Bio-Studentin und Uni streiten um ein totes Huhn
21.01.2011 | 18:28 Uhr 2011-01-21T18:28:00+0100
Düsseldorf.Tierversuche sind ein heikles Thema. In der Kosmetikindustrie werden sie heftig kritisiert, in der medizinischen Forschung meist stillschweigend toleriert.
In den Universitäten gehören sie zum Alltagsgeschäft und viele Studenten kommen zumindest an den Übungen mit toten Tieren nicht vorbei. Wer Biologie oder Medizin studiert, muss irgendwann einen toten Fisch, eine Maus oder ein Huhn sezieren. Der Lehrplan schreibt es vor. Doch was ist, wenn sich jemand weigert? Wenn er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann? Oder sich einfach zu sehr ekelt?
Sie sezierten alles vom Regenwurm bis zur Maus
An der Heinrich-Heine-Universität gibt es jetzt einen solchen Fall. Frauke Spengler studiert im dritten Semester Biologie. Im vergangenen Sommer nahm sie an einem Zoologie-Praktikum teil. An zwölf Nachmittagen sezierten die Studenten alles vom Regenwurm bis zur Maus. Der krönende Abschluss war ein Huhn. Rupfen, Aufschneiden und die Organe entnehmen, lautete die Aufgabenstellung.
Doch Frauke Spengler weigerte sich. „Ich konnte das nicht. Ich hatte Mitleid mit dem Tier“, erzählt die 21-Jährige, „also habe ich einfach nicht angefangen.“ Es sei so unnütz, die Tiere würden extra für die Studenten gezüchtet, getötet und später verbrannt. Auch Kommilitonin Katja Lammers fiel die Tierpräparation nicht leicht. „Ich fand das extrem ekelig. Wenn man das Huhn gerupft hat, sind Stücke Fleisch mit rausgerissen“, erzählt sie. Zwei Studenten seien sogar weinend aus dem Raum gelaufen.
Schließlich dem "extremen Druck" gebeugt
Doch weder die Laborassistenten noch der Leiter hätten Verständnis gezeigt. Im Gegenteil: Auf Frauke Spenglers Bitte, ihr doch wenigstens ein Paar Handschuhe zu geben, habe ein Assistent geantwortet: „Echte Biologen brauchen keine Handschuhe.“ Außerdem sei damit gedroht worden, sie nicht zur Klausur zuzulassen. Da das Praktikum eine Pflichtveranstaltung ist, hätte Frauke Spengler ohne die Klausur ihr Bachelorstudium nicht fortsetzen können. Sie spricht von einem „extremen Druck“, dem sie sich schließlich gebeugt und das Huhn aufgeschnitten hätte.
„Ich kann mich an diesen Vorfall gar nicht erinnern“, sagt Laborleiter Dr. Volker Walldorf auf NRZ-Anfrage, „bei mir ist keiner gewesen. Es hat sich niemand beklagt.“ Auf seine Nachfrage habe sich eine Assistentin zwar erinnert, dass sie jemanden aufgefordert habe, „jetzt mal anzufangen“, aber von Studenten, die weinend rausgelaufen seien, wisse er nichts.
„Man informiert sich vorher, was im Biologiestudium auf einen zukommt"
Volker Walldorf hat wenig Verständnis für Studenten wie Frauke Spengler. „Wenn man Biologie studiert, informiert man sich doch vorher, was da auf einen zukommt.“ Und der überwiegende Teil der Biologiestudenten wolle sogar mehr Tierpräparationen, die zudem unerlässlich für das Studium seien. Nur so könnten die Studenten die innere Anatomie der Tiere lernen. „Es ist ein Unterschied, ob man ein Tier auf einem Bild sieht“, erklärt der Laborleiter.
Außerdem sei das Verhalten von Frauke Spengler inkonsequent. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum jemand sagt, wenn es ein Huhn oder eine Maus ist, mache ich das nicht, bei einer Schnecke oder einem Regenwurm schon.“ Dem Vorwurf der Studentin, die Tiere würden extra für die Universität gezüchtet, widerspricht er. Die Hühner kämen von einem ganz normalen Züchter. Wenn die Uni sie nicht kaufe, täte es die Fleischindustrie. Und die Regenwürmer stammten aus dem Anglergeschäft und landeten sonst am Haken.
Übungen können nicht ersetzt werden
Der Dozent wehrt sich auch gegen den Begriff „Tierversuch“ im Zusammenhang mit den Präparationen. Der Ausdruck stehe für Tests an lebendigen Tieren.
Die Düsseldorfer Universität steht mit ihrer kompromisslosen Haltung nicht alleine da. Auch an anderen Hochschulen gibt es keine Alternative zu den Tierpräparationen. „Es gibt nicht die Möglichkeit freiwillig auf die Präparationen zu verzichten“, erklärt Matthias Schmidt, Tierschutzbeauftragter an der Ruhr-Universität Bochum. Das sei auch gar nicht möglich, da es keine Videos oder Bilder gebe, die diese Übungen ersetzten könnten.
00:12
Was ist eigentlich aus den Damen geworden ?
20:54
Wie Herr Dr. Waldorf schon erklärt hat, keines der Tiere ist zu Versuchszwecken und extra für die Studenten gezüchtet und getötet worden! Die Schnecken kommen vom Züchter und werden der Gastronomie zugeführt, die Regenwürmer werden im Anglerladen eingekauft und würden wohl sonst einen wesentlich grausameren Tod am Haken sterben. Die Schaben stammen ebenfalls von Züchtern und wohl kaum jemand jammert einer toten Schabe hinterher. Alle Insekten die für die Bestimmungsübungen benutzt werden sind schon Jahrzehnte alt. Die meisten dieser Tiere töten wir im Alltag durch Insektenschutzmittel, entsprechende Körpersprays oder einfach nur so weil wir sie ekelig finden und sie in unserer Nähe lästig sind. Viele davon sterben einen grausamen Aufpralltod auf unserer Autowindschutzscheibe. Die Forellen kommen aus einer Zucht und landen sonst im Lebensmittelhandel, die Hühner stammen von einem Geflügelhof und würden ebenfalls im Lebensmittelhandel landen. Die Mäuse stammen aus der TVA-Zucht und sind dort eines natürlichen Todes gestorben und über eine längere Zeit tiefgekühlt gesammelt worden. Somit konnten auch sie noch einen nützlichen Zweck erfüllen. Ascaris stammt aus Schweinen die auf natürliche Weise mit diesem Nematoda infiziert waren. Auch die anderen Parasiten (u.a. Clonorchis, Schistosoma) wurden aus ihren Wirten isoliert. Dabei haben sie ihren Wirten, eben durch ihre parasitische Lebensweise, erheblichen Schaden zugeführt.
Ich finde die ablehnende Haltung von Studenten wie Frau Spengler und Frau Lammers nicht richtig, denn diese Tiere wurden für ihre Lehrzwecke getötet. Verweigern sich die Studenten sind die Tiere umsonst gestorben! Frau Spengler und Frau Lammers sind nicht die einzigen die gefühlsmäßige Probleme haben ein Tier aufzuschneiden, es kommt immer wieder vor das die Studenten, meist ab dem Hühnchen, ein Problem damit haben. Allerdings sind Frau Spengler und Frau Lammers die einzigen die so reagieren.
Ich finde es das Verhalten von Frau Spengler und Frau Lammers falsch, die nicht erst versuchen die Missstände Uni intern zu klären und ggf. zu verbessern, sonder direkt an die Presse gehen. Zudem haben sie auch erst gut ein halbes Jahr damit gewartet, nämlich nachdem sie die Klausur zu diesem Modul geschrieben hat.
Zu Beginn des Kurses ist den Studenten gesagt worden, dass sie sich Handschuhe mitbringen müssen. Die Uni ist nur in dem Fall verpflichtet Handschuhe zu stellen, wenn es sich um potentiell infektiöses Material handelt. Dies war bei der Präparation von Ascaris der Fall. Bei allen anderen zu präparierenden Tieren ist es unmöglich bis sehr unwahrscheinlich sich mit irgendwas zu infizieren. Wenn die Mäuse Viren oder die Hühner Salmonellen oder Eimerien gehabt hätten, wären die entsprechenden Zuchteinrichtungen schon längst geschlossen worden! Ekel vor einem toten Tier und dem Geruch der beim öffnen der Bauchhöhle entweicht sind persönliche Probleme der Studenten. Aber anscheint ist das ein generelles Problem der heutigen Sagrotan-Hygiene-Generation. Ebenso habe ich den Eindruck, dass die Studenten durch ihre Studiengebühren erwarten, dass ihnen wie in der Schule alles „vorgekaut“ wird und sie nichts mehr selber tun müssen. Dieses Denken ist bei einem Studium grundsätzlich falsch! Denn hier heißt es selbstständig und eigenverantwortlich lernen.
Ein/e angehende/r Biologe/in muss sich während des Studiums mit allen Bereichen der Biologie auseinander setzten, auch wenn man sie nicht mag oder für unnötig und überflüssig hält. Demnach finde ich es vollkommen richtig, dass die Studenten sich mit der Anatomie von verschiedenen Vertretern der Stämme des Tierreichs in Theorie und in der Praxis vertraut machen. Lehrbücher bilden meist nur Ideale ab, die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Einige der im Kurs zu präparierenden Tiere sind in den Lehrbüchern auch gar nicht abgebildet. So müssen die Studenten eben auch den Unterschied zwischen ihrem Tier und der Lehrbuchabbildung richtig erkennen. Alleine nur theoretisch zu lernen reicht nicht aus, das zeigt sich u.a. bei den Abtestaten in diesen Kursen. Dabei bekommt man von den Studenten Antworten wie „die Eier werden in den Hoden gebildet“, die Milz gehört zum Verdauungssystem und hat eine Verbindung zum Darm“, die Chorda dorsalis dient zur Nahrungsaufnahme“ oder „Säugetiere atmen mit Kiemen“ um hier nur einige der Highlights zu nennen.
Es ist gut auch mal zu etwas „gezwungen“ zu werden um seine eigenen Grenzen besser abstecken zu können. Das ist wie beim Essen „igitt das sieht ja ekelig aus“, probiert man dann aber kann es einem doch sehr gut schmecken. Dieses Praktikum ist nun mal Pflicht im Studium und sollte es auch bleiben.
Die Praxis ist unerlässlich und sollte viel mehr mit eingebracht werden. Um etwas daran zu verbessern sollten sich, meiner Meinung nach, die Studenten mit dem zu präparierenden Tier viel genauer und intensiver auseinander setzten, um z.B. den Verlauf der Nahrung oder den Aufbau des Geschlechtsapparats nachvollziehen zu können und diese Dinge dann auch besser verstanden zu haben. Nur das Zeichnen des präparierten Tiers auf Akkord, mit „Ergänzungen“ aus den Lehrbüchern bringt nicht viel.
Hätten sich Frau Spengler und Frau Lammers vor ihrer Studienwahl besser informiert, so wäre uns allen diese teilweise sinnlose Diskussion erspart geblieben. Ich möchte mich hier bewusst nicht der Grundsatzdiskussion über „Tierversuche“ anschließen, denn dieses Thema bedarf einem ganz eigenen Artikel ohne Frau Spengler oder Frau Lammers. Ich freue mich schon auf den nächsten Artikel, wenn Frau Spengler und Frau Lammers im 4. Semester in Entwicklungsbiologie, vom Dekan der Biologie Düsseldorf (Prof. Dr. Rüther), dazu „gezwungen“ werden an lebenden Hühnerembryonen Versuche zu machen. Dies fällt übrigends nicht in die Definition „Tierversuch“.
18:39
Hat sich wohl für das falsche Studienfach entschieden.
14:30
nein wir fordern keinesfalls, dass die beiden Damen irgendwelche Tiere präparieren und sezieren MÜSSEN. Wir fordern, dass sie ihren, offenbar nicht richtig gewählten Studienplatz für die Studenten freimachen, die kein Problem damit haben.
13:38
Das Experiment wurde entwickelt, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen.
Und, mit Verlaub, GENAU das fordern die meisten Kommentatoren von den beiden Studentinnen!
01:55
Dieses mir - allerdings unter keinem Fachbegriff - seit Jahren bekannte Experiment ist offenbar total untauglich, zur Stützung einer Stellungnahme zu dem hier zu bewertenden Sachverhalt. Ein totes Huhn lässt sich selbst durch autoritäre Anordnungen einer autoritären Leitfigur nicht mehr (durch elektrische Stromschläge) quälen. Ihr Beispiel liegt - mit Verlaub - völlig neben der Sache.
01:26
Die Reaktionen einiger Kommentatoren erinnern doch sehr sehr stark an das Milgram-Experiment: http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment
Augen zu und durch...
23:19
#37 HelMar
Ich kann Ihre Kritik an den Kommentaren zu dem Thema nicht ganz verstehen. Ich gehöre übrigens auch zu denen, die angezweifelt haben, ob das Studienfach von Frau Spengler die richtige Wahl ist.
Sie selber schreiben ja, dass, ich zitiere „wie viele Studenten sich am Anfang vor allem möglichen Getier ekeln. Denn weder der angehende Mikrobiologe, noch der Botaniker will damit was zu tun haben. Da heißt es nur, Augen zu und durch und das machen eigentlich auch alle, aber sagen, dass man es ekelhaft findet, ist doch wohl erlaubt. Außerdem gibt vielen die Kombination aus zerfleddertem Tier und erbärmlicher Gestank den Rest“
Ende des Zitats.
Selbstverständlich steht es dann jedem Studenten frei, dass Fach zu wechseln. Aber indirekt zu verlangen, dass der Lehrplan umgestellt werden muss, nur aus Rücksicht auf sein persönliches Empfinden. Sorry, dass wäre doch wohl des Guten zu viel.
Übrigens treffen nicht nur Studenten trotz bester Information, ab und an eine falsche Entscheidung, bezüglich des Studienfachs, sondern gleiches gilt auch für viele Jugendliche, die beispielsweise ein Handwerk erlernen wollen. In meiner Facharbeiterausbildung gab es auch Zeiten, da hätte ich heulen können, mal ganz abgesehen davon das ein Junge nicht weint, mußte ich mich auch zusammenreißen. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, zu verlangen, dass die Ausbildungskriterien meinetwegen geändert werden und hätte das ganze erst recht nicht öffentlich gemacht. Wie Sie ja selber gesagt haben „Augen zu und durch“. Manch einer schafft es eben nicht, aber das liegt dann eher nicht am System.
18:20
Doch weder die Laborassistenten noch der Leiter hätten Verständnis gezeigt. Im Gegenteil: Auf Frauke Spenglers Bitte, ihr doch wenigstens ein Paar Handschuhe zu geben, habe ein Assistent geantwortet: „Echte Biologen brauchen keine Handschuhe
Ich war selber Teilnehmer des besagten Kurses. Das mit den Handschuhen ist so absolut nicht wahr. Es lagen Handschuhe für jeden aus und wer wollte, konnte sich einfach welche nehmen.
Dieser Spruche einens Assistenten war halt nur ein Spruch.
Alleine dieses Faktum lässt darauf schließen,d as diese ganze Geschichte mehr als nur überzogen ist.
Mehr brauch ich denke nicht dazu zu sagen, sonst würde ich nur das wiederholen, was vor mir schon gesagt wurde.
Nur wollte ich das zumindestens schoneinmal richitg stellen.....
18:20
Entweder sind die beiden Studentinnen Vegetarier oder ernähren sich von Fast-Food. Chicken-Nuggets haben ja mit einem toten Huhn nichts mehr zu tun, oder???