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Quadriennale

Big Lebowski als Fotograf

13.08.2010 | 17:46 Uhr
Big Lebowski als Fotograf
Jeff Bridges bei der Oscar-Verleihung.

Düsseldorf.Er war Big Lebowski, König der Fischer und ein fabelhafter Baker Boy. Zuletzt wurde Jeff Bridges in diesem Jahr für seine Rolle als abgehalfteter Country-Sänger in „Crazy Heart“ mit Oscar und Golden Globe geehrt.

Was viele nicht wissen: Zu Dreharbeiten nahm der Hollywood-Schauspieler seine Panorama-Kamera mit und fotografierte am Set. 2003 kam mit „Pictures“ ein Band mit Schwarzweißaufnahmen heraus. Jetzt ist eine Auswahl erstmals in Düsseldorf zu sehen - in der Galerie Bugdahn und Kaimer, die so Filmfans ein Highlight der Quadriennale beschert. 30 Galerien beteiligen sich am Kunstfest und eröffnen am Abend des 3. September parallel Ausstellungen. Deutschlandpremieren überall.

18 Nationen sind vertreten, darunter China, Frankreich, Italien und die USA. Die meisten Künstler waren noch nie in Deutschland zu sehen. Während also die großen Museen Kultfiguren wie Joseph Beuys, Nam June Paik und den Fotostars der 80er Ausstellungen widmen (und so den Blick auf die 60er, 70er, 80er Jahre lenken), setzen die kleinen Häuser auf die Gegenwart, gemäß dem Festival-Motto „Kunstgegenwärtig“.

Da ist etwa der chinesische Maler und Installationskünstler Yang Jiechang. Der mehrfache Biennale-Teilnehmer, 1956 in Südchina geboren, arbeitet mit traditionellen chinesischen Techniken und Materialien. Und er ist fasziniert vom Tao. Bekannt wurde er durch große spirituelle Tuschebilder, die er Ende der 80er im Pariser Centre Pompidou ausstellte. In Düsseldorf bei Conrads präsentiert Jiechang Video, neue Bilder und eine raumfüllende Installation, die im vorigen Jahr auf der Biennale von Lyon für Aufsehen sorgte.

Surreale Skulpturen und Zeichnungen zeigt der Belgier Michael Aerts bei Clara Maria Sels. Der griechische Künstler Aspassio Haronitaki bringt frisch gemalten „Brain Stuff“ zu Beck und Eggeling. Sies & Höke stellen die Bilder des britischen Malers Sam Windett vor. Gmyrek präsentiert den polnischen Kollegen Bartek Materka, Ute Parduhn den Kubaner Tony Labat. Und die Galerie Springmann widmet dem öffentlichkeitsscheuen Franzosen JR eine Ausstellung - dem weltweit populärsten Streetartisten.

Nächtliche Aktionen

Der aus Frankreich stammende 26-jährige Foto- und Graffiti-Künstler platziert seine gigantischen Fotoarbeiten im Straßenraum, darunter Mega-Porträts, die Werbeposter karikieren. Seit 2004 fotografiert JR weltweit Menschen und klebt seine Artworks an die Wände. Bei Springmann dreht sich alles um JRs Buch „28 millimètres“, das Aktionen in Paris, Afrika, Brasilien und Indien dokumentiert. Vor einigen Jahren machte sich JR nachts heimlich in Wuppertal zu schaffen. Er sprühte Bilder an Hauswände, baute Skulpturen in Parks, klebte Plakate mit Fotos ahnungsloser Schwebebahnpassagiere...

Bei Strelow ist der Portugiese Rui Ignácio zu Gast. Hans Mayer überlässt dem Landsmann Nuno Sousa Vieira seine Räume. Und Fischer hat den 1978 geborenen Fotografen Jürgen Staack eingeladen, der mit Polaroids das eigene Genre hinterfragt. Bekannt wurde er durch Aktionen wie diese: Staack fotografierte eine Reihe Ausländer und ließ das Polaroid von ihnen in ihrer Muttersprache beschreiben. Anschließend übermalte er die Fotos schwarz. Im Idealfall sollte der Text unverständlich sein, damit sich der Betrachter ganz auf den Klang der beschreibenden Stimme konzentrieren kann. Fertig ist das Klang-Bild, und der Fotograf ist überflüssig.

Petra Kuiper

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