Das Ende der Eckkneipe?

„In Deutschland wird es zu einem Kneipensterben kommen“. Das behauptet zumindest Thomas Kießling, erster Vorsitzeneder des Fachverbands Gastronomie-Aufstellunternehmer e.V. (FGA). Doch wie begründet ist diese Aussage überhaupt?

Jeder kennt sie, die blinkenden Spielautomaten, die vor allem in den alten Eckkneipen Düsseldorfs zu finden sind. Vielen Gästen dienen sie als kurzweilige Beschäftigung, den Wirten als wichtige Einnahmequelle in den zunehmend klammen Kassen. Mit der sechsten Verordnung zur Änderung der Spielverordnung von November 2014 hat die Bundesregierung einschneidende Änderungen für die Gastronomieaufstellung erlassen. So sollen ab Februar 2016 in Gaststätten ohne eine neu eingeführte Spielerkarte keine Automaten mehr blinken und keine Melodien der diversen Spiele mehr durch die Kneipen schallen. Diese Karte erhält der Gast an der Theke. Erst wenn die Karte im Automaten steckt, erwacht er zum Leben. Ziel ist eine bessere Kontrolle des Jugendschutzes.

So weit so gut – finden auch Gas-tronomen und Automatenaufsteller. Auf Unverständnis stößt allerdings die Reduzierung der Spielautomaten in gastronomischen Betrieben von zwei auf drei Geräte, die ab dem 10. November 2019 in Kraft treten soll. „Geldspielgeräte bilden für Gastwirte eine wichtige Zusatzeinnahmequelle“, erklärte Kießling und fügt an: „Zeiten, in denen es für den Gastwirt nicht so gut läuft, können mit den Einnahmen aus den Automaten überbrückt werden.“ Würde diese Quelle wegfallen, könnte es für viele Gastwirte eng werden. Schließungen wären die Folge.

Der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, gehen diese Änderungen nicht weit genug. Sie fordert die Abschaffung aller Spielautomaten aus den Kneipen. „Das Gefährdungspotential des Glücksspiels ist enorm“, bestätigte Mortlars persönliche Referentin, Isabella von der Decken. „Das Glücksspiel und somit der Ertrag aus den Spielautomaten kann nicht der Hauptzweck einer Kneipe sein. Für die Besitzer und Mitarbeiter ist es extrem schwierig die Automaten angemessen zu überwachen, dazu fehlt es an Zeit und natürlich an passenden Schulungen.“

Für Michael Huppertz, Besitzer des „Kürten 40“, wäre der Wegfall der Automaten eine Katastrophe. „Das Geld aus den Automaten macht 40 Prozent meiner Gesamteinnahmen aus. Um die Kneipe ohne diese Einnahmen am Leben zu erhalten müsste ich mir schon was ganz besonderes einfallen lassen.“

Ob es eine Zukunft für die Spielautomaten geben wird, oder diese in Zukunft völlig aus den Kneipen verschwinden werden, bleibt abzuwarten. Die Suche nach neuen Einnahmequellen, so viel ist sicher, wird den Kneipenbesitzern nicht erspart bleiben.