Blitzer auf Fleher Brücke bleiben aus

Die Anwohner der A46-Brücke zwischen Düsseldorf und Neuss müssen tatsächlich wieder verstärkt mit Verkehrslärm rechnen. Nachdem die zulässige Höchstgeschwindigkeit wieder auf 100 beziehungsweise 120 Stundenkilometern angehoben wurde, erklärte die Stadt nun, dass sie die stationären Blitzer bis auf weiteres nicht wieder einschalten wird. Alle drei möglichen Begründungen für eine solche dauerhafte Kontrolle sind nach aktuellem Stand nicht gegeben: Weder Lärmschutz noch Verkehrssicherheit noch hohe Raser-Zahlen kommen als Argumente in Betracht. Wenn sich dies ändert, kann die Stadt die Blitzer die Inbetriebnahme wieder beantragen. Darüber entscheidet dann die Bezirksregierung.

Ursache für die abgeschalteten Lasersäulen auf der Fleher Brücke war ein Gerichtsurteil im Oktober. Das Verwaltungsgericht stellte damals fest, dass das Land keine rechtliche Grundlage besaß, auf der Brücke dauerhaft Tempo 80 anzuordnen. Dies war während der mehrjährigen Bauarbeiten dort zulässig, anschließend wurde es beibehalten, ohne es zu begründen.

Die Stadt schaltete nach dem Urteil die Blitzer ab. Abgeschlossene Bußgeldverfahren wurden nicht wieder aufgerollt, die rund 500 noch anhängigen Verfahren zugunsten der zu schnellen Autofahrer eingestellt.

Lärmschutz kommt als Begründung nicht in Betracht, weil die anderen Maßnahmen, die die Bürger in den vergangenen Jahren erkämpft haben, wirken. Auf der Brücke war knapp 35 Jahre nach deren Eröffnung eine Lärmschutzwand nachgerüstet worden. Zudem tauschte der Landesbetrieb die klappernden Dehnungsfugen und brachte einen lärmschluckenden Asphalt auf. Eine Berechnung der Bezirksregierung Ende vergangenen Jahres ergab, dass der Lärm unterhalb der Grenzwerte liegt, der weitere Maßnahmen ermöglicht. Der Berechnung lag Tempo 100 beziehungsweise 120 zugrunde.

Die Verkehrssicherheit schied als Grund für ständige Tempokontrollen ebenfalls aus, weil die Fleher Brücke kein Unfallschwerpunkt ist. Die Anwohner hatten zwar argumentiert, dass der Lichtwechsel nach dem Universitäts-Tunnel sowie die Kurve vor der Brücke ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen, in den Statistiken der Polizei finden diese Argumente aber keine Bestätigung.

Letzte Hoffnung für die lärmgeplagten Bürger ist nun, so grotesk es klingt, ein Anstieg der Raser-Zahlen. Als die Blitzer bei Tempo 80 im Jahr 2013 eingeschaltet wurden, lieferten sie unter anderem Fotos von Autofahrern, die mit weit über 150, in einem Fall sogar 211 km/h unterwegs waren. Innerhalb des ersten Jahres registrierten die Anlagen knapp 40 000 Raser. Die jüngsten Stichproben des Ordnungsamtes zeigten allerdings keine signifikant hohen Zahlen bei den Übertretungen. Nach Angaben von Amtsleiter Michael Zimmermann waren vier Promille aller Autos in Fahrtrichtung Neuss zu schnell und sieben Promille in Fahrtrichtung Wuppertal. Im Umkehrschluss heißt das, dass 99,6 beziehungsweise 99,3 Prozent sich an Tempo 120 gehalten haben.

Dieses grundsätzlich erfreuliche Ergebnis hängt auch mit der abschreckenden Wirkung der Säulen auf der Brücke zusammen. Noch haben sie einen pädagogischen Wert, der mit der Zeit voraussichtlich abnimmt. Das Ordnungsamt hat daher angekündigt, weiter regelmäßig das Tempo zu überprüfen – und beim gegebenem Anlass die Blitzer wieder einzuschalten.