Das Leben mit Lepra

Oberbürgermeister Thomas Geisel ruft zum Welt-Lepra-Tag am morgigen Sonntag dazu auf, die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) zu unterstützen. „Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, der gefährlichen Krankheit Tuberkulose Einhalt zu gebieten“, erklärt der Oberbürgermeister. Die Aktionsgemeinschaft Düsseldorf der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe kümmert sich seit 45 Jahren mit viel Fantasie und Engagement um das Leprakrankenhaus des Ordens der Christusträger-Schwestern im pakistanischen Rawalpindi. Im Rawalpindi Leprosy Hospital erhalten jährlich viele Patienten die Diagnose und kostenlos die rettende Behandlung. Spenden werden erbeten auf das Konto 12 081 600 bei der Stadtsparkasse Düsseldorf, IBAN: DE95 3005 0110 0012 0816 00.

Seit 1988 arbeitet Dr. Christine Schmotzer im Rawalpindi Leprosy Hospital. Die dem Orden der Christusträger-Schwestern, einer in Süddeutschland beheimateten Schwesterngemeinschaft, angehörige Ärztin übernahm 1993 die medizinische Leitung. Viele erkrankte Menschen suchen in dem von den Spendern der Lepra- und Tuberkulosehilfe unterstützten Krankenhaus in Rawalpindi Hilfe. Seit das als Leprakrankenhaus gegründete Hospital mit seinen 72 Betten auch Tuberkulose-Diagnosen durchführt und Behandlungszentrum ist, gilt Schmotzers Aufmerksamkeit vor allem dem Kampf gegen die Infektionskrankheit Tuberkulose. Denn so wie die Lepra muss auch diese Armutskrankheit frühzeitig erkannt und richtig mit Antibiotika behandelt werden, damit die Betroffenen nicht sterben. Bereits seit 1965 arbeitet die DAHW mit den Christusträger-Schwestern zusammen. In Pakistan sind sie unter dem Namen ALP (Aid to Leprosy) aktiv und leisten im Kampf gegen Lepra und Tuberkulose einen unverzichtbaren Beitrag.

Die ehrenamtliche Präsidentin des DAHW, Gudrun Freifrau von Wiedersperg, wendet sich zum Welt-Lepratag mit folgendem Aufruf an die Öffentlichkeit:„Stoppt Lepra! Jeder Mensch zählt. Für fast alles in unserem Leben gibt es Statistiken. Zum Beispiel, wie oft wir krank werden und wie lange wir wohl leben werden. Natürlich immer im Durchschnitt, denn keine Statistik berücksichtigt einzelne Schicksale.“

Eine dieser vielen Statistiken veröffentlicht die Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Jahr zur Lepra. Und da steht es schwarz auf weiß und gleich zu Beginn, dass die Zahl der neuen Patienten weltweit um rund 17 000 gesunken ist auf nunmehr 215 000. Erst weit hinten in der Statistik erfährt man, dass fast die Hälfte aller Länder keine Zahlen geliefert hat, darunter auch Schwerpunktländer wie Uganda und Liberia. Fest steht leider nur, dass Lepra lebt – immer noch. Für einen Menschen bedeutet die Diagnose Lepra, dass sein Leben nie mehr so sein wird wie zuvor. Die Infektionskrankheit Lepra ist dank der Antibiotika relativ einfach zu behandeln, und je nach Schwere der Erkrankung wird ein Patient nach sechs bis zwölf Monaten Therapie als geheilt aus der Statistik gestrichen. Die Krankheit geht an den Patienten aber nicht vorbei, ohne sie zu zeichnen. Für den Rest seines Lebens wird dieser Patient stigmatisiert, wird Demütigungen und Diskriminierungen ausgesetzt sein und in vielen Fällen kein selbstbestimmtes Leben mehr führen können.

Kampf gegen Vorurteile

Die soziale Krankheit Lepra ist kaum heilbar. Es sind rund vier Millionen Menschen, die nach einer Lepra-Erkrankung mit den typischen Behinderungen leben. Diese Verstümmelungen der Hände und Füße, manchmal auch der Gesichter, machen es für die Mitmenschen schnell erkennbar, dass es sich um Folgen von Lepra handelt. Der Stempel „Leprakranker“ wird aufgedrückt und nicht mehr losgelassen. Mit Lepra und den daran erkrankten Menschen will keiner zu tun haben. Aus diesem Grund „schönen“ Staaten Statistiken, feuern Arbeitgeber an Lepra erkrankte Mitarbeiter, lassen Bürgermeister Leprakranke aus ihren Städten deportieren, verweisen Schulleiter Kinder aus den Familien der Patienten von ihren Schulen, verjagen Nachbarn diese Menschen aus „ihren“ Stadtteilen.

Gudrun Freifrau von Wiedersperg: „Wir, die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, haben seit fast 60 Jahren mit diesen Menschen zu tun. Gegründet als ‘Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk’ gehen wir zu den Menschen, die aufgrund dieser Krankheit ausgegrenzt und all ihrer Chancen beraubt werden. Wir geben ihnen neue Chancen auf soziale Kontakte und ein selbstbestimmtes Leben. Was uns antreibt bei dieser Arbeit ist die Gewissheit, dass jeder Mensch einzigartig ist und diese Chancen verdient hat. Dass sie ihnen nicht verwehrt werden dürfen nur wegen Vorurteilen gegenüber der ältesten Krankheit der Welt. Als ehrenamtliche Präsidentin der DAHW bitte ich Sie, uns zum Welt- Lepratag am 25. Januar dabei zu unterstützen, dass die Krankheit gestoppt und mit Vorurteilen aufgeräumt wird. Jeder so, wie er sich einbringen kann. Damit kein Mensch vergessen wird, nur weil er in keine Statistik mehr passt.“