Das aktuelle Wetter Duesseldorf 11°C
Stadtteile

Das elfte Gebot von Gerresheim

14.02.2010 | 19:30 Uhr

Düsseldorf. Fanfaren, Folklore, Kapellen, Kamelle, Kostüme und Clowns: Durch die Stadtteile rollten am Wochendende der Veedelszöch. Dabei ließen sich viele Jecken auch vom durchwachsenen Wetter nicht schrecken.

Den Anfang machten die Müllejecke, die am Samstag zum Umzug durch die Paulsmühle einluden. Und die Stimmung am Straßenrand war schon vor dem Zoch ausgelassen. Da grillten Karnvalisten an der Telleringstraße, auf der Paulsmühlenstraße tanzten kleine Indianer und Cowboys ums Lagerfeuer und zwei kostümierte Köche servierte heiße Bockwürstchen. Pünktlich um 14.11 Uhr hieß es: Der Zoch kütt.

Eine Liebeserklärung ans Viertel

An der Spitze der 25 Gruppen machte die IG Paulsmühler Jecken ihrem Viertel eine Liebserklärung. Ein Hauptthema des Umzugs: Die Schweinegrippe. Jede Menge rosafarbene Ferkel, Krankenschwestern und Ärzte warfen Popcorn, Lutscher und Bonbons ins närrische Volk. Da war nach den ersten 500 Metern schon so mancher Kamellebeutel leer. Statt der Impfung empfahlen „Die Hoxbachschiffer” auf ihrem Wagen: „Die Schweinegrippe lässt uns kalt - wir trinken lieber Alt”. Ganz ohne Rezept gab es die Therapie des Förderkreises der Henri-Dunant–Grundschule aus Wersten. „Lachen ist gesund” titelte ein Schild der Fußgruppe. Auch in diesem Jahr waren die Paulmühler Jecken am Straßenrand in Sachen Kostümierung besonders kreativ: Wie etwa die junge Dame, die im knallpinken Nicki-Jogginganzug und mit Lidschatten bis zu den Augenbrauen Komikerin Cindy aus Marzahn mimte.

Warum frieren, wenn man hüpfen, tanzen und schunkeln kann? Beim Gerresheimer Veedelszoch war die Stimmung so am Sonntag blendend wie der Schnee auf den Bürgersteigen. Vor allem im italienischen Dorf rund um die Heyestraße gab ein vielstimmiges, internationales „Helau” den Ton an, als sich der Zug unter der Regie der „Saubande” mit 53 Wagen, Fuß- und Musikgruppen in Bewegung setzte. Wer am Zugweg wohnte, öffnete die Fenster und ließ die süßen und blumigen Wurfgeschosse direkt auf die Couch regnen.

Sehr originell das Gerresheimer Ärzte-Netzwerk, das auf seinem Wagen den üppig gelagerten Schweinegrippen-Impfstoff anpries: „Dat Züch muss weg!” Aufs Korn genommen wurde auch der unerwünschte Niedergang der evangelischen Apostelkirche. Pfarrer, Press-Pitter, Protestanten, Engel und Teufel hämmerten symbolisch auf den Kirchturm aus Pappe ein und verkündeten das 11. Gebot: „Du sollst nicht abreißen!”

Die Hubbelrather Bauern warfen kleine Kartöffelchen ins Narrenvolk. Hinter den Gerresheimer Jonges marschierten die Gerresheimer Mädchen in einheitlichem Hellblond. Den höchsten Wagen schickte das Vereinshaus „Berta 3”. Die stattlichen Männer der Bürgerwehr brachten Pferde und Kanonen mit, und die Bürgerhilfe rief vom selbst gebastelten Wagen herab: „Jeck, dat könne mer och”. Im übrigen ging's höchst sportlich zu: Viele Vereine hatte sich karnevalistisch ins Zeug geworfen - von den Freien Schwimmern bis zu DSC 99 und natürlich Fortuna.

Närrische Töne aus aus Schweiz präsentierten die Quatschköpp, die zum Reisholzer Veedelszoch einluden. Denn für die Musik zeichnete unter anderem eine Guggenmusik-Kapelle mit 35 Eidgenossen verantwortlich. 31 Gruppen mit rund 550 Jecken zogen von der Dasselstraße aus durchs Viertel bis zum Finale mit der großen Parade auf der Henkelstraße. Besonders im Blickpunkt: „Quatschkopp Claudia I.”, die in einem floral geschmückten Wagen fuhr.

Bei Heimatverein Mörsenbroich ticken die Uhren anders. Denn der Veedelszoch startete gestern am Vogelsanger Weg nicht um 11.11 Uhr, sondern um 11 vor 11, sprich 10.49 Uhr. Das hat Tradition. Vor vielen Jahren protestierten die Geistlichen der Franziskuskirche gegen den Krach durch Musik und Gesang im „Zoch”, der die Andacht störte. Seither starten die Karnevalisten früher, noch bevor der Gottesdienst beginnt. „Natürlich würde sich heutzutage von Gemeinde niemand mehr beklagen. Doch die Uhrzeit haben wir als überliefertes Stück Brauchtum gerne beibehalten”, sagt Wolfgang Py vom Heimatverein.

Alt, Suppe und Wurst

Mit 26 Gruppen, fünf Spielmannszügen und vielen Gästen aus den umliegenden Vierteln machten sich die Mörsenbroicher mit mehr als 500 Freunden der fünften Jahreszeit auf den 5,9 Kilometer langen Weg. Dazu lockten zwei Biwaks mit Bratwurst, Erbsensuppe, Glühwein und Alt.

Mit einem Bühnenprogramm und Musik von den Rhythmic-Fanares starteten die Elleraner gestern um 11 Uhr auf dem Getrudisplatz. Um 14.11 Uhr machte sich dann der bunte Lindwurm auf den Weg den von der Schlesischen Straße aus bis zur Vennhauser Allee. Acht Kapellen, 30 Gruppen mit knapp 1000 Jecken marschierten mit, darunter wieder viele Kinder.

NRZ

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2565920/create

Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Nichtschwimmer stirbt nach Badeunfall
Unglück
Tödlicher Leichtsinn: Das Abtauchen ins kühle Nass an einem sommerlich-warmen Abend kostete einem 36-Jährigen das Leben. Obwohl der Leiharbeiter aus Polen Nichtschwimmer war, sprang er am Sonntag gegen 19.20 Uhr in den Elbsee. Dabei hatte der Mann offensichtlich unterschätzt, dass es hier schon am...
Hohe Waldbrandgefahr in Düsseldorf
Feuerwehr
Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe kann ausreichen, um einen verheerenden Waldbrand auszulösen. Die Stadt Düsseldorf mahnt deshalb besonders jetzt zum vorsichtigen Umgang mit Feuer im Freien. Bei Verstößen gegen Verbote drohen hohe Strafen.
Text