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Das Geheimnis der Madame B.

17.06.2009 | 17:28 Uhr

Kulturhistorischer Glücksfall: Heine-Institut erwarb für 80 000 Euro Gästebuch mit Widmungen von Heine bis Paganini

Geheimnisvoll, diese Madame C. Beaumarie´. War sie die Schwester oder Großmutter des Zauber-Geigers und Paganini-Nachfolgers Heinrich Wilhelm Ernst? Oder gar seine Geliebte? Niemand weiß es. Ihr Name bleibt umwittert, aber ihr Nachlass ist ein kulturhistorischer Glücksfall für Düsseldorf. Denn jene merkwürdige Madame führte sorgsam ein Album, das als Dokument zu den jüngsten Errungenschaften des Heine-Instituts gehört: In ihm spiegelt sich die gesamte kulturelle Welt der Heine-Zeit.

Ein Fichtenbaum

steht einsam...

Mit weißen Handschuhen und ganz behutsam legte Archivar Christian Liedtke das 80 000 Euro teure Gästebuch vor. 87 eigenhändige Eintragungen und Widmungen sind enthalten - von Heinrich Heine, George Sand, Fre´de´ric Chopin, Franz Liszt, Hector Berlioz, Giacomo Meyerbeer, Cesar Franck, Niccolo Paganini bis Felix Mendelssohn-Bartholdy. Einfach alles, was in der Mitte des 19. Jahrhunderts (1837-1856) in Europa Rang und Namen hatte.

Ein nobles Buch, von bordeauxrotem Leder zusammengehalten, mit goldgeprägten Ornamenten verziert und den Initialen von Madame. Dazu eine vergoldete Schließe. Die Sammlerin führte es als eine Art Gästebuch. Dass sie viel auf Reisen war, belegen Ortsangaben wie Amsterdam, Kopenhagen, Brüssel und Rom. Maler verewigten sich mit eigenen Zeichnungen, Musiker mit Kompositionen, Literaten mit handschriftlichen Gedichten. Professor Joseph Kruse, Noch-Leiter des Heine-Instituts, vermutet, dass Madame die Muse des Musikers Heinrich Wilhelm Ernst war, „dass er vielleicht für sie sogar gesammelt hat”. Das Album ist in Frankreich aufgetaucht, wurde von einem Münchner Auktionshaus angeboten. Das Heine-Institut erhielt den Zuschlag, weil Bund, Land, Stadt und Kulturstiftung der Länder bei der Finanzierung halfen. Eine solche Gemeinschaftsaktion sei wichtig für große Ankäufe, bestätigte Kulturdezernent Hans-Georg Lohe.

Heinrich Heine hat für Madame sein Gedicht „Ein Fichtenbaum steht einsam” aufs Blatt geschrieben. Den Musikern, mit denen er nun im Album vereint ist, zollte er in seinen Kritiken für die Augsburger „Allgemeine Zeitung” viel Anerkennung. Der Musiker Ernst sei „vielleicht der größte Violinspieler unserer Tage”, schrieb er.

Das kostbare Album ruht jetzt im klimatisierten Archiv. Für jeden greifbar ist jedoch eine Dokumentation, die die Kulturstiftung der Länder in ihrer Reihe „Patrimonia” herausgegeben hat.

Ursula Posny

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