Bodybuilder will in Düsseldorf für den Traumkörper werben

Mario Klintworth (35) wurde nach Einführung der Men’s Physique im Jahr 2013 deren erster Deutscher Meister.
Mario Klintworth (35) wurde nach Einführung der Men’s Physique im Jahr 2013 deren erster Deutscher Meister.
Foto: Peter Newels
Mario Klintworth, Fitnesstrainer und Sportmodel in Düsseldorf, verköpert einen neuen Athletentypen. Seine Wettkampfklasse heißt Men’s Physique.

Düsseldorf.. Er betritt die Bühne und verzückt damit vor allem die Mädels im Publikum. Zahnpasta-Grinsen, Gelfrisur, athletische Arme, tiefgefurchte Bauchmuskeln und Bermudashorts, so gewinnt Mario Klintworth seine Bodybuildingwettkämpfe. „Muskeln sind sexy“, findet er, an Frauen, an Männern, natürlich auch seine eigenen. Er verkörpert eine neue Art des Kraftsportlers, den Sunnyboy mit nahezu perfekter Strandfigur. Men’s Physique nennt sich diese neue Wettkampfklasse und Klintworth, Fitnesstrainer und Sportmodel in Düsseldorf, wurde 2013 ihr erster Deutscher Meister. Nun will er mehr.

Mit seinem Athletenteam „Physique Generation“ möchte der 35-Jährige, der inzwischen in Neuss wohnt, nicht nur Meistertitel gewinnen, er baut nun auch eine Sportlergemeinschaft auf. „Für mich gibt’s nichts Größeres, als dass jeder auf der Welt über Bodybuilding spricht. Das ist mein Leben, das ist das, was ich liebe, mein Sport, den ich leidenschaftlich betreibe.“ Mit dieser Leidenschaft möchte er andere Menschen anstecken, indem er ihnen seinen Lifestyle vorstellt.

Daher bietet er Workshops an, bei denen die Teilnehmer erfahren, wie auch sie ihren Traumkörper bekommen. Seine Zielgruppe sind zwar Männer, doch auch Frauen, die etwas über Körpertypen, Ernährung und Kraftsport lernen wollen, sind willkommen. „Was für Männer gut ist, ist für Frauen mindestens genauso gut.“

Weit entfernt vom Riesenbizeps

Dass der eifrige Geschäftsmann anfangs mit der „Physique Generation“ auch seine Trainingsprogramme und seine Nahrungsergänzungsmittel bewerben wollte, gibt er offen zu. Doch er will niemandem etwas aufquatschen, sagt er, sondern helfen, sportliche Ziele zu erreichen. „Ich will Vertrauen schaffen: Wenn wir solche Körper erreichen, kann das jeder erreichen.“

Denn die Men’s Physique ist – übrigens ebenso wie ihr weibliches Pendant, die Bikini-Klasse – weit entfernt von den männlichen und weiblichen Muskelkolossen, die man sich gemeinhin unter Bodybuildern vorstellt. Riesenbizeps, auf denen sich fingerdicke Adern schlängeln, breite Rücken und wuchtige Oberschenkel, dieses Aussehen strebt Klintworth nicht an. „Ich find’s total geil, richtig cool. Aber ich kann es selber nicht erreichen.“ Trotzdem freue er sich, dass es solche Bodybuilder gibt.

Inspiriert durch die California Dream Boys

So viel Toleranz schlägt seiner noch jungen, leichteren Athletenklasse jedoch nicht immer entgegen. Einige Schwergewichte und ihre Anhänger empfinden sie als alberne Schönheitswettbewerbe. Nicht von ungefähr: Die aus den USA stammende Men’s Physique scheinen stark von den California Dream Boys inspiriert zu sein. Abfällig nennt mancher sie die Bikini-Männer. Dennoch ist der Zuspruch riesig. Auf Turnieren sind Physique-Sportler neben den Bikini-Athletinnen am zahlreichsten vertreten und füllen mit ihren Fans ganze Hallen.

Seine Klasse boomt. Und das natürlich nicht nur, weil die Athleten ihre knappen Höschen gegen Bermuda-Shorts tauschen. „Vielleicht liegt es auch am Verhalten“, vermutet Klintworth. „Viele Bodybuilder benehmen sich unmöglich.“ Er dagegen will ein Vorbild sein.

„Bodybuilding wird nie ganz weggehen, das wäre unmenschlich“

Dass die Men’s Physique jemals die Schwergewichte verdrängen, glaubt der Fitnesstrainer hingegen nicht: „Bodybuilding wird nie ganz weggehen, das wäre unmenschlich. Der Mensch will die Extreme.“ Auch das Erreichbare sei jedoch interessant, deshalb glaubt Klintworth fest an den Erfolg seiner Workshops.

Doch warum hält er sich für die richtige Galionsfigur des neuen Bodybuildings? „Es gibt nur wenig Leute, die in dem Sport so vielseitig sind wie ich“, sagt er selbstbewusst. Er trainiere seit 20 Jahren, habe 15 Jahre Wettkampferfahrung und kenne sich mit Basketball, Leichtathletik und Kampfsport aus – außerdem nutze er moderne Technik beim Training, etwa Aktivitäts- und Pulsmesser.

Kraftsport als Therapie

Dabei hätte mit er mit 13 Jahren nicht gedacht, jemals ein Bodybuilding-Champion zu sein, als er im Kinderzimmer die ersten Hanteln stemmte. Kraftsport war damals für ihn lediglich Therapie, um seine krumme Wirbelsäule, sein schiefes Becken, das starke Hohlkreuz und die unterschiedlich langen Beine in den Griff zu bekommen. Zudem war er als Teenager „ein bisschen specky“, hatte Brustansatz. „Das ging nicht, das musste weg.“ Seine heutige Brust sieht er als Stärke.

Ja, er weiß, wie wichtig Sport ist, weiß, dass er ein „lebenslanger Physiofall“ ist. Durch Sport fühlt er sich allerdings richtig gut. Dabei war es reiner Zufall, dass aus ihm ein Bodybuilder wurde. Denn als Jugendlicher war nicht etwa Arnold Schwarzenegger sein Vorbild. Der 13-jährige Mario mochte Bruce Lee und Jean-Claude van Damme. „Die hatten nicht nur was auf dem Kasten, die sahen auch gut aus.“ Sie haben seine Vorstellung vom Traumkörper geprägt. Nacheifern möchte er bald aber Arnold Schwarzenegger und wie dieser in den 80ern mit behinderten Menschen trainieren.

Er will Mister Germany werden, der schönste Mann Deutschlands

Zunächst will Mario Klintworth aber der schönste Mann Deutschlands werden. Vielleicht. Er ist eingeladen, beim Schönheitswettbewerb Mister Germany anzutreten. Sein perlweißes Lächeln und die preisgekrönten Bauchmuskeln helfen dem Sunnyboy dabei bestimmt.

Bodybuildingverband freut sich über die neuen Klassen

Für den Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverband (DBFV) ist die junge Wettkampfklassen Men’s Physique, die in Deutschland seit 2013 bei Meisterschaften vertreten ist, ein wahrer Glücksgriff, ebenso wie die Bikini-Klasse, die seit 2010 besteht. Sie haben die Kraftsportszene und damit auch die Wettkämpfe wiederbelebt.

Nein, eine Zukunft ohne diese Klassen, kann sich der DBFV nicht mehr vorstellen. Viele ihrer Athleten treten bei Wettkämpfen gegeneinander an und locken zudem hunderte Zuschauer. „Die Klassen sind absolut etabliert“, sagt Verbandspräsident Erich Janner. Das war mal anders, als die Men’s Physique aus den USA nach Deutschland kam, fanden Viele die Bermuda-Shorts einfach nur albern. „Doch dann hat sie richtig reingehauen und Vorzeigeathleten mit Topfiguren hervorgebracht“, wie zuvor schon das weibliche Pendant Bikini.

Fehlende Wettkampfkür sei ein Vorteil

Kritiker bemängeln, dass die Physique-Sportler keine Bodybuildingposen zeigen, nicht einmal den prallen Doppelbizeps. Genau das sei aber ein Vorteil, findet Janner: „Das macht die Men’s Physique für Fitnessstudios viel interessanter, weil sie jetzt keinen eigenen Kürtrainer brauchen.“ So könnten mehr Interessierte bei Turnieren antreten. Wer länger trainiert, rutsche aber oft in schwerere Klassen, die mehr Muskeln erlauben. So sind Men’s Physique und Bikini langfristig auch als Einsteigerklassen angelegt.

Also alles gut? Nicht alles, auch der DBFV wird kritisiert, weil durch die neuen Athletenschwämme etwa die Superschwergewichte über 100 Kilo erst sehr spät auf die Bühne können; davor essen und trinken sie kaum, damit ihre Muskulatur für die Jury optimal zu sehen ist. Das ist kräftezehrend. Im November endete etwa eine NRW-Meisterschaft in Duisburg erst nach Mitternacht.

Bikini-Mädels haben Schwergewichtsathletinnen verdrängt

Außerdem haben die Bikini-Athletinnen bereits die Schwergewichtsfrauen von offiziellen Meisterschaften verdrängt. Sie müssen jetzt Gewicht und Muskelmasse verlieren, wenn sie Trophäen gewinnen wollen. „Das ist gut so“, sagt Janner, das hätten ihm auch etliche Betroffene bestätigt. Als Amateurverband könne der DBFV nämlich keine flächendeckenden Dopingkontrollen durchführen. Gerade bei den Frauen hätten sich, etwa durch internationale Vorbilder wie Iris Kyle, fast unerreichbare, extreme Standards etabliert, die aufgebrochen werden mussten.

Diese Entwicklung findet Christine Brings vom NRW-Landesverband des DBFV allerdings schade. Sie selbst ist Schwergewichtsathletin und Weltmeisterin von 2002. „Doch die Schwergewichte werden auch bei den Frauen wieder zurück auf die Bühne kommen“, sagt sie voraus. Immerhin, die Muskelkolosse über 100 Kilo sind bei den Männern weiterhin beliebt und ihr Verschwinden ist ausgeschlossen.