Bühnencomic "Abwärtsbunker" feiert Premiere mit Dunkelziffer
23.09.2009 | 19:35 Uhr 2009-09-23T19:35:00+0200Düsseldorf. Man kann sicher sein, dass das Künstlerduo "half past selber schuld" Franz Kafka und dessen Roman „Der Prozess" gut kennt. Denn in seinem neuen Bühnencomic „Abwärtsbunker” taucht nicht nur eine Figur namens „K” auf, auch die Themen und die Atmosphäre des Stücks sind durchaus „kafkaesk.”
Die Musikerin Ilanit Magarshak-Riegg und der Comic-Zeichner Frank Römmele alias Sir ladybug beetle sind spätestens seit ihrer Comic-Adaption „Barfuß durch Hiroshima” für ihre schrägen Aufführungen bekannt, und auch „Abwärtsbunker” ist so ein seltsames Ding, eine wilde Mischung aus Stilen und Formen.
Wer tot ist, hilft in der Küche
Superheld Dunkelziffer, so viel steht schon mal fest, hat es schwer getroffen. Eben noch in dubioser Foltermission unterwegs, wird er ohne Begründung verhaftet, siehe oben, und noch dazu mit abgeklemmtem Rüssel, ohne Rüstung und in scheußlicher Unterwäsche. Da erinnert Dunkelziffer an die Superman-Parodie „Wonder Wart Hog” der amerikanischen Comic-Zeichner Gilbert und Shelton.
Immer tiefer abwärts geht es für den entmachteten Helden, in starken Schwarzweiß-Szenen agieren die Mitglieder des Ensembles schwarz vermummt vor schwarzem Hintergrund und sorgen für ebenso witzige wie überraschende Effekte. So werden die Zigarrenwölkchen des „großartigen Folterers und Innenministers Schmidt” als weiße Pappschnipsel durch die Luft bewegt. Auf dem Weg abwärts trifft unser Antiheld auf den depressiven „K” und eine weitere seltsame Figur namens Karl Klebebart. Immerhin „je weiter man runter kommt, desto besser wird man.” Und außerdem soll es auf Ebene 57 ja den legendären, nie zu Ende gebrachten Fluchttunnel geben... Andererseits: „Keiner kommt hier jemals wieder raus, nicht einmal tot. Wer tot ist, hilft in der Küche...”
Viel Beifall für schwarzen Humor
Die Musik dazu erinnert an die Residents und Kurt Weill, ist manchmal schmachtend ironisch, vertont die Bilderwelt entsprechend. Die speist sich aus unterschiedlichen Quellen, erinnert an expressionistische Bühnenbilder oder an die skurrilen Szenarien der Düsseldorfer Künstlerband „Der Plan” und die Gemälde von Moritz R. - dann wiederum an eine obskure Comicreihe, die zu Beginn des Videobooms mal auf MTV lief. Für Einfallsreichtum, schwarzen Humor und originelle Ideen gab es begeisterten Beifall.
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Schön, dass hier auf dieses spannende Projekt hingewiesen wird. Aber die magische Duplizierung des Comiczeichners Gilbert Shelton zum Duo Gilbert und Shelton spricht nicht unbedingt für die Comic-Sachkenntnisse des Autoren.