Bewährung für jugendlichen Trickdieb

Mit einem Geständnis und einer Geschichte über seine angeblich querschnittsgelähmte Großmutter hat ein 14-jähriger Trickdieb aus Rumänen gestern beim Amtsgericht eine milde Bestrafung erreicht. Laut Anklage hatte er in 22 Fällen Rentnerinnen in Bankvorräumen aufgelauert, sie am Geldautomaten abgelenkt und ihnen insgesamt 9500 Euro gestohlen. Mit dem Geld, so der Angeklagte, habe er die schwer kranke Oma unterstützt. Da die Seniorin nun wieder nach Rumänien zurückgekehrt sei, habe er großes Heimweh und wolle ihr nachreisen. Mit einer Bewährungsstrafe gab das Jugendgericht ihm die Chance dazu.

Mit Rücksicht auf das Alter des Trickdiebes und weil im Jugendrecht nicht die Bestrafung im Vordergrund steht, sondern die Erziehung von jugendlichen Tätern, waren keine Zuschauer zum Prozess zugelassen. Bekannt wurde anschließend nur, dass der Junge sich gezielt Opfer ausgesucht hatte, die bis zu 80 Jahre alt waren. Obwohl er nicht lesen und nicht schreiben kann, habe er die Opfer mit einer vorgehaltenen Zeitung am Geldautomaten abgelenkt. Dazu habe er extra gewartet, bis die Frauen ihre Bankkarte eingeführt und auch schon ihre Pin-Nummer eingetippt hatten. Unter der vorgehaltenen Zeitung habe er dann heimlich einen Betrag von 500 Euro eingetippt, das Geld an sich genommen – und sei geflüchtet. Erst durch Fotos kam die Polizei dem 14-Jährigen auf die Spur.

Er gab bei der Festnahme an, seine Mutter habe ihn einst bei der Oma zurückgelassen, als er gerade vier Jahre alt war. Mit sieben Jahren habe er dann erfahren, dass die Mutter bei einem Unfall gestorben sei. Mit der Oma sei er 2013 zwar nach Deutschland gekommen, aber hier sei die Großmutter schwer erkrankt. Um für sie das Geld für die Klinik und ihre Behandlung zu beschaffen, habe er andere, fremde Seniorinnen bestohlen. Das tue ihm jetzt sehr leid. Mit 13 Monaten Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, ließ das Amtsgericht den Angeklagten ziehen.