Beton-Fresser bricht und produziert A-52-Fahrbahn
26.07.2010 | 17:55 Uhr 2010-07-26T17:55:00+0200
Düsseldorf.Beton-Recycling auf der Großbaustelle: Auf dem Nördlichen Zubringer zur Autobahn 52 zermalmt eine neue Maschinen 150 Tonnen Beton stündlich. Noch während der Fahrt macht der „Kaltrecycler“ daraus eine neue Fahrbahndecke.
Was für eine Kraft steckt in dieser Maschine! Wo sie lang fährt, bricht jeder Beton. Bis zu 150 Tonnen werden pro Stunde zermalmt, in einen Tank befördert - und gleich wieder mit Zugabe von Wasser, Zement und Bitumen als neuer Beton auf die Straße ausgegossen und platt gewalzt. Fertig ist die 20 Zentimeter dicke Tragschicht für die kaputte Fahrspur. Eine mobile Betonfabrik mit Fräse und Walze. So funktioniert heute Straßenbau im vollautomatischen Schnell-Laufgang! Zum ersten Mal ist dieser Koloss in Düsseldorf im Einsatz - auf dem Nördlichen Zubringer zur A 52.
Abteilungsleiter Rolf Sander, im Amt für Verkehrsmanagement zuständig für den Straßenbau in Düsseldorf, hat diesen 77 Tonnen schweren „Kaltrecycler WR4200“ beim Hersteller Wirtgen Windhagen geordert, um das Nadelöhr am Mörsenbroicher Ei so schnell wie möglich wieder zu beseitigen.
Es ist die größte Sommerferien-Baustelle in diesem Jahr. Der Nördliche Zubringer mit seinen 1100 Meter langen Spuren muss dringend saniert werden. Der Asphalt ist hinüber, die Spurrillen werden immer tiefer. Seit einer Woche ist der Zubringer Richtung Essen voll gesperrt. Die Bauarbeiten würden normalerweise ein halbes Jahr dauern. Eine derart lange Sperrung am Mörsenbroicher Ei würde allerdings ein Verkehrschaos auslösen.
Weltweit nur zwölf Modelle
Vor allem deshalb wird hier der seltene Kaltrecycler eingesetzt, von dem es in Deutschland nur vier, weltweit gar nur zwölf Modelle gibt. Mit Hilfe dieses 15 Meter langen Spezialfahrzeugs will man bereits bis zum Ende der Sommerferien fertig sein. „Diese Maschine erledigt drei Arbeitsgänge in einem. Deshalb ist sie so schnell“, erklärt Rolf Sander. Sie fräst beim Fahren die alte Beton-Tragschicht ab, vermischt in ihrem großen Tank den Schutt mit Zement und Bitumen und verteilt den so entstandenen neuen Beton sofort wieder auf die Straße.
Nach bisher üblichen Verfahren wird bei der Straßen-Sanierung der abgetragene Schutt mühselig auf Transporter geladen und zur Baumisch-Anlage in den Hafen gefahren. „Da wären viele Lkw-Fahrten durch die Innenstadt nötig gewesen“, so Sander. Doch mit dem neuen Baugerät wird der Schutt an Ort und Stelle aufbereitet. Sander: „Damit sparen wir viel Zeit und auch Geld.“ Die Sanierungskosten verringern sich um einige 10.000 Euro. Insgesamt werden am Nördlichen Zubringer drei Millionen Euro in die Straßenreparatur und Signalanlagen investiert.
Am Montag hätte die Maschine ihre ersten tausend Meter für eine Fahrspur zurückgelegt. So schnell ist sie in zwölf Stunden. Doch ein Sturzregen legte den Giganten lahm. Wenn die Straße zu nass ist, lässt sich die nötige Wasserzufuhr für den neuen Beton nicht mehr exakt brechen. Das kann verheerende Folgen haben: Bei zu viel Wasser wird der Beton nicht fest genug, bei zu wenig Wasser bindet er nicht richtig. Also ist die Premiere erst am Dienstag. Bis Mittwoch bleibt der Kaltrecyler im Einsatz, im August kehrt er für zwei Tage zurück, um die Gegenfahrbahnen zu schreddern.
Sperrung bis 29. August
Am Ende werden 31.550 Quadratmeter erneuert sein. Als oberste Schicht wird wieder „Flüsterasphalt“ aufgetragen, der die Rollgeräusche der Autos deutlich reduziert.
Seit Beginn der Bauarbeiten gab es nur auf den Umleitungsstrecken Staus. Sander: „Das waren wohl erste Irritationen. Diesen Montag hatten wir keinen Stau mehr.“
Der Nördliche Zubringer Richtung Essen bleibt bis zum 29. August gesperrt. Eine Zufahrt auf die A52 ist erst an der Theodorstraße über die Auffahrt Rath möglich. Umleitungen über A 44 und A 3 sind ausgeschildert.
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