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Urteil

Bewährung für den falschen Piloten - Verurteilter muss Therapie machen

03.07.2012 | 17:33 Uhr
Bewährung für den falschen Piloten - Verurteilter muss Therapie machen
Foto: ARD Degeto

Düsseldorf.   „Jetzt ist es vorbei mit der großen Welt“, hielt die Richterin den 24-Jährigen vor, der als falscher Pilot herumspaziert, Taxi gefahren war und getankt hatte. Sie verurteilte ihn zu einem Jahr auf Bewährung, ging von verminderter Schuldfähigkeit aus. Er muss nun eine Therapie machen.

Vielleicht hat ihn der Film „Catch me if you can“ inspiriert: Wie Leonardo DiCaprio als Frank Abignale nutzte der 24-Jährige die Wirkung der smarten Uniform. Angeblich begann es im Internet, wo er Frauen als Pilot beeindruckte. Dann besorgte er sich die passende Kleidung. Die Menschen hätten ihn darin mit viel Respekt behandelt, sagte er.

Den nutzte er auch für Betrugstaten: Er ließ sich als Pilot im Taxi nach Frankfurt und zurück fahren, prellte die Fahrer um über 1000 Euro. Beim Tanken in Uniform ließ er bei einer Fluglinie anschreiben, ebenfalls für über 1000 Euro. Die über 5 500 Euro teure Uniform hatte er auch nicht bezahlt. Und einmal betrat er trotz Hausverbots den Flughafen, ließ sich scheinbar ohnmächtig fallen, nur um einigen Flugbegleiterinnen aufzufallen. Die holten den Notarzt.

Großer Geltungsdrang

Pilot zu werden, sei sein Lebenstraum gewesen, hatte der Angeklagte erklärt, ein pummeliger junger Mann im Anzug mit akkurat gelegtem Haar. Als der Traum platzte – weil sein Vater kein Geld mehr hatte – habe er sich als Pilot ausgegeben.

Einem Gutachter hat er erzählt, dass er schon als Schüler Anzug trug, um sich von den Mitschülern abzugrenzen, die ihn mobbten. Der Gutachter bescheinigte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung mit großem Geltungsdrang, ein „Felix-Krull-Syndrom“. Er empfahl eine tiefenpsychologische Therapie.

Der Angeklagte, der sich in Düsseldorf vor Gericht verantworten musste, beteuerte, seit längerem nichts Strafbares mehr getan zu haben. Dass er sich im Internet einen Ehrendoktortitel und einen Adelsnamen kaufte, sei ja nicht strafbar. Auch sonst sei er solide geworden: Er arbeite als Flugbegleiter einer kleinen Fluglinie, hatte er am ersten Prozesstag erklärt.

Als Flugbegleiter abgelehnt

Doch das war eine Luftnummer. Den verlangten Beleg hatte er nicht. Er hatte sich zwar als Flugbegleiter beworben, war aber abgelehnt worden. Sein Anwalt erklärte zudem, noch mehr Angaben seien falsch gewesen. Schon das Abitur fehle. Bei der Lateinprüfung hatte er eine Ohnmacht vorgetäuscht, die Nachprüfung geschwänzt. Wahr aber sei, dass er die Schäden bereinige. Das Geld laufe über das Konto seiner Kanzlei.

Die Staatsanwältin hielt den jungen Mann für unverbesserlich. Er habe ein „ganz beharrliches Verhalten“ gezeigt, müsse ein Jahr ins Gefängnis. Der Verteidiger hielt dagegen: „Er ist kein Straftäter, sondern ein Mensch mit einer schweren Persönlichkeitsstörung.“ Der Angeklagte versicherte: „Ich bemühe mich, dass so etwas nicht mehr vorkommt.“ Dazu zwingt ihn jetzt die Auflage der Therapie. Absolviert er sie nicht, muss er in Haft.

Von Katharina Rüth

Kommentare
04.07.2012
09:54
Bewährung für den falschen Piloten - Verurteilter muss Therapie machen
von bernieabg | #2

Tja, hätte er sich als Top-Banker ausgegeben wäre zumindest frei Essen und Saufen im Kanzleramt dringewesen.

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2012-07-03 17:33
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