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Berufskolleg von Polizei geräumt

08.02.2011 | 18:10 Uhr
Berufskolleg von Polizei geräumt
Auch schwer bewaffnete SEK-Kräfte sicherten das Schulgebäude am Fürstenwall Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf.Mit einem Großaufgebot räumte die Polizei heute die Albrecht-Dürer-Kollegschule am Fürstenwall in Bilk, nachdem ein Schüler einen Fremden im Treppenhaus gesehen haben will, der möglicherweise eine Schusswaffe bei sich getragen haben könnte.

Albrecht-Dürer-Schule in Düsseldorf nach Alarm geräumt. Foto: dapd

Die Evakuierung dauerte zwar über Stunden, verlief aber ohne den kleinsten Zwischenfall. Die rund 800 Schüler verhielten sich auffällig ruhig und diszipliniert. Es gab keinerlei Panik. Nach fast vier Stunden gab der Einsatzleiter Entwarnung. Eine verdächtige Person wurde nicht gefunden. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine konkrete Gefahr für die Schüler“, teilt Polizeisprecher André Hartwich mit.

Das Verhalten des einzigen Zeugen, der letztlich den Einsatz von 120 Polizisten und schwer bewaffneten SEK-Kräften ausgelöst hatte, bezeichnete das Präsidium später als völlig richtig. Der 21-jährige Schüler hatte gegen 11.58 Uhr eine „schulfremde, verdächtige Person“ im Treppenhaus gesehen: jung, mit knielangem Mantel, langen zum Zopf gebundenen Haaren und dunklen Stiefeln. Der Zeuge will auch einen waffenähnlichen Gegenstand gesehen haben - und teilte seine Beobachtungen sofort dem Sekretariat mit, das unverzüglich die Polizei informierte.

Der Einsatzleiter und der Schulrektor waren sich schnell einig, auf Nummer sicher zu gehen. Über einen Geheimcode erfuhren die Lehrer, dass ein Sicherheitsplan aktiviert wurde, um die Schüler geordnet, vor allem gefahrlos ins Freie zu bringen. In solchen Fällen müssen die Schüler erstmal unter Aufsicht ihrer Lehrer in den 60 Klassen bleiben, während die Polizei die Flure und Ausgänge sichert. Erst dann wird nach Absprache eine Klasse nach der anderen von Mitgliedern der Einsatzhundertschaft und des Spezialeinsatzkommandos nach draußen begleitet.

Foto: dapd

Heute zeigte sich zumindest, dass die Schüler vorbildlich mitmachten - und offensichtlich die meisten Jugendlichen auch keine Ängste hatten. Insofern scheint das Konzept der Schule und der Polizei, das bereits bei „abstrakten Gefährdungslagen“ angewendet wird, gut zu funktionieren.

Der Zeuge machte „einen glaubwürdigen Eindruck“, erklärt Polizeisprecher Andre Hartwich. Seine Aussagen werden weiter überprüft. Die Ermittlungen dauern an.

Michael Mücke

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09.02.2011
16:51
Berufskolleg von Polizei geräumt
von green_beret | #1

Sicherheitsbehörden und Einsatzplaner haben ein nachvollziehbares Interesse am Gelingen eines medienwirksamen Großeinsatzes der Polizei. Ein positives Presseecho schafft gute Voraussetzungen für die Akzeptanz künftiger Einsätze. Nebenbei ergibt sich noch eine gute Trainingsmöglichkeit für die Spezialeinsatzkräfte unter realen Bedingungen und eine Gelegenheit, ein umstrittenes Einsatzkonzept auf Herz und Nieren zu testen.
Was aber ist zu tun, wenn der Ernstfall zu lange auf sich warten lässt?
Mal andersherum gedacht:
Wie würden interessierte Kreise einen solchen Einsatz inszenieren?
1. Die Auswahl des Einsatzortes:
Warum Düsseldorf-Unterbilk?
Der Einsatzerfolg hängt wesentlich von der Auswahl eines geeigneten Einsatzorts ab. Ein gut kontrollierbares, begrenztes und bekanntes Einsatzumfeld, möglichst in einem gut-bürgerlichen Milieu, ist eine Voraussetzung für diesen Erfolg.
Weite Anfahrtwege der Einsatzkräfte sind möglichst zu vermeiden, um Anfahrtzeiten, Kosten und Risiken gering zu halten. Auch das Heranführen von Reservekräften und der Transport von Gefangenen ist dann aufwändig. Verortet man die Initiatoren dieses Großeinsatzes bei der Landesregierung und er Düsseldorfer Polizei, so kommen vorliegend nur Einsatzorte in der näheren Umgebung des Düsseldorfer Polizeipräsidiums in Frage.
Objekte in Problemvierteln scheiden von vornherein aus, da hier mit Schwierigkeiten durch Störer oder zumindest mit mangelnder Kooperation zu rechnen ist.
Der mit einer Fläche von lediglich 1,63 km² überschaubare, zentrale Düsseldorfer Stadtteil Unterbilk ist mit dem Sitz des Landtages von Nordrhein-Westfalen und einer Arbeitslosenquote von nur 3 % das Gegenteil eines Problemviertels.
Unterbilk ist im Nordwesten durch den Rhein und das Hafengebiet natürlich begrenzt. Verkehrstechnisch ist es über die Bundesstraße 1 gut angebunden. Unterbilk ist der Sitz von vier zentralen Düsseldorfer Polizeistandorten, darunter das Präsidium und der Standort der Sondereinsatzkräfte. Darum bietet sich Unterbilk als Einsatzort an.
2. Die Wahl des Objekts:
Warum fiel die Wahl auf die Albrecht-Dürer-Schule?
Bedrohungslagen wie Geiselnahmen oder Amokläufe können grundsätzlich an vielen öffentlichen Orten stattfinden. Nicht alle eignen sich jedoch für eine Übung, bei der möglichst niemand zu Schaden kommen soll, und auch wirtschaftliche Einbußen gering gehalten werden müssen.
So etwa lässt ein Großeinsatz in Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen erhebliche Schwierigkeiten bei der Evakuierung kranker Patienten bzw. Bewohner mit entsprechend negativer Pressekritik erwarten.
Einkaufszentren, Bahnhöfe und Flughäfen eignen sich wegen der zu erwartenden wirtschaftlichen Schäden und der nicht einzuschätzenden Reaktionen eines nicht überschaubaren Personenkreises ebenfalls nicht.
Bei einem Einsatz in Gebäuden des nordrhein-westfälischen Landtags würde das mediale Interesse das gewünschte Maß übersteigen; neben der Unterbrechung der politischen Arbeit müsste mit Irritationen bei Politikern der verschiedenen politischen Fraktionen gerechnet werden. Die Koordination wäre zudem durch die notwendige Einbeziehung der hauseigenen Sicherheitskräfte erschwert.
Eine Schule dagegen bietet mit einem bekannten Umfeld und einem überschaubaren Personenkreis gute Voraussetzungen; wegen des schwer vorhersehbaren Verhaltens jüngerer Kinder ist einer Berufschule mit jungen Erwachsenen der Vorzug zu geben. Es stellt sich damit die Frage nach einer geeigneten Berufsschule.
Das Albrecht-Dürer Berufskolleg am Fürstenwall in Unterbilk liegt lediglich 600 m von den Polizeistandorten entfernt und ist damit sogar fußläufig gut zu erreichen. Kurze Anfahrtwege und -zeiten sind sichergestellt, die Logistik wird auf ein Minimum reduziert. Ständiger Funkkontakt zum Führungs- und Lagezentrum im Präsidium ist auf diese Entfernung selbst mit dem betagten Analogsprechfunk möglich. In den Gebäuden des gegenüberliegenden Klinikums wird qualifizierte fachärztliche Akutversorgung geboten. Nützlich, falls es zu unverhergesehenen Zwischenfällen kommen sollte. Parkmöglichkeiten für die Einsatzfahrzeuge sind in ausreichender Zahl vorhanden, ggf. kann auch der Schulhof befahren werden. Somit stellt das Albrecht-Dürer Berufskolleg ein in jeder Hinsicht geeignetes Einsatzobjekt dar.
2. Die Wahl der Einsatzzeit:
Warum 12:00 h mittags?
Diese Uhrzeit wird auch gerne für Feuerübungen genutzt. Sicher sind zahlreiche Schüler und Lehrer bereits um 08:00 h erschienen. So aber können sich die Beteiligten gut vorbereiten, und der unvermeidliche Unterrichtsausfall bleibt begrenzt. Ein späterer Zeitpunkt passt auch besser zum Image des langhaarigen, gescheiterten, psychisch auffälligen Sonderlings (mit langen zum Zopf gebundenen Haaren), der morgens nicht aus dem Bett kommt und erst mittags aktiv wird. Nach der Übung noch Einsatzbesprechung und Pressekonferenz, danach Feierabend. Sehr schön. 12:00 h wäre eine für alle Beteiligten annehmbare Zeit.
3. Die Einsatzdauer:
Warum 4 Stunden?
Die Einsatzdauer sollte mit Rücksicht auf die noch bevorstehende Nachbereitung und Pressearbeit, aber auch wegen einer sonst nötigen Ablösung und Verpflegung der eingesetzten Beamten nicht länger als 4 Stunden dauern. Das gewünschte Einsatzergebnis ist vorher zu definieren.
4. Viele Zeugen vermeiden:
Warum gab es nur einen einzigen Zeugen?
Mehrere Zeugen können einander widersprechen, wenn man sie getrennt vernimmt. Also ist es am Besten, nur einen einzigen Zeugen zu haben. Der kann sich schlimmstenfalls selbst widersprechen, und dass kann man mit Nervosität begründen. Einen gedungenen Zeugen zum Stillschweigen zu veranlassen ist einfacher und billiger, bei vielen Mitwissern ist eine undichte Stellen schwer aufzuspüren. Günstig ist es, wenn der Zeuge bereits eine positive Beziehung zu den Sicherheitsbehörden hat, wie etwa der Sohn eines leitenden Polizeibeamten, oder ein Bewerber für den Polizeidienst.
5. Ein Verdächtiger darf nicht gefunden werden:
Wie man Festnahmen vermeidet.
Dazu muss die Personenbeschreibung so vage bleiben wie in diesem Fall, denn eine Festnahme ist weder vorgesehen noch gewünscht. So kann auch der beflissenste Bürger keine weiteren Verdächtigen melden.
6. Wie man die Presse richtig instrumentalisiert:
Die Berichterstattung muss so zügig erfolgen, dass sie einem Reflektieren und Hinterfragen der Inhalte zuvor kommt. Dazu muss die Presse rechtzeitig informiert werden, der Termin zur PK stehen. Auf keinen Fall soll sich der Einsatz auf die Abendstunden ausdehnen. Spätestend zur Prime Time muss die Berichterstattung stehen. Während der PK wird der Erfolg des Einsatzes gebetsmühlenartig hervorgehoben. Nicht fehlen darf der Hinweis, dass ... zu keinem Zeitpunkt eine konkrete Gefahr für die Schüler...“ bestand, dass sich alle vorbildlich ruhig verhalten haben und es auch sonst zu keinen Beeinträchtigungen kam. Es muss der Eindruck vermittelt werden, dass das polizeilich Konzept, dass bereits bei abstrakten Gefährdungslagen angewendet wird, gut funktioniert.
7. Den mutmaßlichen Zeugen schützen:
Ein Lob zur rechten Zeit
Zweifel am Verhalten des möglicherweise übereifrigen Zeugen müssen ebenso im Keim erstickt werden wie Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Angaben. Sein „glaubwürdiger Eindruck“ muss hervorgehoben und sein Verhalten als vorbildlich gelobt werden, auch wenn seine Angaben (waffenähnlicher Gegenstand) äußerst schwammig und unpräzise sind und sich im Nachhinein als falsch herausstellen.
Im vorliegenden Fall scheint es so, als hätten die Verantwortlichen alle Punkte beherzigt, alles richtig gemacht. Damit verdienen sie eigentlich ein Lob. Schade nur, dass ihnen die öffentliche Anerkennung dafür versagt bleiben muss. So ist das eben mit inside jobs. Aber zum Trost gibt es ja noch das Mittel der Beförderung.

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