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Gerichtsumzug

Das Gedächtnis ist schon angekommen

16.02.2010 | 17:19 Uhr

Düsseldorf. Der Countdown läuft. In zwei Wochen heißt es für die rund 900 Mitarbeiter von Land- und Amtsgericht endgültig: „Packen!” Wenige Tage später startet dann der Betrieb im neuen Gebäude in Oberbilk. Ein Großteil der Arbeit ist aber schon erledigt.

Denn die ersten „Bewohner” sind bereits umgezogen: Die Archiv-Akten hausten bisher in engen Kellern auf einfachen Holzregalen. Jetzt ist das papierne Gedächtnis der Justiz nach einem neuen Ordnungssystem in modernen Rollregalen zu finden, die meisten von ihnen elektrisch betrieben. Das Archiv nimmt fast die gesamte Kellerfläche des neuen Gebäudes ein.

Blumen und Wandbilder

30 Kilometer Akten haben damit den Umzug schon hinter sich. Dreißig Mitarbeiter von Umzugsunternehmen und Gericht waren von November bis Januar damit beschäftigt. Sie packten und verluden täglich 1500 große blaue Plastikwannen voller Akten, zwei Zwölf-Tonnen-Laster und neun Dreieinhalb-Tonner pendelten zwischen Altstadt und Oberbilk.

Was noch fehlt, sind die Akten der aktuell bearbeiteten Fälle, Vereinsregister, Handelsregister und Grundbuch. Sie werden erst in der Umzugswoche eingepackt. Dabei müssen Richter und Mitarbeiter selbst Hand mit anlegen, ebenso bei der persönlichen Einrichtung ihrer Büros. Am Donnerstag, den 4. März, 13 Uhr, müssen sie die Deckel ihrer Kartons schließen, sie mit so beschriften, dass die Umzugshelfer sie in Oberbilk an die richtige Stelle bringen können. So sollen die Justizkräfte am Montag, 8. März, ihre Domizile selbst wieder mit ihren Akten, Schreibutensilien, Blumen und Wandbildern füllen können.

„Das wird alles klappen”

Die Technik werden Fachleute neu verstrippen. Das Amtsgericht bekommt neue Rechner, das Landgericht wird seine erst vor zwei Jahren erneuerten Computer weiternutzen. Das IT-System wird ebenfalls am Donnerstag heruntergefahren und soll am Montag wieder anlaufen.

„Das wird alles klappen”, ist sich Philipp Böcker, Richter am Amtsgericht und einer der Organisatoren des Umzugs sicher. Denn ab Dienstag, den 9. März, soll das Gericht wieder funktionieren. Ein Eildienst für dringende Fälle tut aber auch über den Umzug Dienst, am 4. und 5. März noch an der Neubrückstraße, ab 8. März dann an der Werdener Straße.

Viele Richter und Mitarbeiter verlassen mit Wehmut das alte Gebäude. Zum Abschied feiern sie noch einmal im prachtvollen große Foyer des Altbaus. Im neuen Haus wird es schicker und moderner. Manch einer, der bisher ein großzügiges Büro hatte, muss sich kleiner setzen. Dafür aber werden die, die bisher in winzigen Winkeln arbeiteten, mehr Platz haben. Vor allem wird es die ganz kleinen Verhandlungssäle nicht mehr geben. „Im Durchschnitt verbessern wir uns”, so Stefan Coners, Sprecher des Amtsgerichts.

Die auffälligste Veränderung für Besucher: Der Zutritt ist nur durch eine Schleuse möglich. Dann wird es endlich auch im Amts- und Landgericht durchgehende Sicherheitskontrollen geben. Bisher gab es die nur sporadisch. Im neuen Haus wird jeder Besucher durch einen Metalldetektor gehen und seinen Ausweis vorzeigen müssen - Wartezeiten sollten sie also einplanen.

Bessere Orientierung

Drinnen wird eine große elektronische Anzeigetafel auf anstehende Verhandlungen verweisen. Mitarbeiter am „Info-Point” sollen helfen, Säle und Büros zu finden. Weil die Räume nach einem einfachen System nummeriert sind, soll die Orientierung viel besser werden als in dem verschachtelten Gebäudekomplex in der Altstadt.

Das neue Haus liegt direkt an der U-Bahn-Haltestelle Oberbilker Markt/Warschauer Straße. Für motorisierte Besucher sind rund 160 Parkplätze angelegt. Ob das reicht, ob sich in der Umgebung genug Abstellmöglichkeiten finden, wird die Praxis zeigen.

Katharina Rüth

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