Das Rathaus ging zum Regenbogen

Mehr als 1500 Menschen tanzen, feiern, lachen. Durch die ganze Stadt. Sie trinken ein Sektchen und singen laut mit der Musik. „Tausend Träume weit“, „Born this way“ und am lautesten: „Ein Hoch auf Uns“. Der Song von Andreas Bourani war schon die inoffizielle Hymne der Fußball-Weltmeisterschaft, jetzt begeistert er auch die Schwulen, Lesben und Transsexuellen auf dem 12. Christopher Street Day in Düsseldorf.

Am Samstag ging es um 14 Uhr los. Der bunte Demonstrationszug zog unter dem Motto „Unser Dorf“ von der Friedrich-Ebert-Straße über die Oststraße und die Königsallee bis zum Johannes-Rau-Platz. Mit dabei waren neben dem CSD-Gästewagen auch Fahrzeuge von SPD, Linken und Piratenpartei. Außerdem war der KG-Regenbogen und die Düsseldorfer AIDS-Hilfe mit von der Partie. Das ist wohl das, was Putin meint, wenn er sagt, die westliche Welt sei ,verkommen’“, sagt CSD-Veranstalter Kalle Wahle bei seiner Kundgebung, „aber wenn mehr Menschen so ,verkommen’ wären wie wir, dann wäre die Welt ein großes Stückchen besser. Sie wäre bunter, friedlicher und freier.“

Besonders die Freiheit liegt Wahle und den Demonstranten besonders am Herzen. „In 70 Ländern dieser Erde ist es immer noch ein Verbrechen, jemanden des gleichen Geschlechts zu lieben. In sieben dieser Länder droht uns dafür noch heute der Tod“, heißt es in Wahles Zwischenkundgebung auf dem Schadowplatz.

Dass Menschen bestraft werden, weil sie lieben, wen sie wollen, erscheint auch vielen Düsseldorfern unlogisch. „Ich habe kein Verständnis für die Diskriminierungen“, sagt die 45-jährige Natalia Werster. Sie ist heute eigentlich zum einkaufen in der Stadt, ist aber begeistert vom CSD: „Ich finde es super, das sie heute für ihre Rechte eintreten und diese Parade gehen.“ Doch eine Parade ist der Christopher Street Day nicht. Darauf bestehen die Teilnehmer. „Eine Parade können wir feiern, wenn keiner von uns mehr als ,schwule Sau’ bezeichnet wird und wenn sich keiner von uns mehr für sein Lebensstil und seine Liebe rechtfertigen muss. Aber bis dahin demonstrieren wir. Friedlich bunt und fröhlich“, sagt Veranstalter Wahle.

Friedlich sind die Demonstrationen vom CSD eigentlich immer. „Wir sind froh, dass uns nur etwa 20 fröhliche Polizisten begleiten. Das ist eine gute Quote, wenn man bedenkt dass die rechtsradikalen Demonstrationen der Dügida von fast 1000 Beamten begleitet wurden, obwohl deutlich weniger Demonstranten beteiligt waren.“ Das rechtsradikale Gedankengut, welches in den vergangenen Monaten deutschlandweit verbreitet wurde, empfindet Wahle als Rückschlag. „Deswegen werden wir weiterhin jedes Jahr demonstrieren und unsere Botschaft verbreiten. Gleichstellung, Toleranz und Akzeptanz“, so Wahle. Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel unterstützte die Paradiesvögel. Er schnitt das Eröffnungsband durch und startete damit symbolisch die Demonstration. Und der Christopher Street Day kann in diesem Jahr auch einen großen Erfolg verbuchen: Die Regenbogen-Flagge hing in diesem Jahr zum ersten Mal am Rathaus.