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Charpentiers "Louise" und der vergebliche Kampf um Freiheit

19.02.2010 | 11:52 Uhr
Charpentiers "Louise" und der vergebliche Kampf um Freiheit

Düsseldorf. Gustave Charpentiers musikalischer Roman "Louise” wurde nun auch in Düsseldorf aufgeführt. Vor anderthalb Jahren feierte das Stück in der Inszenierung von Christof Loy in Duisburg Premiere. "Louise" ist ein Psychodrama zwischen Vater, Mutter, Tochter und deren Liebhaber Julien.

Louise leidet, denn ihre Eltern entlassen sie nicht in die Freiheit, sondern sperren die erwachsene Tochter ein. Graue Kleider tragen die drei - ein Hinweis auf ihre symbiotische Beziehung.

„Wir meinen es nur gut”, rechtfertigt sich der Vater, der Louise immer noch wie ein kleines Mädchen auf dem Schoß zärtelt. Wie die kleine Näherin aus dem Frankreich des späten 19. Jahrhunderts dennoch die Familien-Fesseln sprengt und zur Muse der Künstler am Montmartre wird - das erzählt Gustave Charpentier in seinem musikalischen Roman in vier Bildern „Louise”. Anderthalb Jahre nach der Duisburger Premiere der Inszenierung von Christof Loy wurde das vor 110 Jahren uraufgeführte Opus nun auch in Düsseldorf gefeiert.

Sängerische Leistung ein Erlebnis

An einem Mittwochabend eine Premiere zu verkaufen, ist nicht einfach. Daher blieben viele Sitze frei, besonders im dritten Rang. Schade. Denn das von Loy entfachte Psychodrama zwischen Vater, Mutter, Tochter und deren Liebhaber Julien ist auch wegen der sängerischen Leistung ein Erlebnis. Sylvia Hamvasis schwelgerischer Sopran mit glühenden Höhen passt zur Titelheldin Louise. Das Mädchen setzt sich zwar mit dem Dichter Julien nach Paris ab, heiratet ihn mit Riesenschleier und entwickelt sich zur leichtlebigen Künstlerbraut - wird dann aber rückfällig, als ihre Mutter (Martha Márquez) sie mit einem Trick zurück in die heimische Einöde holen will. Dargestellt wird diese durch einen kalten, leeren Wartesaal im Stile der 50er Jahre. Für Louise wird er zur Hölle.

Die Nachricht, dass ihr Vater (Sami Luttinen mit dröhnend kaltem Bassbariton) krank ist, reicht, um sie weichzuklopfen. Doch die Rückkehr mündet in einem Desaster - Louise springt aus dem Fenster, überlebt und wird von einem Psychiater betreut.

Wer das ist? Ihr Geliebter Julien, gesungen und packend gespielt von Sergej Khomov, dessen strahlender Tenor glänzend zu dem leichtlebigen Poeten passt. Wenn Louise nicht zur Stelle ist, vergnügt er sich in den Armen anderer Montmartre-Mädchen.

Keine Ohrwurm-Arien

Die emotionalen Ausbrüche und die Farben, die typisch für für französische Opern sind, bringen Symphoniker und Opernchor unter Generalmusikdirektor Axel Kober zum Leuchten. In pausenlosen zweieinhalb Stunden setzen sie auf symphonischen Fluss und Tempo. Wer Ohrwurm-Arien wie in Massenet-Opern erwartet, wird allerdings enttäuscht. Ebenso wenig sieht man auf der Bühne etwas vom Paris der Jahrhundertwende - lediglich per Diaprojektion erscheinen Eiffelturm und Moulin Rouge. Es bleiben Traumbilder einer Frau, die die Freiheit sucht und sich dabei verirrt.

Wieder am 20. Februar, 19.30 Uhr, 25. Februar, 19.30 Uhr, 28. Februar, 18.30 Uhr. Karten/Info unter 0211/8925 211, www.operamrhein.de

Michael-Georg Müller

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