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Bill Wyman kann es immer noch!

11.10.2012 | 18:17 Uhr
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Bill Wyman kann es immer noch!
Am Dienstag den 19.01 tritt der ehemalige Gittarist der Roling Stones Bill Wyman im Düsseldorfer Savoy auf. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPoolFoto: KITSCHENBERG, Kai

Düsseldorf. Der ehemalige Rolling Stones-Gitarrist Bill Wyman und seine Rhythm Kings coverten im ausverkauften Savoy Klassiker - und sich selbst.

Was kann ein armer Junge schon tun außer in einer Rock´n´ Roll Band singen“, konstatierten die Rolling Stones 1968. Bill Wyman spielte den Bass, aber für ihn stellte sich 1992 die Frage: Was kann ein reicher Mann machen, wenn er keine Lust mehr hat, in der größten Rock Band aller Zeiten zu spielen?

Skurrile Ansagen

Seine Antwort: Er sucht sich ein paar alte Kumpel und spielt mit ihnen die Musik, die es vor den Stones gegeben hat. Mit diesem Auftrag kamen die von ihm ins Leben gerufenen Rhythm Kings ins ausverkaufte Savoy Theater. Über zwei Stunden lang stöberten sie in den schon leicht verstaubten Regalen mit Chicago Blues, Cajun, Pop und Soul und polierten die Fundstücke mit Können, Spielfreude und einer gehörigen Portion Selbstironie auf. Dazu gehören auch ein paar Schlüpfrigkeiten. „Ihr habt es doch sicherlich auch schon mal die ganze Nacht getan?“, zwinkert der 76-jährige Wyman dem Publikum vor „All Night Long“ zu.

Für Glamour ist die attraktive Soulsängerin Beverly Skeete zuständig, die eine intensive Version von „It´s a Man´s World“ liefert. An der Hammondorgel sitzt Georgie Fame (69). Er mag etwas gebrechlich aussehen, aber seine Stimme hat nichts von ihrem Biss verloren, wie er bei „Hit the Road, Jack“ beweist.

Als besonderer Kauz erweist sich der Waliser Pianist Geraint Watkins, er punktet mit skurrilen Ansagen und kann in seiner Vita die Zusammenarbeit mit Bob Dylan und Nick Lowe vorweisen. Dylan´ s „I´l be you Baby tonight“ wird bei ihm zur kuscheligen Bettgeschichte. Und Drummer Graham Broad tobt sich am Schlagzeug aus. Aber er ist ja auch erst 54. So geht es durch die Geschichte der frühen Popmusik, die letzten Endes immer noch vom Blues gespeist wurde.

Die Reise führt über New Orleans, wo die Regentropfen die Tränen überdecken, über Chicago nach New York. Da wird schwungvoll Referenz erwiesen, nur einen, den mag Bill Wyman gar nicht. „He was a nasty piece of work“, sagt er über Chuck Berry, ein echter Stinkstiefel sei das gewesen.

Das hindert die Band aber nicht daran, eine schwungvolle Version von „You Never Can Tell“ zu spielen. Zu dem Song tanzten auch Uma Thurman und John Travolta in „Pulp Fiction. Ganz besonders gelingt Georgie Fame „Three Cool Cats“, ein Calypso(einst auch von den Beatles gespielt), bei dem die Saxophonisten Nick Payn und Frank Mead Show machen. Mit Gitarrist Terry Taylor komplettiert sich diese Coverband de luxe.

Stehende Ovationen

Derweil steht Wyman schmunzelnd im Zentrum des Senioren-Sturms. Schließlich holt er sich selbst ein, wenn die Rhythm Kings frühe R´n´B Hits wie „Route 66“ spielen. Die fanden sich auch im frühen Repertoire seiner alten Band wieder.

Und als die neue Band „Honky Tonk Women“ spielt, klingt es dank Skeete fast so wie die Rolling Stones. Wenn da nicht Bill singen würde. Stehende Ovationen für ein Konzert, bei dem die Alten zeigen, dass sie es immer noch können. Den ganzen Abend lang.

Thomas Hag

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