„Comedy gegen Rechts“ und unfreiwillige Komik

Die Auftritte von Melanie Dittmer und Gleichgesinnten erhalten von Kundgebung zu Kundgebung mehr und mehr unfreiwillige Komik. „Schaut mal, mehr als die Hälfte von uns sind normale Bürger“, sagte die „Dügida“-Planerin vor dem Demonstrationszug der Rechten am Montagabend. Dann kam es zum Islam-Sketch: „Wer von euch kann lesen? Traut ihr euch das zu?“ fragte sie in den Tross mit den Deutschland-Fahnen hinein. Am Ende entschuldigte sie sich dafür, dass der Sketch zu lange gedauert hatte.

Ansonsten ist nach einem weiteren „Dügida“-Montag in der City festzuhalten: Es werden immer weniger Demonstranten. Gestern trafen rund 90 Rechte auf 800 Protestler in insgesamt sechs angemeldeten Gegenkundgebungen. Dennoch riegelte die Polizei wieder die halbe Innenstadt rund um den Hauptbahnhof fast fünf Stunden lang hermetisch ab, wieder waren mehr als 1000 Beamte im Einsatz. Wieder konnten Anlieger, die nach Hause wollten, nur mit gezückten Personalausweisen in ihre Wohnungen. Wieder gab es ein Verkehrschaos rund um die City. „Wir können nicht nachlassen, das Konfliktpotenzial ist nach wie vor vorhanden“, sagte ein Polizeisprecher am Rande der Veranstaltung schon fast gebetsmühlenartig.

Der rechte Pulk, der laut Polizeiangaben übrigens nicht von der kürzlich aufgelösten „Kögida“ aus Köln unterstützt wurde, zog nach einer guten Stunde Versammlung an der Friedrich-Ebert-Straße in Höhe des Hauptbahnhofs um kurz vor 20 Uhr los. Wenig später drohte die bislang weitgehend friedliche Stimmung zu kippen: Das Haus an der Graf-Adolf-Straße mit der Nummer 80 hat sich der „Comedy gegen Rechts“ verschrieben. Mittlerweile quetschen sich zig Menschen auf dem Balkon in der vierten Etage, was nicht ungefährlich aussieht. Sie machen mit Megafon und Scheinwerfern gegen die „Islamkritiker“ mobil. Gestern blieben einige „Dügida“-Teilnehmer stehen, während der Rest weiterzog, und wollten mit wütenden Sprechchören dagegen halten. Aufgeheizte Stimmung – auch, als eine Ecke weiter, an der Bahnstraße, Eier aus Reihen der Gegendemonstranten flogen.

Gegen 21.30 Uhr löste sich „Dügida“ am Hauptbahnhof auf.