Chance auf ein neues Leben
30.05.2011 | 16:54 Uhr 2011-05-30T16:54:00+0200
DüsseldorfDüsseldorf. Es ist die Chance auf ein Leben in einer Familie: Seit zehn Jahren vermittelt die Diakonie Düsseldorf Jungen und Mädchen mit Behinderungen an Pflegefamilien, die sonst oft in einer Behinderteneinrichtung aufwachsen müssten. Ein Erfolgsmodell.
Der „Zentrale Fachdienst für Pflegekinder mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen“ arbeitet als einzige Abteilung der Diakonie Düsseldorf deutschlandweit. 17 Fachberater betreuen 171 Kinder und ihre Pflegefamilien. Und das so erfolgreich, dass nun die Bodelschwingh'sche Stiftung Bethel das Konzept übernimmt. Gestern startete eine Fachtagung der Diakonie dazu.
Große Herausforderung für die Eltern
Frauke Zottmann-Neumeister, Leiterin des Fachdienstes, hat das Konzept entworfen. Dazu gehören etwa Gruppentreffen für die Pflegeeltern und eine intensive Betreuung. Psychologen und Trauerbegleiter unterstützen die Familien. Denn die Herausforderungen für die Eltern sind groß: Die Kinder haben die unterschiedlichsten Behinderungen, Krebs, chronische Erkrankungen, zum Teil eine sehr kurze Lebenserwartung oder etwa Hirnschädigungen aufgrund von Misshandlungen. „Gerade ein Kind, das krank ist, sollte geliebt werden“, sagt Zottmann-Neumeister. Über zu wenig Familien, die ein behindertes Kind aufnehmen wollen, kann sie sich nicht beklagen. Priorität sei aber, zu schauen, was das Kind braucht.
Kampf für die Rechte der Jungen und Mädchen
Am heutigen Dienstag geht Zottmann-Neumeisters in den Ruhestand. Sie blickt zurück: „Eine gesetzliche Grundlage gab es damals nicht.“ Sie kämpfte für die Rechte der Jungen und Mädchen, fuhr etwa 2008 nach Berlin und hielt einen Vortrag vor Bundestagsabgeordneten. Mit Erfolg: Seit 2009 haben Kinder mit Behinderung ein rechtlichen Anspruch auf Unterbringung in einer Pflegefamilie. „Jedes dritte bis vierte Kind kam vor 2009 in eine Einrichtung. Das konnten wir nicht verantworten. Das war ein Verstoß gegen das Grundgesetz,“ sagt Zottmann-Neumeister, die 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Was sie im Ruhestand macht? „Ich habe ja selber ein Pflegekind,“ sagt sie. Außerdem will sie sich weiter politisch engagieren: „Da liegt noch einiges im argen.“
Eines der Kinder ist Max. Die ersten zehn Monate seines Lebens verbrachte der heute Neunjährige, der das Down-Syndrom hat, in einer Klinik. Bis er zu seinen Pflegeeltern Rainer (52) und Gerlinde Schumacher (49) aus Langenfeld kam. „Wir haben uns gedacht: ,Schlafen können wir auch später’“, lacht die ehemalige Kinderkrankenschwester. Und ihre beiden großen Adoptivtöchter freuten sich auf das Brüderchen. Mit Max zogen viel Freude aber auch neue Herausforderungen in die Familie ein: Drehen, Köpfchen halten und Essen - all das musste Max erst lernen. Heute erzählen die Pflegeeltern stolz: „Er hat sich super entwickelt, läuft, ist fit und agil.“ Das beweist Max direkt mal vor den Fotokameras. „Unser oberstes Ziel ist es, ihm ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Wir denken, dass er, wenn er groß ist, mit Unterstützung im betreuten Wohnen leben kann.“
Untersucht wurde das Diakonie-Konzept von Klaus Wolf, Professor für Erziehungswissenschaft und Pädagogik, an der Uni Siegen. Gemeinsam mit Dirk Schäfer wollte er herausfinden, was die Pflegeeltern brauchen, vor welche Probleme sie gestellt sind und wie sie diese lösen. Das Aufwachsen in einer Familie ist „besser für die Entwicklungschancen der Kinder“, so Wolf.
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