Das Grundwasser in Düsseldorf-Benrath ist verseucht

Die Itter im Benrather Osten. In diesen Bach wird das gereinigte Benrather Grundwasser abgelassen.
Die Itter im Benrather Osten. In diesen Bach wird das gereinigte Benrather Grundwasser abgelassen.
Foto: Dirk Neubauer / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Chlorierte Kohlenwasserstoffe verseuchen den Untergrund. Deshalb müssen über zwei Jahrzehnte hinweg sechs Milliarden Liter Wasser gefiltert werden.

Düsseldorf.. Im Vorbeifahren ist die rasch übersehen: Eine Batterie dunkelgrüner Kessel steht an der Autobahn 59 auf einem Parkplatz unmittelbar am Benrather Forst. Versteckt im Wald fördern drei Brunnen 150 000 Liter Wasser pro Stunde, die über eine 500 Meter lange Leitung zu jener dunkelgrünen Anlage zu fließen. In einem mehrstufigen System aus Aktivkohle-Filter gereinigt zu werden.

Anschließend fließt das so gesäuberte Wasser in die Itter und den Rhein. Dort werden wenigstens noch fünf, vielleicht sogar noch zehn Jahre lang die lärmgedämmten Pumpen Tag und Nacht laufen und eines der größten Umweltprobleme der Stadt reparieren. Ein über mehr als zwei Jahrzehnte angelegtes, vierstufiges Sanierungskonzept soll Bürger vor ersthaften Gesundheitsschäden bewahren.

Grundwasser ist verseucht

Das Grundwasser ist auf einer Länge von mehr als drei Kilometern und einer Breite von mindestens 800 Meter mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) verseucht. Die Wirkung auf Menschen ist verheerend und abhängig von der konsumierten Dosis. Es beginnt bei Reizungen und Verätzungen der Atemwege und führt nach der Aufnahme in den Körper zu Störungen des zentralen Nervensystems bis hin zum Tod.

Kein Wunder, dass Kleingärtner der Gegend nur Rosen züchten, aber keine Tomaten oder Zucchini ziehen, geschweige denn essen dürfen. Und dass die Stadt der Bekämpfung des CKW-verseuchten Grundwassers oberste Priorität eingeräumt hat. Die Kosten der Grundwasserreinigung über eine Zeit von wenigstens 15 Jahren werden auf rund 15 Millionen Euro geschätzt.

Verursache sind Unternehmen in Hilden

Die Verursacher? Waren Unternehmen in Hilden. Lösungsmittel wurden in der Metallindustrie früher häufig, intensiv und sorglos für die Entfettung von Rohren und Blechen eingesetzt. Eine Quelle der Schadstoffe liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Röhrenwerks unter einer Fabrikhalle, die heute von einem Rohrhandel genutzt wird. Dort wurden bis zu 40 Meter tiefe Brunnen gebohrt; die Schadstoffe befinden sich in einer Tiefe von 10 bis 20 Metern.

Eine zweite Quelle für die gesundheitsschädlichen Chlorverbindungen wurde auf einen Grundstück ausgemacht, das früher zur Lackfabrik Wiederholt gehörte und auf dem heute eine Autoreparaturwerkstatt steht. Wiederhold-Nachfolger Akzo Nobel hat Kosten für die Grundwassersanierung übernommen. Und Düsseldorf einigte sich mit dem Kreis Mettmann vor dem Verwaltungsgericht über eine Aufteilungen der Millionenkosten.

„Gewaltiges Schadensausmaß“

Das war bitter nötig. „Es handelt sich über ein gewaltiges Schadensausmaß“, erläutert Thomas Dinkelmann, Leiter der Unteren Bodenschutzbehörde beim Kreis Mettmann. Die Ermittlung der Verursacher dauerte Jahre. Dazu wurden unter anderem 300 Grundwassermessstellen gebaut, davon 180 in Benrath. Heute dienen die Messpunkte dazu, den Rückgang der Belastung zu verfolgen.

Die grünen Kessel an der A 59 werden am Ende mehr als sechs Milliarden Liter Grundwasser von Gift befreit haben. Lärmgedämmt, damit die permanent laufenden Pumpen Anwohner möglichst wenig belasten. Die Benrather Giftfahne im Grundwasser gilt als eine der aufwendigsten Sanierungen überhaupt. Ein Vorbild auch für andere Städte. Experten des städtischen Umweltamtes haben die Benrather Grundwassersanierung samt Rahmenbedingungen und Maßnahmen in vielen Fachvorträgen erläutert.

Die CKW-Fahne im Untergrund beschränkte nicht nur die Kleingärtner auf ihren Parzellen. Auch ein anderer Plan fiel dem vergifteten Grundwasser zum Opfer. Ein früherer Bäderchef Düsseldorfs wollte unterhalb des Benrather Hallenbades Mineralquellen anzapfen und das bis dahin ein wenig langweilige Schwimmbad zur Wellness-Oase mit eigener Therme ausbauen. Beinahe wäre ein Heilbad Benrath entstanden. Als ihn die Fachleute vom Umweltamt auf die problematische Belastung hinwiesen, nahm er von den verlockenden Plänen Abstand.

Anwohner haben sich an Filteranlagen längst gewöhnt

Im Alltag fallen die Reparaturbemühungen um das Grundwasser kaum mehr auf. Die meisten Spaziergänger haben sich an die im Gebüsch stehende Filteranlage längst gewöhnt. Nur wenn neue Kleingärtner ihre Parzelle beziehen, gibt es Irritationen, die aber schnell von den Nachbarn relativiert werden. Schließlich leben sie schon eine ganze Zeit lang mit der zweifelhaften Fracht im Grundwasser.