Brand im Kaufring-Lager: Wer muss zahlen?

Fast vier Jahre nach einem verheerenden Brand im ehemaligen Kaufring-Lager an der Heinrich-Erhard-Straße soll jetzt eine Zivilkammer des Landgerichts die Rolle eines damals 13-jährigen Schülers aufklären. Durch das Feuer war das Gebäude im Mai 2011 fast vollständig zerstört worden und hatte eine dichte Rauchwolke gebildet, die damals ganz Derendorf bis zum Kennedydamm und benachbarte Stadtteile über Stunden hinweg verdunkelte.

Im Prozess will die Mutter von einem der mutmaßlichen Brandverursacher jetzt ihre Privathaftpflichtversicherung zur Übernahme des Brandschadens zwingen. Die Verhandlung am 10. Februar (13 Uhr, Saal 2.128) ist öffentlich.

Mit zwei etwa gleichaltrigen Mädchen sowie zwei ebenfalls nicht strafmündigen Kumpels hatte sich der 13-jährige Sohn der Klägerin damals angeblich auf dem Dach des leer stehenden Firmengebäudes aufgehalten. Dabei soll der Schüler eine Rolle Toilettenpapier angezündet und anschließend in eine Dachrinne gerollt haben.

Die Gefahr erkannt

Dort habe das Papier einen Brand verursacht, dessen Flammen ins Dach zogen. Die Mutter gibt jetzt nicht nur an, dass ihr Sohn bei der Privathaftpflichtversicherung mitversichert gewesen sein, sondern pocht auch darauf, dass er das Feuer nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig gelegt habe.

Das sieht die Versicherung völlig anders und verweigerte bisher die Kostenübernahme. Die Begründung: Der damals noch nicht strafmündige (nun 17-jährige) Sohn der Klägerin habe das Toilettenpapier damals in Brand gesetzt und es dem Zufall überlassen, wie sich die von ihm als Gefahr erkannte Situation weiter entwickelte.

Andernfalls, so die Begründung der Versicherung, hätte er die brennenden Gegenstände doch rasch wieder gelöscht und sichergestellt, dass kein weiterer Schaden entstehen kann.

In der Verhandlung will der Vorsitzende der 9. Zivilkammer jetzt versuchen, den Brandablauf durch Vernehmung der anderen vier Jugendlichen sowie von drei damals ermittelnden Kripobeamten aufzuklären.

Der Streitwert wurde bisher mit 50 000 Euro festgesetzt.