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Altstadtgestaltung

Bürger wollen Ginkgos retten

27.07.2010 | 16:53 Uhr
Bürger wollen Ginkgos retten

Düsseldorf. Bürger wenden sich gegen die Absicht des Stadtplanungsamtes, Ginkgo-Bäume in der Grabenstraße zu ersetzen. Das soll Teil einer großen Aufräum- und Vereinheitlichungs-Aktion in der Altstadt werden.

Geheimrat Goethe hat auf seine alten Tage seiner späten Liebe Marianne von Willemer ein wunderschönes Gedicht über das Blatt des Ginkgo Biloba gewidmet, das er später in seiner Sammlung „West-östlicher Diwan“ veröffentlichte und das im hiesigen Goethe-Museum nachzulesen ist. Man kann es sich dort sogar gedruckt auf einem T-Shirt zur Brust nehmen: „Dieses Baumes Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut, gibt geheimen Sinn zu kosten, wie’s den Wissenden erbaut. Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als Eines kennt? Solche Fragen zu erwidern, fand ich wohl den rechten Sinn. Fühlst Du nicht an meinen Liedern, dass ich eins und doppelt bin?“

Symbol der Liebe

Inspiriert wurde der Dichter und Denker durch des Ginkgos fächerförmige Blätter, die in der Mitte mehr oder weniger eingekerbt sind. Damit gelten sie von jeher als Symbol der Liebe und Freundschaft – sicher auch, weil es von dieser Baumart männliche und weibliche Pflanzen gibt. Zum Jahrtausendwechsel hat das deutsche „Kuratorium Bau des Jahres“ den Ginkgo biloba zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden zum Baum des Jahrtausends erklärt. Im Ur-sprungsland China wurden Ginkgos als Tempelbäume gepflanzt und in Japan als Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Kinderlose Frauen pilgerten zu Ginkgo-Bäumen, um vor ihnen um Kindersegen zu bitten.

Solches ist von den Düsseldorfer Gingko-Bäumen nicht überliefert. Weder von denen im Hofgarten noch von denen in der Stadtmitte, in der Grabenstraße. An eben diesen hübschen heiligen Stadtpflänzchen will sich nun das Stadtplanungsamt vergreifen. Nun sind Gingkos außerordentlich robust, warum sie auch weltweit als Stadtbäume gepflanzt werden. Sie trotzen Autoabgasen und Streusalz. Ja, sie haben als einzige Pflanze sogar die Atombombe von Hiroshima überlebt. Die Frage ist nur, ob sie auch oberflächliche kommunale Bepflanzungskonzepte überstehen können.

Neues Nachdenken nach den Ferien

Dies wird man jetzt bei den sechs vitalen Gingkos auf der Grabenstraße beobachten können. Sie sollen nämlich im Rahmen der umstrittenen Gestaltungsplanung Altstadt - zu der bekanntlich auch das graue Einheitspflaster und die Stadtmöblierung mit „bewusst modernen“ Bänke gehören – weichen und durch Mehlbeeren ersetzt werden. Warum, fragt sich der Bürger zu Recht nach der Lektüre eines Faltblattes des Stadtplanungsamtes mit den vordergründig lobenswerten Zielen „Erhalten, Ergänzen, Vitalisieren“ und der Unterzeile: „Ein sensibler Umgang mit dem Bestand.“

Dies sei „eine politische Entscheidung“ heißt es im Stadtplanungsamt und diene der „Vielfalt“ im altstädtischen Bild, der die Ginkgos bisher wohl kaum im Weg standen. Ein solcher Umgang mit den heiligen Bäumen klang denn auch vielen Düsseldorfern jedoch ziemlich scheinheilig. Es gab Proteste, die nicht ungehört blieben. Und so soll – zumindest im Fall der Ginkgos in der Grabenstraße – über deren Erhalt nach der Sommerpause noch einmal neu nachgedacht werden.

Dabei könnten die Ginkgos sogar behilflich sein. Ihre Blätter enthalten Flavonoide, warum die Pharmazie sie nutzt zur symptomatischen Behandlung hirnorganisch bedingter Leistungsstörungen. Auch gegen arterielle Durchblutungsstörungen, Schwindel und Ohrensausen soll Ginkgo-Extrakt hilfreich sein. Ein breiteres Wirkungsspektrum als bei den als Ersatz vorgesehen Mehlbeeren, deren behauptete Wirkung bei Rheuma und Verstopfung zudem fraglich ist.

Inge Hufschlag

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Kommentare
28.07.2010
14:39
Bürger wollen Ginkgos retten
von ErwinSchwarz | #1

Die Bäume stören ja nun wirklich niemanden. Was soll der Quatsch? Die neuen Platten, wenn sie denn überhaupt notwendig sine, können auch um die Bäume herum verlegt werden. Und warum Geld für einen neue Begrünung ausgeben, die in den ersten Jahren nur kläglich wirkt?
Mir scheint das Abreißen und in Baustellen verwandeln dient in Düsseldorf allein dem Selbstzweck.

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