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"Das ist ein Unding"

12.11.2008 | 20:55 Uhr

PROJEKT. Über eine neue Rechtsauffassung und das Ende eines erfolgreichen Qualifizierungsprogramms für Langzeitarbeitslose.

HILDEN/LANGENFELD. Ein junger Mann, Mitte 30, mit abgeschlossener Ausbildung als Fachkraft für Lagerwirtschaft. Zwölf lange Jahre ist er ohne Job, gibt aber nicht auf. So nimmt der Mitdreißiger am Qualifizierungsprogramm eines von der Arge initierten Gemeinschaftsprojekts der Jugendwerkstatt und Seniorendienste in Hilden sowie der Gesellschaft gegen Arbeitslosigkeit in Langenfeld teil. Und die Gruppenmaßnahme lohnt sich. Seit dem 1. August 2008 arbeitet der junge Mann, über ein Praktikum vermittelt, wieder in seinem erlernten Beruf. Es ist eine von zahlreichen Erfolgsgeschichten dieses Projekts für Langzeitarbeitslose, Hartz-IV-Empfänger, die eine intensive Betreuung brauchen, um den Weg ins Erwerbsleben zu schaffen.

65 Prozent der Teilnehmer vermittelt

Seit Beginn der Maßnahme 2006 wurden 65 Prozent der 116 Teilnehmer zwischen Anfang 20 und Ende 50 nachhaltig in Arbeit oder Ausbildung vermittelt. Allein die Durchlaufquote ist angesichts von insgeamt 48 Plätzen beachtlich.

Doch im September 2008 ist das mit rund 1,2 Millionen Euro Bundesmitteln in den vergangenen zwei Jahren geförderte Projekt ausgelaufen. "Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales legt den Paragrafen 16 des Sozialgesetzbuches nun anders aus. Seit April 2008 ist allen Arbeitsgemeinschaften untersagt worden, solche Gruppenprojekte durchzuführen", erklärt Stephan Drießen von der Arge Me-aktiv. "Es sollen über diesen Paragrafen nur noch individuelle Maßnahmen gestaltet werden."

Zum Ärger der betroffenen Bildungsträger. "Es ist ein Unding, dass durch politische Vorgaben solche sehr erfolgreichen Kooperationen kaputt gemacht werden", sagt Ulrich Moenen, Geschäftsführer der Gesellschaft gegen Arbeitslosigkeit in Langenfeld.

Gruppenarbeit war entscheidend

Auch Stephan Drießen kann die Entscheidung des Ministeriums nicht recht nachvollziehen. "Im Januar 2009 werden die arbeitsmarktpolitischen Instrumente sowieso neu geregelt. Dann dürften solche notwendigen Projekte zumindest von der Intention her wieder möglich sein. Das halbe Jahr hätte man deshalb doch überbrücken können." Die betroffenen Bildungsträger zu zertifizeren, damit die Maßnahme über so genannte Bildungsgutscheine fortgesetzt werden kann, sei so schnell unmöglich gewesen.

So bleibt derzeit nichts anderes übrig, als auf eine erfolgreiche Arbeit mit den Fachbereichen Metall, Lager, Hotel und Gaststätten sowie des kaufmännischen Gebiets zurückzublicken. Der Schwerpunkt habe aber vor allem auf der sozialpädagogischen Betreuung der Teilnehmer aus Hilden, Haan, Langenfeld und Monheim gelegen.

"Gerade die Gruppenarbeit, das Erlernen von Teamwork, war ganz entscheidend für den Erfolg des Projekts", sagt Stella Jurisa, Projektleiterin für die Seniorendienste in Hilden.

DANIEL WIBERNY

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