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Bürgerbegehren für die Gaslaternen?

10.12.2010 | 17:06 Uhr
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
Veteranen für die Gaslaternen: Porfessor Horst A. Wessel und Alfred Metzler. Foto: Sergej Lepke / WAZ

Düsseldorf.Wenige Tage vor der Ratsentscheidung über den Abbau von 1400 Gaslaternen in Düsseldorf fahren die Kritiker schweres Geschütz auf.

Sollten die Fraktionen nicht den Weg über einen Ratsbürgerentscheid gehen und die Bewohner selbst über dieses strittige Thema abstimmen lassen, „dann werden wir über ein Bürgerbegehren nachdenken“, kündigt Georg Schumacher, Sprecher der Initiative „Pro Gaslicht“ an. Die Kritiker sind davon überzeugt, dass viele Düsseldorfer ihr Anliegen unterstützen werden. Nicht nur, weil die Stadt weltweit über ein einmalig dichtes Netz von über 16 000 Gaslaternen verfügt, sondern auch deshalb, weil bei einer Umrüstung auf elektrisches Licht die Anlieger in ihren Wohnstraßen kräftig zur Kasse gebeten werden. Sie müssten dann 50 Prozent der Kosten, also rund 2000 Euro pro Laterne, selbst zahlen.

„Dann kommt die
dicke Rechnung“

Das schreibt das Kommunale Abgabengesetz vor - einen Ermessensspielraum gibt es hier nicht. „Die Bewohner bekommen die Gaslaternen ausgeblasen - und dann die dicke Rechnung“, schimpft „Pro Gaslicht“. Mitinitiatorin Barbara Kempen ist sich sicher. „Noch sind die Bürger nicht ausreichend informiert. Aber es wird sich ein breiter Widerstand formieren.“

Denn die Anwohner müssen keinen Cent bezahlen, wenn die Gaslaternen stehen bleiben. können. Die Wartung und Pflege geht auf Kosten der Stadtverwaltung. Anliegerbeiträge werden nur dann erhoben, wenn die Laternen ausgetauscht werden müssen. „Das ist nicht nötig“, erklärte gestern Alfred Metzler, der bis vor acht Jahren die Stadtwerke-Werkstatt für Düsseldorfs Gasbeleuchtung leitete. Er widerspricht entschieden der Auffassung des städtischen Verkehrsdezernates, dass nach 50 Jahren die Gasleuchten ersetzt werden müssten. „Die sind stabil. Die verrosten nicht. Die halten ewig“, betont der inzwischen pensionierte Werkstattsleiter. „Und es kann nichts passieren. Die Steigleitungen sind dicht.“ Im Gegensatz zu den Elektroleuchten kann der Mast schon deshalb nicht durchrosten, weil er vollständig mit Gas gefüllt ist . Zudem schütze am Boden eine zusätzliche Stahl-Manschette gegen Schäden. Seit den 50er Jahren mussten in Berlin nicht mal ein Prozent der Gaslaternen erneuert werden.

Geschichtsprofessor Horst A. Wessel, Vorsitzender des Düsseldorfer Geschichtsvereins und früherer Leiter des Mannesmann-Archivs, nickt. Mannesmann hab erst vor einigen Jahren die Gaslaternen in Prag inspiziert. „Die mussten nur wenige ersetzen.“ Schon wegen ihres Denkmalwertes setzt sich der Professor für den Erhalt der Düsseldorfer Leuchten ein.

Kein großes
Umweltproblem

Das Argument der Stadt, die Umrüstung diene dem Klimaschutz lässt Dirk Jansen, Sprecher vom „Aktionsbündnis Sauberer Strom am Rhein“ Astr(h)ein nicht gelten. Die Gaslampen produzieren zwar 15 000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid pro Jahr. Doch das sind nur 0,2 Prozent des gesamten Düsseldorfer CO2-Ausstoßes. „.Mich beschleicht das Gefühl, dass von den eigentlichen Umweltproblemen abgelenkt wird.Die Ratsmehrheit von CDU/FDP will bisher an ihrem Kurs festhalten und der 1. Stufe der Umrüstung zustimmen, damit 1400 Laternen an Hauptverkehrsstraßen ersetzt werden. Warum dies jetzt gemacht werden muss, versteht Dirk Jansen auch aus einem andern Grund nicht. Der Ersatz durch Natirumdampflampen sei „keine zukunftweisende Technologie.“ Einen Bürgerentscheid darüber lehnt FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus ab. „Hier geht es um Verkehrssicherheit“ Über die Frage der Umrüstung in Wohnvierteln müsse mit den Bürgern vor Ort gesprochen werden.

Michael Mücke

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Kommentare
14.12.2011
14:37
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von waldnase | #10

in Berlin hat man vorsorglich schon 1978 ein Gaslaternenfreilichtmuseum angelegt;o)
http://blog.inberlin.de/2011/09/gaslaternen-galerie-im-tiergarten/

16.12.2010
01:02
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von Gaslicht-Fan | #9

Hallo Sönke Willms-Heyng:
Ich will Ihre Ausführungen nicht zitieren - es ist jedenfalls alles selbstredender Unsinn, nicht wahr?
Wie blümerant!

14.12.2010
10:07
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von Sönke Willms-Heyng | #8

Hallo Gasfunzel-Fan,
nicht ältere Leute sind gemeint, sondern Egoisten, denen das Klima egal ist, wenn es um eine Glimmer-Beleuchtung geht, die man nur als Sicherheitsproblem und Klimakiller bezeichnen kanm. Ältere Mitbürger sind daher die natürlichen Verbündeten der LED-Beleuchtung, die die Stadt heller, sicherer und die Luft sauberer macht.

13.12.2010
04:01
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von Gaslicht-Fan | #7

@Sönke Willms-Heyng:
Wenn Sie tatsächlich der FDP-Politiker Sönke Willms-Heyng von der Bezirksvertretung 07 sind:
Ich bin zehn Jahre jünger als Sie, dennoch verteidige ich das Gaslicht in Düsseldorf als besonders erhaltenswertes Gut.
Das 100% positive,amtliche Denkmalschutzgutachten liegt bereits vor.
Was verstehen Sie unter besserer Beleuchtung? Etwa das rot-braune Natriumlicht, welches die Stadt nun überall in primitiven Butterdosen-Leuchten aufstellt?
Elektizität kommt bei uns aus schmutziger Braunkohle und gefährlicher Kernenergie.
Was ist daran vorteilhafter gegenüber der sauberen Primärenergie Gas in den Düsseldorfer Gaslaternen?
Wenn Sie wirklich DER Sönke Willms-Heyng sind, hätte ich bezüglich Stadtkultur etwas mehr Fachkompetenz und Feingefühl erwartet, ganz nebenbei vorallem keine Ressentiments gegenüber älteren Mitbürgen.

12.12.2010
14:45
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von Sönke Willms-Heyng | #6

Sollen sie doch ein Bürgerbegehren machen. Georg Schumacher hat bereits eines krachend vor die Wand gefahren, als er versucht hat, Unterschriften gegen die Wehrhahnlinie zu sammeln. Hier versuchen wieder Leute, die ihre Zukunft schon hinter sich haben, eine bessere und klimafreundlichere Beleuchtung für unsere Stadt zu verhindern. Früher nannte man so etwas reaktionär.

12.12.2010
11:38
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von DDorfer | #5

Die Stadt wird wirklich austauschbar zwischen all den sterilen Glas-Beton-Bauten. Und im Rathaus jagt man immer noch jedem möglichen Event hinterher, um die Stadt in die Schlagzeilen zu drücken.

Dabei stünde den Düsseldorfern ein wenig mehr Selbstbewusstsein - im wahrsten Sinne des Wortes - gut zu Gesicht. In Berlin oder Xöln würde die Tatsache, ein solches lebendiges Baudenkmal zu haben, für das Stadt- und Tourismusmarketing ausschlachten - inklusive Doku im den bekatten xölner Uhrgesteinen zur besten Sendezeit im WDR....

12.12.2010
09:53
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von Gaslicht-Fan | #4

in der Altstadt längst ganze Straßenzüge historischer Gasleuchten heimlich auf Plastik-Elektro-Attrappen umgestellt wurden und werden!

Zuletzt vor wenigen Tagen am Carschhaus, Neustraße, Hunsrückenstraße.
Hieß es nicht immer aus dem Rathaus, daß gerade die Altstadt Denkmalschutz-Vorrang habe??

Soeben mal 30-40 Stück Original-Alt-Düsseldorf-Leuchten auf einen Schlag abgerissen - durch Plastik-Kitsch-Nachbauten ersetzt.
Zum besseren Verständnis, was Plastik-Attrappen sind,
damit sich normale Bürger auch ein Bild machen können -
da gibt es meines Wissens nur EINE einzige Gegenüberstellung auf
http://www.düsseldorf-gaslicht.de/gruselkabinett

Als echter Düsseldorfer, der seine Stadt liebt, tut mir dieser Frevel im Herzen weh. Ich bin total geschockt und entsetzt.
Ich liebe das Gaslicht und möchte es als Düsseldorfer nicht missen - vorallem nicht in der historischen Altstadt.
Es gehört zu Düsseldorf.
Wenn schon Elektro-Umbauten, warum nicht in den Original-Laternen.

12.12.2010
09:47
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von Gaslicht-Fan | #3

Es werden schon längst heimlich zahllose Alt-Düsseldorf-Leuchten abgerissen, sogar Modelle vom besonders geschützten Typ Frankfurt wurden soeben in Gerresheim durch billige Natriumdampflampen im Butterdosen-Design ersetzt.

Ich glaube, die gesamte Diskussion über Gaslaternen ist hinfällig, da die Stadt offensichtlich macht, was sie will.
Das hat etwas von Stuttgart 21.

Ratssitzungen sind Fakes, wenn man das gewünschte Ergebnis schon vorwegnimmt und umsetzt - nämlich den Total-Abriß des Gaslichts.
Bürgerbeteiligung gleich Fehlanzeige!

Ich bin gespannt, ob die Düsseldorfer sich das gefallen lassen.

11.12.2010
16:34
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von AXTIMWALDE | #2

Cappucino hat recht, der Austausch der Glühstrümpfe gegen LEDs ist wesentlich preiswerter
und die Lichtfarbe sollte dann auch stimmen.

11.12.2010
11:38
Bürgerbegehren für die Gaslaternen?
von Cappucino | #1

Die histrischen Laternen gehören zum Stadtbild, das schon viel zu sehr durch-Stahl-Glas-Beton-Einheitsarchitektur verwechselbar gemacht wurde.
Allenfalls der Austausch der Glühstrümpfe gegen eine andere Lichtquelle wäre akzeptabel.

Ein Bürgerentscheid wäre in jedem Falle zu begrüßen und alle Fakten (was genau wird ausgetauscht, wie teuer wird es, wer muss die Zeche zahlen,wieviel CO2 wird nach Abzug der Produktionskosten der neuen Lichtquelle in CO2 wirklich gespart,..?) sollten auf den Tisch! Wir sollten dafür nicht erst auf einen Herrn Geißler oder soetwas warten müssen. Düsseldorf kann das besser.

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