Bretter, Türen und Wände

Die letzten Abenteuer der Menschheit liegen in den kleingedruckten Aufbauanleitungen preiswerter Schränke. „Keine Sorge, da liegt eine Aufbauanleitung bei“, beruhigte die Verkäuferin im SB-Möbelhaus. Es sollte ja nur ein Schrank für den Keller sein. „Das schaffen sie schon“, schickte sie mich zur Kasse. War da nicht ein leicht ironischer Unterton in ihrer Stimme?

Im Keller war ich mir der Sache noch sicher: Die paar Bretter, das dürfte doch gelingen. Und dann lag da ja auch noch die Aufbauanleitung: Kaum leserlich war die Schrift, die Zeichnung offenbar auf dem Kopierer entstanden, und auch für eine halbwegs nachvollziehbare Übersetzung hatte wohl das Geld gefehlt: „Die Bretter müssen sie vor Bohrung durch. Entlang Stift.“ Ah, ja. „Fügen sie Tür für Bohrer, durch.“ Gut, das war jetzt nicht ganz eindeutig, und auch die Sprengzeichnung brachte nicht mehr Klarheit. Ist das Brett die Tür? Ist das die hintere Wand?

Ich legte mir die Bretter zurecht, dort, wo Bohrungen passten, freute ich mich, der Rest wurde mit dem Mute der Verzweiflung zusammengedrückt, genagelt, verschraubt, gebohrt, bis ein Schrank mit zwei Türen vor mir stand. Etwas wackelig, aber er stand.