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Gericht

Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker

31.08.2012 | 07:00 Uhr
Eher zufällig entdeckte die Polizei am 14. März bei einer Razzia gegen den Rockerclub "Clan 81" diese Hanfplantage in einem Bunker in Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Die drei vietnamesischen Erntehelfer, die im März bei einer Razzia gegen den Rockerclub "Clan 81" auf einer versteckten Hanfplantage festgenommen wurden, müssen nichts ins Gefängnis. Vor Gericht schilderten sie, wie sie angeworben und ausgenommen wurden.

Sie lebten zu Hause in so ärmlichen Verhältnissen, dass sie viel Geld für die Reise ins Ausland zahlten. Ihr Leben als illegale Einwanderer in Deutschland führte die drei Vietnamesen in den Bunker an der Heyestraße. Hier waren sie eingesperrt, um eine riesige Hasch-Plantage zu pflegen. Am Donnerstag fällte das Düsseldorfer Landgericht die Urteile gegen die Erntehelfer. Sie kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Ins Gefängnis muss dagegen der junge Mann (29), der den Eingesperrten im Auftrag der Hintermänner Essen brachte und auch bei der Ernte geholfen hat. Er ist gebürtiger Vietnamese, wuchs aber als Flüchtling in bürgerlichen Verhältnissen in den Niederlanden auf.

Über Russland, Polen, Berlin und Holland nach Düsseldorf

Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Haft wegen Beihilfe zum Drogenhandel. Die anderen drei erhielten je 21 Monate auf Bewährung. Auflage für sie: sich unverzüglich bei der Ausländerbehörde zu melden. Die wird dann wohl die Abschiebung organisieren. Die drei beteuerten, dass sie auch zurück nach Vietnam und zu ihren Familien wollen.

Video
Soldaten entdeckten die wohl größte Marihuana-Plantage in der Geschichte Mexikos.

Die milden Strafen für die drei Erntehelfer vergab das Gericht, weil sie der Polizei alles sagten, was sie wussten, so bei der Aufklärung halfen. Auch im Prozess schilderten sie, wie sie angeworben wurden. Die Frau (44) und ein Mann (43) hatten nach ihrer Reise über Russland und Polen erst in Berlin illegal Zigaretten verkauft, als ihnen der vermeintlich bessere Job auf der Plantage angeboten wurde. Sie wurden erst in die Niederlande, von dort nach Düsseldorf gebracht.

Kein Tageslicht und verschlossene Türen

Der dritte Erntehelfer (29), zufällig ein Neffe des 43-Jährigen, war von Schleusern bis nach Polen gebracht, dort in ein Taxi gesetzt worden. Als er an der angegebenen Adresse in Berlin keine Hilfe bekam, wandte er sich an den nächsten Imbiss und traf dort die Hintermänner der Plantage. Sie brachten ihn direkt nach Düsseldorf.

Die beiden älteren lebten bereits fünf Monate in dem Bunker, als er eintraf. Auch er musste auf einer Matratze schlafen, sah nie Tageslicht, die Türen waren verschlossen. Essen erhielten sie von außen, vom vierten Angeklagten und vom Besitzer des Bunkers, der an den kriminellen Mietern gut verdient haben soll.

Die größte je in NRW gefundene Plantage

Die Polizei hat sie rein zufällig entdeckt, als sie bei einer Großrazzia in der Rocker-Szene auch das Lokal „Red Pearl“ im Erdgeschoss des Bunkers durchsuchte. Anschließend inspizierte sie den restlichen Bunker, stieß auf den beiden oberen Etagen auf die professionelle Anlage. Nach einem Experten-Gutachten wurden hier alle vier Monate 220 Kilo Marihuana geerntet. Sie ist damit die größte je in NRW gefundene Plantage.

Katharina Rüth



Kommentare
02.09.2012
10:41
Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von bernieabg | #7

Na, da wird sich die Agentur für Arbeit aber denken:"Prima,da sind ein paar Stellen als Erntehelfer frei geworden!", und sogleich beginnen H4er dahin zu "vermitteln".
Wer die Stelle wegen eventueller juristischer Bedenken nicht antritt, bekommt halt die Hilfe zum Lebensunterhalt gestrichen.

02.09.2012
07:54
Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von industriee | #6

Reiner Zufall das mit der HA Kneipe im Bunker. So wie die Geschichte mit dem Treffen der "Hintermänner" an der Pommes Bude in Berlin. Und was ist eigentlich mit denen? Wurden nie ermittelt und bleiben unbehelligt? Und der Vermieter bekommt eine Geldstrafe... 3 Jahre wegen Beihilfe zur Sklaverei und Drogenanbau, lächerlich. Eine deutschen Rentnerin die für Peanuts Drogen transportiert aus Armut heraus bekommt 5 Jahre.
Die Opfer dieser Machenschaften werden als Kriminelle verurteilt und gebranntmarkt. Kann mir vorstellen das sie in Vietnam ein hartes Schicksal erwartet. Großartige Leistung der Justiz.

01.09.2012
01:00
Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von Marxururenkel | #5

"Rocker" das sind immer noch Geschöpfe aus einer anderen Welt. Eine andere Kultur und damit verbunden die entsprechenden unterstellten Rituale. Solche Leute generieren bei der Leserschaft Neugier, Sensationsgeilheit. Weil es ein paar kriminelle Rocker gibt werden sie immer wieder ins Feld geführt. Das ist niederster BILD-Journalismus. Der Appell an die niedersten Instinkte. Ist es ein Problem anzuerkennen, dass es Rocker gibt, die sind wie Du und ich? Und das Biker nicht per se Rocker sind? Hört bitte auf, Randgruppen über zu bewerten!

31.08.2012
16:47
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

31.08.2012
14:35
wie oft muß ich es noch sagen?
von Bahnhofsjunge | #3

Gras baut man IM FREIEN an! z.B. an Bahnböschungen. Da kann man nicht belangt werden und außerdem kriegen die Pflanzen erheblich mehr Licht.

4 Antworten
Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von Talentfoerderer | #3-1

Die romantische Vorstellung eines Althippies ;)

Mit der trockenden deutschen Hecke, die man draußen ranziehen kann, ist dieses Gras, das unter professionellsten Bedingungen herangezüchtet wird, nicht im Ansatz zu vergleichen...

Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von Randnotiz | #3-2

Dank moderner Licht- und Bewässerungsanlagen baut sich das Gras in Gebäuden viel besser an und man erhält mehr Licht und dadurch eine höhere THC Konzentration als im Freien.
Und belangt werden, kann man auch für den Anbau im Freien....
Wenn man keine Ahnung hat....

Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von Bahnhofsmaedchen | #3-3

1. Althippie - ja.
2. romantische Vorstellung - nein, sondern eigene Praxis.
3. mein Gras war immer bestens.
4. belangen - wofür? Man kann immer sagen: hab ich gefunden. Außerdem: welcher Bulle durchsucht verlassene Bahndämme nach pflanzenden oder erntenden Althippies? Eine Wohnungsdurchsuchung ist da viel wahrscheinlicher.

Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von Bahnhofsmaedchen | #3-4

5. mehr Licht im Zimmer ist Blödsinn. Das Tageslicht im Freien ist 100-1000 mal so hell, wie eine durchschnittliche Bürobeleuchtung. Das merkt kaum einer, weil sich die Augen so gut anpassen können. Da müsste man so viele Lampen betreiben, daß der Gewinn von den Energiekosten vollständig aufgefressen wird.

31.08.2012
12:34
Wo bleibt der journalistische Anspruch?
von BananenrepublikBRD | #2

"Eigentlich suchten die Beamten da Beweise gegen Rocker der Hells Angels. Die Kneipe „Red Pearl“, die damals im Bunker geöffnet war, galt als ihr Treffpunkt. Doch zwei Etagen über dem Rocker-Treff entdeckten die Polizisten die größte Haschisch-Plantage Nordrhein-Westfalens.

Mit der haben die Rocker laut Ermittlungen der Polizei aber nichts zu tun. In neun Räumen auf zwei Etagen wurden bei der Razzia 2889 Pflanzen entdeckt. Insgesamt 53 Kilo Marihuana lagen zum Trocknen aus. Pro Monat war damit ein Erlös von 100.000 Euro zu erzielen."

Quelle: Express.de / Polizei Köln (Pressemeldungen)

31.08.2012
12:33
Wo bleibt der journalistische Anspruch?
von BananenrepublikBRD | #1

Sehr geehrte Frau Rüth, wieso schreiben Sie nicht dazu, dass die Plantage keinerlei Bezug zu den Rockern hatte? Oder passt das gerade so schön ins Bild und generiert mehr Klicks? Ich denke, Ihre Zeitung möchte sich nach wie vor vom Boulevard absetzen, aber so klappt das auf jeden Fall nicht...

1 Antwort
Bewährungsstrafen für vietnamesische Gärtnersklaven aus dem Rocker-Bunker
von aoc | #1-1

Es ist halt eine Frage der Beweisbarkeit. In diesem Fall leider. Ob sie nun für dieses Drogengeschäft einwandern oder für ein anderes ist letztendlich dann auch egal.

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