Beuys’ „Blitzschlag“ im K20 mühsam aufgebaut
16.08.2010 | 19:49 Uhr 2010-08-16T19:49:00+0200
Düsseldorf. Die gewaltige Installation „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“ ist eines von etwa 300 Werken Joseph Beuys’, die die Kunstsammlung NRW zur Ausstellung „Parallelprozesse“, zur zweiten Quadriennale ab 10. September ausbreitet.
Die Atmosphäre ist spannungsgeladen. Gilt es doch, den „Blitzschlag“ von Joseph Beuys aus dem Guggenheim Museum in Bilbao am Rhein neu zu installieren . Eine Millimeterarbeit für die demnächst beginnende zweite Düsseldorfer Quadriennale .
Mit Kettenrasseln, Arbeitshandschuhen und viel Fingerspitzengefühl geht es in der Kunstsammlung NRW zur Sache. Wahrlich kein leichtes, sondern ein von Statikern penibel ausgeklügeltes Spiel - bei einem Bronzegewicht von 945 Kilogramm. Nur an einer Stelle soll und darf das an erstarrte Lava erinnernde, an einem Stahlträger in 7,47 Metern Höhe hängende riesige Dreieck, leichte Erdberührung haben...
Zwischen Werkstatt und Andachtsraum changierte der Schaubereich der Kunstsammlung, beim Aufbau der Leihgabe aus dem Guggenheim Museum in Bilbao.
Geist trifft Materie
Die Installation „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“ ist eine der wichtigen, aus 39 Elementen bestehende große Rauminstallation von insgesamt rund 300 Beuys-Arbeiten, die die Landesgalerie auf knapp 3000 Quadratmetern zur Quadriennale ab 10. September ausbreiten wird: „Parallelprozesse“.
Und natürlich ist die Museums-Chefin selbst vor Ort, um mit den Experten die Einrichtung der einzelnen, zwischen 1958 und 1985 entstandenen Elemente bis ins Detail zu überwachen. „Ein fundamental wichtiges Werk“, sagt Marion Ackermann. Es bringe auf poetische Weise den Gegensatz von Materie und Geist zum Ausdruck.
Und es ist auch ein konkretes Beispiel für die zuvor im Schmela-Haus theoretisch geführten Diskussionen, dass Beuys auszustellen, eine Herausforderung ist. Schließllich hat der Künstler selbst das Environment so komplett wie die Kunstsammlung es zeigt, nie selbst installiert.
Spielraum
Nur den „Blitz“, jenes von der Oberfläche eines Lehmberges abgeformte, in Bronze gegossene Dreieck, richtete der Meister des erweiterten Kunstbegriffs noch kurz vor seinem Tod 1985 selbst in London ein. Wie also Beuys ausstellen, wenn keine gesicherten Konstellationsvorgaben existieren, das Mögliche aber nichts mit dem Beliebigen gemein hat.
Bereits 1958 entstand der aus glänzendem Aluminium geformte Hirsch. Bei ihm sind sich die Kuratoren offenbar einig, dass sein „Kopf“ in Richtung Blitz zeigen soll. Auch die Ziege (aus Lore und Spitzhacke) und die Kompass-Figur sollen in unmittelbarer Nachbarschaft postiert werden. Die seltsamen 35 Urtiere aber, amorphe Klumpen aus denen Zangen, Meißel oder Punzen hervorlugen, lassen Marion Ackermann verschiedene Installationsvarianten. Anordnungs-Spielraum, den die Direktorin gestern Nachmittag auskostete.
„Wir arbeiten mit Brechtscher Desillusionierung“, betont Marion Ackermann. So ist der Stahlträger, an dem der Blitz hängt, nicht etwa - wie in Frankfurt - fest in die Museumswände eingelassen. Auf eigens in der großen Halle gezogenen und extra verstärkten Wänden liegt der Düsseldorfer Träger nur auf. Freilich ohne deshalb ein unsicherer Kandidat zu sein!
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