Bollwerk für drei Millionen
02.04.2009 | 16:58 Uhr 2009-04-02T16:58:00+0200Der größte Feind des Deichbauers ist das Wurzelwerk alter Bäume.
Das macht so ein Bollwerk gegen Hochwasser porös wie einen alten Gummischlauch. In Kaiserswerth am Herbert-Eulenberg-Weg kann man derzeit sehen, wie raumgreifend wuchtig die inzwischen gefällten Pappeln den Hügel untergraben haben. Claus-Henning Rolfs, Chef des Stadtentwässerungsbetriebes: „Die hat man früher extra auf den Deichwegen angepflanzt. Diese Bäume wachsen schnell und waren gut geeignet zum Verheizen.” Doch nicht nur wegen der Gefahr des Abrutschens investiert die Stadt derzeit 3,3 Millionen Euro in 650 Meter neuen Wall. Nach der Oder-Katastrophe 1998 sind völlig neue Bau- und Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen.
Die wichtigste Nachricht für alle Anwohner und Besucher: Fast alles wird wieder wie früher, wenn die Bauarbeiten im Oktober beendet sein werden. Sogar das kleine Biotop, Tummelplatz für Molche, bleibt erhalten. Auf dem frisch begrünten Deich wird ein Fuß-und Radweg verlaufen, zur Landseite hin gibt es wieder einen Pfad. Der heißt dann Deichverteidigungsweg, ist Zufahrt für Kontrollen und Reparaturen.
Nur das Bollwerk wird üppiger: 25 Zentimeter breiter, 50 höher. Damit soll es, so die Vorschriften, Hochwasser bis zu einer Höhe von 11,74 Metern abfangen können. Kristian Lütz, Experte vom Amt: „Das passiert rein rechnerisch einmal in 350 Jahren.” 1995 erreichte der Rhein letztmalig 10,32 Meter. Der höchste Wasserstand in Düsseldorf wurde 1784 mit 12,36 Meter gemessen.
Zum Glück wird gerade im Umfeld reichlich gebaut - denn zur alten Erde - der Deich wird vollständig abgetragen - werden weitere 50 000 Kubikmeter Erdreich gebraucht. Das stammt zu großen Teilen aus Lohausen und vom neuen Bauabschnitt der B8n. Den Rest holt sich die Stadt aus Kieswerken für den drei-Zonen-Wall aus Lehm, Sand und Drainagematerial.
Nachdem die Stadt schon den Deich am Brückerbach runderneuert hat, folgen als Nächstes 500 Meter in Wittlaer. Der Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest. Die Stadt Duisburg übernimmt hier den Bau-Part, verhandelt aber noch mit dem Land über die Maßnahme, die zu 80 Prozent bezuschusst wird.
Mindestens noch ein Jahr wird die Vorbereitung für 800 Meter Deich auf der Burgallee in Kaiserswerth in Anspruch nehmen. Das Stück bringt die Stadt in eine Zwickmühle. Sie will - und muss - die landschaftsgeschützten Linden und Kastanien erhalten. „Größtenteils”, schränkt Kristian Lütz ein. Laut Oberbürgermeister Dirk Elbers, der gestern zum Spatenstichfoto mit glänzendem Schuhwerk frohgemut in den Lehmboden stapfte, folgen noch Himmelgeist, Lohausen und Benrath. Insgesamt sind bis 2013 Mittel in Höhe von 23 Millionen Euro für die Deichsanierung eingeplant.
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