Lufthansa kündigte für 2012 eine neue Tokio-Verbindung an, Air Berlin fliegt ab 2012 nach Las Vegas.

Im Capitol Theater feierte das Musical „Kein Pardon“ nach dem gleichnamigen Film von Hape Kerkeling im November eine gefeierte Premiere. In der Hauptrolle: Ein grandioser Dirk Bach als Heinz Wäscher.


Kultur:
In seiner ersten Saison in Düsseldorf hatte der schwedische Theatermann Staffan Valdemar Holm bereits mit einigem Ärger zu kämpfen. Die Antrittsinszenierung des neuen Intendanten des Schauspielhauses wurde drei Wochen verschoben; die Renovierung des Großen Hauses entpuppte sich als aufwendiger als vorgesehen. Folge: Erst am 4. November begann die Spielzeit auf der großen Bühne. Gespalten war die Reaktion auf Holms „Hamlet“. Ideenlos, sagten die einen – endlich wieder Schauspielertheater freuten sich die anderen. Eindeutiger fiel das Echo für einen komödiantischen Mitbewerber aus: Hape Kerkelings „Kein Pardon“ entpuppte sich als Garant für ein volles Haus. Das Capitol Theater freut’s. Vorerst wird die Ruhrpottklamotte weiter im Musicaltheater gastieren. Gefeiert wurde am Ende nicht nur in den Theatern. Den 50. Geburtstag beging die Kunstsammlung NRW. Erstmals lud das Haus zum Fundraising Dinner. Bis zu 1000 Euro kostete die Karte für das Menü mit Kunstauktion im Ständehaus. 670 000 Euro kamen zusammen. Geld, das in den Ankauf eines Gemäldes der US-Künstlerin Agnes Martin fließt. Gut für die Kunst - und gut für die Quote. Immer noch sind viel zu wenige Künstlerinnen in der Sammlung der Landesgalerie vertreten.

Vielleicht ja ein Vorsatz fürs neue Jahr.

Von unserer Lokalredaktion

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