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Burn-Out - Düsseldorfs Schauspielhaus-Intendant Holm tritt zurück

29.11.2012 | 16:06 Uhr
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Burn-Out - Düsseldorfs Schauspielhaus-Intendant Holm tritt zurück
Staffan Valdemar Holm hat seinen Rücktritt als Generalintendant des Schauspielhauses Düsseldorf erklärt. Foto: Sergej Lepke/WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Staffan Valdemar Holm, der Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, hat seinen Rücktritt erklärt. Wie die Stadt am Donnerstag mitteilte, gab Holm gesundheitliche Gründe an. Er leide an einem Burn-Out-Syndrom und wolle sich in Kürze in Behandlung begeben.

Als er seinen neuen Job antrat, war Staffan Valdemar Holm voller Zuversicht. Internationaler wollte der ehemalige Leiter des Königlich Dramatischen Theaters in Stockholm das Düsseldorfer Schauspielhaus machen, durch bekannte Schauspieler und junge Regisseure die Qualität verbessern und auf diese Weise eine bessere Auslastung erzielen. Am Donnerstag wurde bekannt: Der Druck wurde zu groß. Staffan Valdemar Holm ist erkrankt. Der 1958 geborene Schwede, angestellt mit dem ersten Sechs-Jahres-Vertrag für Düsseldorfs Intendanten , leidet nach nur anderthalb Jahren Theater-Leitung unter chronischem Burn-out.

Verwunderlich ist das nicht. Die Umstände waren alles andere als positiv. So musste aufgrund länger andauernder Sanierungsarbeiten bereits zu Beginn von Holms Amtszeit die Wiedereröffnung des Großen Hauses verschoben werden. Als es dann endlich losgehen konnte, sah sich Holm in seinem City-Theater regelrecht umzingelt von den vielen Großbaustellen der Stadt. Baulärm störte die Proben. Immer wieder hatte Holm über die abgeschnittene Lage des Theaters geklagt und die Stadt um Hilfe gebeten.

Kritik an der Schauspielhaus-Auslastung

Aber viel schlimmer wog der Druck seitens Politik und Verwaltung. Mit einer Auslastung von 68 Prozent und mäßigem Erfolg seiner eigenen vier Inszenierungen schloss Holm am Ende seiner ersten Spielzeit ab und sah sich harten Vorwürfen ausgesetzt. Zuletzt wurde ihm ein Sonderzuschuss von 360.000 Euro gestrichen, die das Schauspielhaus bereits in der Intendanz Niermeyer zusätzlich erhalten hatte, um seine künstlerische Qualität zu steigern. Dazu kamen gestiegene Kosten aufgrund der Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst, die das Theater zu großen Teilen übernehmen sollte. „Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht unterschrieben“, ließ sich Holm in einem Interview zitieren. Und: „Wenn es nur um Auslastung geht, muss man einen anderen dummen Schweden anrufen.“

Kommentar
Zerschellt am Düsseldorfer Schauspielhaus: Staffan Valdemar Holm

Der Intendant mit dem Burn-Out ist nicht an sich gescheitert, sondern an den allzu hohen Erwartungen, die sich mit diesem Amt am Düsseldorfer...

Bereits am vergangenen Montag hatte Staffan Valdemar Holm das persönliche Gespräch mit Kultudezernent Hans-Georg Lohe gesucht. Der Abteilungsleiter Kultur des Landes NRW war dabei, als der 54-Jährige einräumen musste, dass ihm mehrere Ärzte dringend dazu geraten haben, die Intendanz aufzugeben. „Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen“, so Lohe, der gestern in einer ersten Stellungnahmen diesen Schritt sehr bedauerte. Holm wird ab der kommenden Woche in einer Klinik in Dänemark behandelt, seine Krankmeldung ist nach ersten vorsichtigen Prognosen mindestens bis auf Anfang 2013 datiert. „Ich wünsche ihm viel Kraft und eine schnelle Genesung, denn Gesundheit geht immer vor“, ließ Oberbürgermeister Dirk Elbers gestern ausrichten.

Staffan Valdemar Holm hatte schon seit Wochen erschöpft gewirkt

Für Beobachter kommt die Diagnose „Burn-Out“ indessen nicht unerwartet. Lohe: „Bereits vor 14 Tagen hat mir Herr Holm gesagt, dass er gesundheitlich sehr angeschlagen ist.“ Immer erschöpfter hatte Staffan Valdemar Holm in den letzten Monaten gewirkt, im vergangenen August war der 54-Jährige aus der Theaterpause alles andere als erholt zurückgekehrt. Die Gesundheit spielte in vielerlei Hinsicht nicht mehr mit: ein fünffacher Armbruch nach einem Sturz, mehrere aufwändige Zahnbehandlungen, schwere Erkältungen. Zuletzt hatte der toughe Theatermann regelrecht mutlos gewirkt. Kein Vergleich mehr zu dem engagierten selbstbewussten Künstler vom Beginn seiner Intendanz, der voller Ideen und Mutterwitz steckte und die deutsche Sprache innerhalb kürzester Zeit nahezu perfekt erlernt hatte.

Als er sich öffentlich über seine schwierige Lage äußerte, wurde er von der Stadtspitze gedeckelt. Oberbürgermeister Dirk Elbers, übrigens nicht gerade ein oft gesehener Gast bei den Premieren des Schauspielhauses, kritisierte Holm öffentlich und forderte eine baldige bessere Auslastung. Schließlich zog sich Holm immer mehr aus dem Stadtgeschehen zurück. Gestern dann fand Elbers sanftere Worte, man habe großen Respekt vor der Offenheit, mit der Holm seinen Schritt begründe, reagierte der OB auf Holms Burn-Out.

Hintergrund
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Wie geht es weiter? Man müsse den Krankheitsverlauf abwarten, so Friedrich Conzen, Chef des Kulturausschusses (CDU). Ein paar Sachen seien „von mehreren Seiten aus nicht besonders geschickt gelaufen. Es tut mir leid, dass er durch äußere Umstände krank geworden ist.“ Im Gegensatz zu OB Elbers hatte Conzen immer eine Anlaufzeit für den neuen Intendanzen gefordert. Womöglich sei Holm in Düsseldorf bis dato nicht so richtig angekommen, mutmaßte er gestern - im Gegensatz zu anderen Intendanten habe er den öffentlichen gesellschaftlichen Auftritt außerhalb des Theaters eher gescheut.

Holm will wie geplant bei "Peer Gynt"-Aufführung Regie führen

Holm kündigte indes an, zurückehren zu wollen. Bis zum Ende der Spielzeit 2013/’14 wird er dem Schauspielhaus als Hausregisseur verbunden bleiben. So wird er auch, wie geplant, die Regie für „Peer Gynt“ - Premiere ist am 2. März 2013 - führen. Die Proben sollen bereits im Januar beginnen. Holms Ärzte hätte ihm versichert, „dass Regie führen durchaus heilend wirken kann“, weiß Dezernent Hans-Geog Lohe aus dem persönlichen Gespräch.

Die Aufgaben des Generalintendanten übernimmt ab sofort kommissarisch der Geschäftsführende Direktor des Hauses, Manfred Weber. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Ob Dirk Elbers, wird schnellstmöglich eine außerordentliche Sitzung des Gremiums einberufen Und dann werde man sich wohl „bnach einem neuen Intendanten umschauen müssen“, so Lohe. Ob das dann langfristig wieder eine Doppelfunktion sein werde,  vermochte Lohe derzeit noch nicht zu sagen.

Petra Kuiper

Kommentare
02.12.2012
22:47
Burn-Out - Düsseldorfs Schauspielhaus-Intendant Holm tritt zurück
von wolla | #1

Die "Kunststadt" Düsseldorf tritt weiterhin ihre Künstler. Als wenn einzig und alleine die Auslastung relevant ist.Dann lasst doch den Silbereisen dort eine Volksmusik Schau etablieren.
Es ist traurig, daß der neue OB in erster Linie Sinn für Brauchtum hat, so wichtig das auch sein mag. Herr Erwin war zwar auch kein ausgesprocherner Kunstkenner, er hat aber mehr Format gehabt und "größer" gedacht. Die "Fähigkeiten" unseren Herrn Elbers, der sicherlich symphatisch ist, werden zu Tage kommen, wenn die großen Projekte abgearbeitet sein werden. Danach gilt es für ihn, ein eigenes Profil zu entwickeln. Hoffen wir, daß das klappt.

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