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Urteil

Bewährung für brutalen Türsteher

14.11.2012 | 10:00 Uhr
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Bewährung für brutalen Türsteher

Düsseldorf. Der 26-Jährige ist das, was man eine „Kante“ nennt – auch wenn er gestern seine breite Brust in ein biederes weißes Hemd verpackt hatte. Auch ansonsten buk er kleine Brötchen. Und gab zu, dass er als Türsteher in zwei Altstadt-Diskos mehrfach „übers Ziel hinausgeschossen“ ist. Wegen drei gewalttätiger Übergriffe stand er gestern vor dem Amtsgericht, wurde zu anderthalb Jahren auf Bewährung verurteilt.

„Ich bekenne mich schuldig“, sagte er – nachdem seine Anwältin in einem Rechtsgespräch lange mit Gericht und Staatsanwältin verhandelt hatte. Danach räumte er ein, dass er im Juni 2011 einem 22-Jährigen das Glas in der Hand zerdrückte, ihn im Schwitzkasten zur Treppe zerrte und hinabstürzte. Unten war der betrunkene Gast mit einer gebrochenen Rippe liegen geblieben.

Einen Monat später hatte der Türsteher zwei aggressive Gäste getrennt, danach aber den einen niedergeschlagen und an den Füßen aus dem Lokal gezogen. Draußen hatte er den jungen Mann erneut geschlagen. Und im Februar hatte er eine junge Frau aus der Disko getragen, sie draußen einfach fallen lassen. Als der Freund der Frau ihn ansprach, boxte er ihn ins Gesicht.

Die Richterin hielt ihm vor: „Sie sind als Türsteher dort, um zu deeskalieren, nicht um selber zu schlagen!“ Sein Job erfordere Zurückhaltung, aber die habe er wohl verloren. Er könne froh sein, dass der Treppensturz keine schlimmeren Folgen hatte. Drei Vorstrafen hat der Angeklagte wegen Körperverletzung, aber nur Geldstrafen. Daher wurde die aktuelle Strafe noch zur Bewährung ausgesetzt. Er muss ein Anti-Aggressions-Training machen, dem 22-Jährigen 1000 Euro, weitere 1000 Euro an die Opfer-Organisation Weißer Ring zahlen. Und er darf in der vierjährigen Bewährungszeit nicht mehr als Türsteher arbeiten.

Das beruhigt die jungen Leute, die ihn erlebten, wenig. Seit dem Vorfall seien sie sehr empfindlich, sagten zwei Bekannte des 22-Jährigen, der die Treppe herabgestürzt ist. „Der war eiskalt und brutal!“, so eine 20-Jährige. Und für ihre Freundin (21) ist die Disko jetzt kein Ziel mehr: „Ich geh’ da nie wieder hin.“

Katharina Rüth

Kommentare
14.11.2012
13:29
Bewährung für brutalen Türsteher
von staedter | #1

Dieses Urteil ist ein Witz und zeigt, wie wenig die körperliche Unversehrheit in der deutschen Rechtsprechung wert ist.
Vergleicht man diese Wiederholungstat und die Bewährungsstrafe beispielsweise mit dem Urteil im Fall des Fußballschiedsrichter Hoyzer, so drängt sich wirklich die Frage auf, ob unsere Gerichte Körperverletzung als Kavaliersdelikt ahnden oder ob unsere Gesetze zu lasch sind.
Wenn sich die in dem Artikel geschilderten Straftaten wirklich so zugetragen haben, kann ich die Bewährungsstrafe nicht verstehen.
Für verpfiffene Fußballspiele gibt es eine Haftstrafe, für eine wiederholte schwere Körperverletzung lediglich Bewährung !
Aber der Schläger hatte wahrscheinlich eine schwere Kindheit, das rechtfertigt natürlich alles !

1 Antwort
Bewährung für brutalen Türsteher
von wolla | #1-1

Dieses Urteil ist unfassbar. Was denken sich unsere Richter dabei, mit Gewalttätern umzugehen wie mit harmlosen Kuscheltieren.
Ich schäme mich schon seit langen für unsere weichgespülte Justiz.
Leute passt auf, daß nicht eines Tages der Kessel explodiert und wieder ein schlimmer "starker Mann" die Dinge regelt. Schuld daran wären auch solche Richterinnen.

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