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Ballett

Das kleine Wunder am Rhein

06.06.2010 | 15:18 Uhr

Düsseldorf. Für Martin Schläpfer neigt sich die erste Spielzeit dem Ende entgegen.

Sein großes Ensemble von 48 Tänzern zusammenzuschweißen, mit ihnen ein neues Programm für die beiden Häuser der Rheinoper aufzubauen und das Publikum mitzureißen – all’ das, was sich der neue Chefchoreograph und Ballettdirektor der Deutschen Oper am Rhein vor einem Jahr vornahm, hat er erreicht. Und das überraschend häufig mit zeitgenössischer Musik. Obwohl zuvor noch nie so viel moderne Klänge bei Ballettabenden zu hören waren.

Die Vorstellungen, besonders von „b.03“, waren fast immer ausverkauft, die Gesichter einiger seiner Tänzer sind stadtbekannt, Kritiker aus der ganzen Republik reisen an und rühmen Schläpfers Werk als ‚kleines Wunder am Rhein’. Kaum hatte er 2009 gewagt, an einen derart schnellen Erfolg zu glauben.

Zufriedene, freudige Erschöpfung zeichnet das Gesicht des Machers. Lobeshymnen machen ihn verlegen. Er bevorzugt den leisen Ton, hält sich lieber zurück. Schwärmerisch wird er, wenn er über die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Tondichtern spricht. Wie Paul Pavey: Der englische Komponist kreierte ein Stück für Gesang, Cello und Electronics, das Schläpfer in das Stück „3“ umsetzte. Es wird das Herzstück seines neuen Abends „b.05“. Denn nach vier Premieren steht am 12. Juni die fünfte bevor.

„3“, bereits 2007 in Mainz erschienen, dauert etwa 60 Minuten: Darin werden die Tänzer, meist spärlich bekleidet, auf leerer Bühne von drei Verfolgern in die Enge getrieben. Die Beleuchtung sei grell und dringe in den kleinsten Winkel vor. In dieser Kammermusik mit Tänzern werde der Zuschauer zum Voyeur, so Schläpfer, der dieses Stück für eines seiner bislang „wichtigsten“ hält. Zumal der britische Perfomer Paul Pavey die Musik der Kompanie auf den Leib zuschnitt.

Eingestimmt auf „3“ wird das Publikum mit drei kürzeren Stücken. Zu diesen „Flipflops“ zählen zwei Schläpfer-Kreationen: „Pezzi und Tänze“ (für Sopransaxophon von Giacinto Scelsi und 15 Walzer für Violione und Gitarre von Franz Schubert). In den Miniaturen im Dreivierteltakt geht es um Geschichten zwischen Mann und Frau. Jeder Walzer schlage ein Kapitel in ihrer Beziehung auf. Und das alles in Melancholie und Freude, gekrönt von einem wehmütigen Abschied. Schläpfer: „Ein Weltschmerz, der auch lächeln kann.

Neben einem weiteren Schläpfer-Stück, „Ramfications“ (Musik von György Ligeti) steht  eine Uraufführung auf dem Programm. Teresa Rotemberg schuf für das Ballett „Irreversibel“ zu Sonaten und Soli von John Cage. Dabei fordert die Choreographin und Tänzerin die Beweglichkeit der Tänzer heraus. Auf Spitzenschuhen vollführen sie akrobatische Exerzitien. „Die extreme Stellung des Beckens ist nicht immer gesund für die Körper“, schmunzelt Schläpfer. Aber für seine Athleten dürften diese Anforderungen zu meistern sein

Michael-Georg Müller

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