"Das kann sich doch keiner leisten!"
01.04.2009 | 23:00 Uhr 2009-04-01T23:00:00+0200In der „Grünen Aue” sind sie sich gar nicht mehr grün mit ihrem Stadtverbandvorsitzenden Peter Vossen und seinem Vorstoß für einen allgemeingültigen Entwässerungsvertrag.
Und wenn die 60 Kleingärtner aus Lohausen von der Stadt reden, sehen sie nur noch rot. Denn die Laubenpieper im Norden, sie sagen einstimmig „Nein” zum Anschluss ans städtische Kanalnetz und nochmal „Nein” zum Angebot der Stadt, ein Darlehen mit 3,9 Prozent Verzinsung für die Kosten zu stellen. Margret Einig, 1. Vorsitzende des Kleingartenvereins, ist empört: „Hier soll jeder 7000 Euro allein für den Anschluss zahlen. Sagen sie das mal den Rentnern und Familien - das kann sich doch keiner leisten!”
Seit der vom Kleingärtnerverband und der Stadt bezahlte Sachverständige für Kanalbau bei ihnen war und die Summe überschlägig schriftlich kalkuliert hat, ist den Kleingrundpächtern die Freude an ihrem Idyll vergangen. Bei der Jahreshauptversammlung in der vergangenen Woche, so Einig, „ist mir einer fast an die Gurgel gesprungen: Der Mann wurde gerade auf Kurzarbeit gesetzt. Woher soll der so viel Geld nehmen?”
Die 2. Vorsitzende Anne Lohmann, seit 30 Jahren Kleingärtnerin am Heiligenweg, pflichtet Einig bei: „Mit dieser horrenden Summe sind noch nicht mal alle Kosten abgedeckt. Es kommt ja noch der Anschluss auf unseren Parzellen dazu! Zudem müssen wir drei Pumpen bauen, weil wir im Rheingelände liegen und erstmal neue Wasserrohre brauchen! Wir hatten schon 31 Rohrbrüche hier.” Lohmann sprudelt weiter: „Und was machen wir, wenn wir den Kleingarten aufgeben müssen? Den Kanal können wir nicht mitnehmen. Solch teure Gelände werden wir doch nie wieder an andere los!”
„Um Himmels Willen!” wehren Verbandschef Peter Vossen und Umweltdezernentin Helga Stulgies angesichts der aufgebrachten Kleingrundbesitzer ab. Zumal, so Stulgies, sie nicht die einzigen sind. Der Gutachter aus Meerbusch sei nicht befugt, irgendwelche Kosten zu ermitteln. Stulgies: „Ich weiß nicht, was der für Preise macht.” Jetzt soll das Gartenamt den Experten zurückpfeifen. Peter Vossen: „Der Mann hat schon andere kopfscheu gemacht.” Zum Beispiel die Kleingärtner in Holthausen, die angeblich 5700 Euro berappen sollen. Vossen: „Es kommt doch darauf an, welche Firma man bestellt. Eine macht's für 1000 Euro, die andere für 4000.” Die höchsten bisher reell ermittelten Kosten gebe es an der Stieglitzer Straße in Rath: „Da kostet der Kanalanschluss 6000 Euro. Aber da werden wir eine Lösung finden.”
Die einzige Lösung für die Kleingärtner in Lohausen ist: „Es bleibt beim Nein”, bekräftigt Anne Lohmann. Und überhaupt: „Warum baut die Stadt die Kanäle nicht, wenn sie es für nötig hält? Wir bezahlen dann Pacht dafür.” Bisher kostet sie das 300 Quadratmeter-Idyll rund 310 Euro pro Saison von März bis Oktober. Weitere Kosten: Die professionelle Leerung der Kläranlage mit über 1600 Euro.
Die beiden Frauen vom Vorstand wehren einmal mehr ab: „Wir sollen auch noch”, sagen sie, „für die Darlehen der Stadt bürgen.” Das sei eine Zumutung: „Wer tut das schon mit seinem Privatvermögen für irgendeinen anderen Privaten?”, fragen die Ehrenamtlerinnen erbost. „Wir nicht.”
Dezernentin Stulgies gibt der „Grünen Aue” auf Nachfrage kleine Nachhilfe: „Wir werden abwarten, ob die sich einigen. Wenn nicht, prüfen wir, ob die Abwassergruben der DIN-Norm entsprechen. Wenn nicht, dann leiten wir juristische Schritte ein.” Von Entspannung in den Kleingärten auf städtischem Grund kann also noch lange nicht die Rede sein.
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