„Damenundherren“ – das war’s fürs Erste

Im Briefkasten des „Damenundherren“ fand sich am Wochenende unangenehme Post. Die Bauaufsicht teilte mit, dass sie dem Verein die Genehmigung für seine Räume zu entziehen beabsichtigt – und drohte eine Ordnungsverfügung mit empfindlichen Kosten an. Der Vorstand des Kulturvereins sagte sicherheitshalber gleich alles ab: den Vortrag zu Antisemitismus heute Abend (der an einen anderen Ort verlegt wurde), die Chorprobe und die Autorenlesung am Donnerstag und den David-Lynch-Kurzfilm-Abend am Samstag. Bis die Angelegenheit geklärt ist, bleiben die Türen des ehemaligen Friseursalons an der Oberbilker Allee geschlossen. Und es ist unklar, ob sie sich wieder öffnen werden.

Damit verliert Düsseldorf fürs Erste einen weiteren beliebten Ort der Subkultur – hier passt dieser schwammige Begriff auf jeden Fall. Für viele Stammgäste kam das Ende überraschend. Sie kommentierten die Nachricht im Internet traurig oder mit Wut auf die Behörden. Der Vorstand hingegen hatte mit dem Brief gerechnet. „Wir wussten, dass das irgendwann kommt“, sagt Vorstandsmitglied Annette Krohn. Sie betont, dass es keinen Krieg mit der Stadt gebe, sondern man lange gut mit den Ämtern zusammengearbeitet habe. „Wir haben eigentlich nicht die richtigen Räume.“

Die Probleme sind eine Folge der Entwicklung des Kulturvereins, der rund 60 Mitglieder hat. Vor mehr als zehn Jahren hatte er das Ladenlokal in bester Lage bezogen. Zunächst war er vor allem Ausstellungsraum, für „Hoch-, Pop- oder Subkultur“, wie es auf der Internetseite heißt. Dann kamen Konzerte und Partys – das „Damenundherren“ wurde einer der angesagtesten und vielfältigsten Off-Räume.

Mit dem breiteren Programm begannen die Schwierigkeiten. Immer wieder beschwerten sich Nachbarn über Lärm. Und waren im Recht: Genehmigt sind laut Bauaufsicht keine Konzerte, sondern lediglich Videoinstallationen und Ausstellungen für rund 50 Besucher.

Der Verein versuchte gegenzuhalten. Vor zwei Jahren erstellten die Mitglieder ein Lärmschutzgutachten, außerdem verzichtete man auf Partys und Lärm nach 22 Uhr. „Manche haben uns gefragt, ob wir spießig geworden sind“, sagt Krohn. Lange hörte man wenigstens nichts mehr von der Bauaufsicht. Die war aber nicht zufrieden, wie sich nun zeigt: „Die schon 2012 geforderten Lärmminderungsmaßnahmen sind offensichtlich nicht umgesetzt worden“, heißt es. „Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen nach Prüfung nicht aus.“

Solche Probleme mit den Baubehörden bedeuten immer wieder das Aus für beliebte Orte der Off-Kultur, zuletzt das „Foyer“ von Daniel Fritschi am Worringer Platz. Da waren es Mängel mit dem Brandschutz. Das (kommerzieller ausgerichtete) Boui Boui Bilk in der ehemaligen Schraubenfabrik Max Mothes musste kürzlich seine Partys stoppen, weil sich Nachbarn beschwert hatten. „Die nächsten werden kommen“, sagt Clara Deilmann (Grüne). Die Ampel-Koalition will deshalb im Kulturamt die Stelle eines Beauftragten für die Off-Szene schaffen. Er soll besser zwischen Kulturschaffenden und Behörden vermitteln.

Für das „Damenundherren“ kommt dieses Vorhaben zu spät. An eine Zukunft im Friseursalon glaubt der Vorstand des Vereins nicht mehr: Die Räume lassen sich wohl nicht so umrüsten, dass die Bauaufsicht zufrieden wäre. Da gibt es unter anderem einen Kamin, der den Schall bis ins Nebenhaus trägt. „Ein paar Eierkartons an der Decke reichen für den Schallschutz leider nicht“, sagt Krohne.

Der Verein will weitermachen – und hofft auf neue Räumlichkeiten, die ähnlich ungewöhnlich sind: Er will umziehen in die ehemalige Toilettenanlage am Kirchplatz.