„Dann hat meine Mutter dem Pferd den Kopf abgesägt“

Söhne, die flügge werden. Sie sind kantig. Cool. Verletzlich. Mütter mit Söhnen, die flügge werden. Sie sind hegend. Zweifelnd. Stark. Es ist eine spannungsreiche Konstellation, der sich Regisseurin und Autorin Ines Habich und das Laienensemble in „Söhne wie wir – mach dir keine Sorgen, Mama“ angenommen haben. Am Wochenende feierte das Stück im Jungen Schauspielhaus Premiere.

Amüsante Authentizität

Es zeigt 60 Minuten lang mit amüsanter Authentizität die Situationen, die entstehen, wenn die Brut den mütterlichen Fittichen entschlüpft, um sich selbst aufzuschwingen. Da sind Kevin, Ali, Battal, Marvin, Leon und Philipp, alle im besten Jungmannen-Alter. Untereinader herrscht ein lässiger Ton. Man rempelt, man rülpst, man flegelt, man fläzt, man beklagt die allzugroße Fürsorge. Letzteres stiftet Solidarität, gegenseitiges Verständnis. Die Jungen eint das Gefühl zu wissen wie es ist, sich als Teenager bei einem Ausflug immer noch so warm anziehen zu müssen, wie Mutti es für richtig hält. Oder, wenn das mitgeführte Küchenmesser vorsichtshalber doppelt und dreifach verpackt wurde. „Bei der Mutter kann man nicht cool sein“, klagt einer. „Aber darum geht’s doch“, antwortet sein Kumpel.

Mut zur Widersprüchlichkeit

Facettenreich bleibt das Stück durch seine Perspektivwechsel. Es zeigt nachvollziehbar, warum es manchen Müttern schwer fällt, ihren Söhnen Flügel zu geben, zuzulassen, dass sie sich zu jungen Erwachsenen mausern. Inge Everdina Berentsen, Maria Berebzon, Julia Engelhardt, Youn-Hee Hillesheim und Beata Pokrzeptoicz-Meyer geben überzeugend den Mutterrollen ihr Gesicht. Mit dem Müttern eigenen Mut zur Widersprüchlichkeit beklagen die Frauen einerseits die Unselbstständigkeit der Jungen, andererseits beglucken sie ihre Teenager. Aber, bei allem angenervt und enttäuscht sein, stellt sich heraus, dass nur gegenseitige Wertschätzung eine dauerhafte Nabelschnur, ein starkes Band ist.

Eine Episode macht dies besonders deutlich. Die Mutter hatte für den jüngeren Bruder ein Schaukelpferd gebaut, welches im Wohnzimmer stand, erzählt einer der Jungen. Er, selber noch klein, habe Angst vor dem Tier gehabt. Als er eines Nachts von Ohrenschmerzen geplagt zu seinen Eltern gehen wollte, habe er sich nicht getraut durch das Wohnzimmer zu gehen und angefangen zu weinen. „Am nächsten Tag hat meine Mutter dem Pferd den Kopf abgesägt“, schließt er seine Erinnerung.

„Wenn du noch klein bist, träumt deine Mutter sich dich zurecht“, sagt einer der Söhne und nimmt Anlauf für die für ihn in diesem Moment alles entscheidende Frage: „Bin ich so geworden, wie du wolltest?“