Bergbau-Ausstellung: „Das, was mein Leben war“

Robert Lendzian: „Man musste gut aufeinander aufpassen.“
Robert Lendzian: „Man musste gut aufeinander aufpassen.“
Foto: Dreyer
Was wir bereits wissen
Die Düsseldorfer Fotografen Thomas Stelzmann und Wolf R. Ussler stellen aktuell im Bergbaumuseum Bochum aus.

Düsseldorf..  Verantwortung, Gerechtigkeit, Respekt, Vertrauen, Gemeinsamkeit und Aufrichtigkeit – es waren die grundlegenden Tugenden, die die Arbeit unter Tage prägten. Und zugleich eine Lebensversicherung für jeden Bergmann. „Nicht selten kam es in den 1950er und 1960er Jahren unter Tage zu Unfällen“, erzählt Robert Lendzian, „da musste man gut aufeinander aufpassen.“

Der 79-Jährige arbeitete 42 Jahre im Bergbau, begann seine Tätigkeit 1951 in der Zeche Walsum als Hauer und Fahrsteiger. Parallel zu seiner Arbeit unter Tage absolvierte Lendzian ein Fernstudium der Theologie an der Uni Würzburg und wurde 1975 in Münster zum Diakon geweiht. Seit dieser Zeit betreute er die Bergleute als Geistlicher über und unter Tage.

Für das Fotoprojekt „Keine Kohle mehr“ holten die Düsseldorfer Fotografen Thomas Stelzmann und Wolf R. Ussler den ehemaligen Bergmann noch einmal auf den Boden seines einstigen Pütts zurück und setzten ihn, sowie 50 weitere Bergleute dort in Szene.

Rund 18 000 Kilometer gefahren

Grundlage der insgesamt 51 Fotografien sind die Essenzen der Lebensgeschichten, die die Fotografen zusammengetragen und analysiert haben. Die Geschichten offenbaren, welche Ereignisse und Begebenheiten das Leben eines jeden Portraitierten geprägt, und diesem Leben oft einen Sinn gegeben haben. Wehmut kommt daher nicht nur bei Robert Lendzian auf: „Die Fotos zeigen das, was mein Leben war“, sagt er bewegt.

Den Fotografien der Düsseldorfer gingen unzählige Vorbereitungen voraus, oftmals arbeiteten Ussler und Stelzmann gegen die Zeit: Manche Fotos entstanden unmittelbar vor oder gar während des Abrisses eines Bergwerks. Buchstäblich in letzter Minute wurden hier zwischen Abrissmaschinen die letzten Bilder eines Arbeitsplatzes gemacht, bei dem einst tausende Menschen in Lohn und Brot standen.

Während die Fotografen zunächst die einstigen Bergleute interviewten, entwickelte sich im zweiten Schritt daraus ein Motiv, das die Geschichte des jeweiligen Bermannes erzählt. Requisiten wurden an den ehemaligen Wirkungsstätten drapiert, der jeweilige Bergmann in Szene gesetzt. „Vorsichtig geschätzt, sind wir für das Projekt rund 18 000 Kilometer gefahren“, erzählt Stelzmann, der mit dem Fotoprojekt nicht allein dokumentieren, und die Erinnerung an eine nahezu vergangene Industriekultur sowie den Einfluss auf die Menschen bewahren helfen will. „Das Projekt möchte auch den strukturellen Wandel der einstigen Zechenlandschaft vermitteln“, erklärt Ussler.

Die Essenz der bewegenden Ausstellung sind die Menschen und ihre Geschichten. „Jedes Bild enthält vier Komponenten“, erklären die Fotografen, „den Mensch, einen Ort, die Vergangenheit und die Gegenwart.“ Was indes die Zukunft bringen wird, bleibt abzuwarten.