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Coolness statt Ärger

04.10.2012 | 18:51 Uhr
Coolness statt Ärger
Der ehemalige Lead-Gitarrist und Hauptkomponist der Band "Oasis" Noel GallagherFoto: Ingo Lammert

Düsseldorf. Die Geschichte der englischen Gallagher-Brüder Liam und Noel ist eine bewegte. Vorsichtig formuliert. Gemeinsam revolutionierten die Brüder mit ihrer Band Oasis den Britpop und avancierten zu einer der bekanntesten Bands des Planeten. Jahrelange Drogen- und Alkoholexzesse, Skandale und Familienstreitereien mündeten 2009 schließlich im Ausstieg von Noel Gallagher aus der Kultband.

Routiniert, aber intensiv

Seitdem sind die Brüder solo unterwegs, Noel allerdings erfolgreicher. Mit seinen „High Flying Birds“ gastierte er im Rahmen seiner Welttournee am Mittwoch in der Mitsubishi Electric Halle – wo das Quintett mit einem routinierten, dennoch intensiven Auftritt rund 4000 begeisterte.

Obwohl er eine Wiedervereinigung der Brüder ablehnt, verschließt sich Noel Gallagher nicht vor seiner Vergangenheit. Mit dem Oasis-Klassiker „(It’s Good) To Be Free“ eröffnet die Band das rund neunzigminütige Konzert. Wohl auch, weil das neue Solo-Wirken erst ein Album und damit noch kein abendfüllendes Repertoire hervorgebracht hat.

Langweilig wird es dennoch nicht. Der Sound ist klar, präsentiert wird abwechslungsreicher, gitarrenlastiger Britpop – der immer mal wieder mit anderen Stilmitteln wie Pianoklängen aufgemischt wird. Und mitunter zu einem episch-melancholischem Klangteppich verschmilzt.

Liam Gallagher ist zwar im Vergleich der bessere Sänger, doch Noels nasal-knarzender Reibeisen-Gesang fügt sich gut in die Songs – und weiß live mehr zu überzeugen als auf den Tonträgern. Weil Gallagher sich auf der Bühne angenehm zurücknimmt. Auch wenn der inzwischen 45-Jährige deutlich gelassener wirkt: Eine Prise rotzige Coolness gehört immer noch zum Habitus. So prägt das englische „F-Wort“ sämtliche Ansagen und Interaktionen mit den Fans, die es stets mit Humor nehmen.

Frech kontert Gallagher die permanenten Zwischenrufe eines Besuchers vor der Bühne, der ständig Liederwünsche losbrüllt und hundert Euro für deren Erfüllung bietet. „Sehe ich so aus, als bräuchte ich 100 Euro?“, fragt Gallagher trocken zurück. Und holt aus: „Ich gebe dir verdammte 1000 Euro, wenn du die Klappe hältst.“

Und stimmt prompt mit der Textzeile „I need to be myself“ den Oasis-Song „Supersonic“ an.

Zu überzeugen wissen die High Flying Birds aber auch mit eigenem Material. „If I Had A Gun“ und „Everybody’s On The Run“ setzen Highlights. Die folgen auch in der Zugabe, die wiederum wie ein augenzwinkernder Gruß an die eigene Vergangenheit wirkt: Gallaghers Auftritt endet mit einem von den Fans inbrünstig mitgesungenen „Don’t Look Back In Anger“.

Von Oliver Schaal

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