Das Entsetzen lindern

Rund 230 Einsätze haben die 35 Seelsorger der Notfallseelsorge Düsseldorf pro Jahr.
Rund 230 Einsätze haben die 35 Seelsorger der Notfallseelsorge Düsseldorf pro Jahr.
Foto: Stahl
Was wir bereits wissen
35 Notfallseelsorger sind in Düsseldorf im Einsatz. „Unser Schwerpunkt liegt klar bei häuslichen Fällen“, so Christoph Dörpinghaus, hauptamtlicher Mitarbeiter.

Düsseldorf..  Kurz nachdem die Nachricht vom Flugzeugabsturz in Südfrankreich Deutschland erreicht hatte, waren sie am Düsseldorfer Flughafen zur Stelle: Notfallseelsorger kümmerten sich um die Angehörigen, die vergeblich auf die Passagiere von Flug 4U9525 gewartet hatten. Vor Ort waren auch Mitarbeiter der Notfallseelsorge Düsseldorf, die nicht nur am Tag des Absturzes, sondern auch in den Folgetagen im Einsatz waren, an denen immer wieder fassungslose Angehörige zum Airport kamen.

Kerngeschäft im Verborgenen

Das Kerngeschäft der 35 Notfallseelsorger die in Düsseldorf aktiv sind, spielt sich allerdings im Verborgenen ab. „Unser Schwerpunkt liegt klar bei häuslichen Notfällen“, berichtet Christoph Dörpinghaus, katholischer hauptamtlicher Notfallseelsorger.

Lediglich zwei hauptamtliche Seelsorger sind für die Notfallseelsorge im Einsatz. Ergänzt wird das Team durch Pfarrer der katholischen und evangelischen Kirche sowie Ehrenamtlichen aus Düsseldorf. „Zunächst dachte ich, dass dieser Job nichts für das Ehrenamt ist“, gab Pfarrer Olaf Schaper zu und ergänzte: „Allerdings haben sich so viele fantastische Menschen gefunden, die wirklich einen tollen Job machen, das hat mich eines Besseren belehrt.“

Katrin Hesse begann mit der einjährigen Ausbildung zur Seelsorgerin im Jahr 2009, stand dabei voll im Berufsleben, wie alle ehrenamtlichen Seelsorger bei der Notfallseelsorge.“ Die Arbeit hat mit Nächstenliebe, mit Leben zu tun“, beschreibt sie ihre Motivation. „Ich hatte Erfahrung in der Arbeit mit krebskranken Menschen, habe gelernt, Menschen zuzuhören. Als mich dann eine Freundin fragte, wusste ich: Ich kann das!“

Sich zu verabschieden, ist ein wichtiger Prozess. „Es ist sehr wichtig, dass das jemand begleitet, die Situation moderiert. So kann ich den Schmerz und das Entsetzen ein wenig lindern“, berichtet die ehrenamtliche Notfallseelsorgerin. Das ist gerade bei Situationen wichtig, in denen die Angehörigen den Tod nicht begreifen, ihn nicht fassen können. Wie bei dem tragischen Flugzeugabsturz. „Als bekannt wurde, dass der Absturz nicht durch einen technischen Defekt verursacht wurde, war das für die Angehörigen unfassbar schwer zu begreifen. So etwas erschwert den Verarbeitungsprozess ungemein“, erklärte Christoph Dörpinghaus.

Fakt ist: Seit dem Absturz sind die Zahlen der Suizide in Düsseldorf in die Höhe geschnellt. Fünf Menschen nahmen sich innerhalb von kürzester Zeit das Leben. „Ob dieser Anstieg der Suizidrate direkt mit dem Absturz zusammenhängt oder andere Gründe vorliegen sei natürlich dahingestellt“, sagt Dörpingahaus. Beunruhigend sind die Zahlen allemal.