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Boxenstopp mit Vollpension

03.08.2010 | 18:19 Uhr

Düsseldorf. Dieses Business ist eine runde Sache. Dabei basiert die Geschäftsidee auf einer simplen Erkenntnis: Es rollen immer mehr Autoreifen über Deutschlands Straßen, kein Wunder bei fast vier Millionen Neuzulassungen im Jahr.

Und zwei Mal im Jahr werden sie ausgewechselt: dann gehen Sommerreifen in den Winterschlaf - und umgekehrt. Aber was macht man mit den Dingern? Wo soll man die bis zu 40 Kilo schweren Räder lagern? Im Keller, aber wer schleppt sie dahin? Ein Düsseldorfer Unternehmen kann spielend all diese Fragen beantworten: „4wheels“ betreibt ein Räderhotel. Service inklusive.

Es wird einem schwarz vor Augen: Gummi wohin man nur blickt. In einer Benrather Lagerhalle sind Autoreifen reihenweise in Regalen gestapelt. Jedes Regal kennzeichnet ein Nummernsystem, das ist auch notwendig, denn eigentlich sehen ja alle Gäste des Räderhotels verflixt gleich aus. Aber würde hier auch nur ein Rad falsch einsortiert, ein heilloses Durcheinander wäre das Ergebnis.

„Aber das passiert nicht“, da ist Robin Vogl, Geschäftsführer von „4 wheels“ ganz sicher, „denn wir arbeiten mit ausgeklügelter Logistik.“ Sie steuert den Kreislauf des Räderhotels und ermöglicht, dass zu jeder Zeit jeder der über 30 000 Winterreifen, die zurzeit hier gelagert ist, auf einen Griff gefunden wird.

Die Idee dazu kam vor zehn Jahren ins Rollen, als Gemeinschaftsprodukt von Sohn Robin und Vater Wolfgang Vogl. Der war viele Jahre einer der größten Reifenhändler in Deutschland, in dieser Zeit hörte er immer wieder die Klagen von Herstellern: „Wir könnten viel mehr Räder verkaufen, wenn wir mehr Platz hätten. Aber wir müssen ja so viele Kundenreifen lagern.“

Vater und Sohn knüpften Kontakte zu allen deutschen Autoherstellern und ihren Händlern. Das einheitliche Problem der Branche: Zu wenig Platz. 1500 Autohändler sind heute die Kunden von 49 Räderhotels zwischen Flensburg und München. Ein Selbstläufer aber sei dieser Erfolg nicht. „Das war harte Arbeit“, meint Robin Vogl.

Zum Winterschlaf

Und so funktioniert das rollende Angebot: Ein Autobesitzer vereinbart im Herbst mit seiner Autowerkstatt einen Termin zum Reifenwechsel. Die Werkstatt verständigt das Reifenhotel, das holt die abmontierten Sommerreifen ab, reinigt sie, kontrolliert die Felgen, überprüft auf Wunsch die Räder - nach TÜV-Norm und exakt dokumentiert in einem Protokoll.

Dann geht der Vierersatz Gummi im Räderhotel in den Winterschlaf. Bis im Frühling der Anruf kommt: Reifenwechsel. Der Preis für die Rundumkur? „Ganz unterschiedlich“, meint Vogl. Manche Werkstätten würden die Kosten subventionieren, „die sehen das als Kundenservice.“ Im Durchschnitt aber müsse man mit mindestens 50 Euro pro Saison rechnen.

Mittlerweile hat sich der Service von „4 wheels“ in der Branche rumgesprochen, heute empfehlen ihn die großen Hersteller wie VW, Mercedes und Opel ihren Händlern. Und die schicken die Reifen ihrer Kunden zur Erholung in die Räderhotels aus Düsseldorf: zum Boxenstopp mit Vollpension.

Ute Rasch

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