„Benrath ist abgebadet“

Benrath..  Wer genau hinschaut, kann im Benrather Hallenbad sehen, was Bäderchef Roland Ketteler mit dem Satz meint: Es sei abgebadet. Teile der Deckenverkleidung fehlen, Kacheln haben Sprünge oder sind ganz abgefallen. Auf der Tribüne, hoch oben unter dem Dach, hat schon lange niemand mehr gesessen: Sie ist gesperrt. Pfingstorkan Ela hatte im vergangenen Jahr ein Drittel des Daches abgedeckt. Nach jahrelangem Stillstand soll nun unter der neuen Stadtregierung Bewegung in die Bäder kommen. Dabei zählt die Benrather Schwimmhalle zu jenen vier Projekten, die als besonders dringlich eingestuft werden. Weil Oberbürgermeister Thomas Geisel, SPD, einen enormen Sanierungsstau festgestellt hat, will er bis 2020 insgesamt 65 Millionen Euro investieren. Mehr als ein Drittel davon soll nach Benrath fließen: 22,7 Millionen Euro.

Die Benrather stehen auf der städtischen Prioritätenliste allerdings erst an dritter Stelle. Zunächst sollen nach dem augenblicklich vorliegenden Bäderkonzept die Bäder in Oberkassel und das Allwetterbad in Flingern runderneuert werden. In Oberkassel musste das Hallenbad von einem auf den anderen Tag geschlossen werden, weil sich Teile der Deckenverkleidung lösten und es für die Badenden nicht mehr sicher war.

Für das Benrather Hallenbad strebt Bäderchef Roland Ketteler einen kompletten Neubau an. Der momentane Bau würde abgerissen; das Grundstück am Rande einer begehrten und teuren Benrather Villenlage soll an Investoren verkauft werden, um einen Teil der Sanierungskosten wieder reinzuholen. Wenn es nach der Bädergesellschaft geht, soll der Neubau eine Ecke weiter entstehen – unmittelbar vor dem heutigen Freibad in Benrath. Der neue Winkel wäre gegenüber der Lage der heutigen Halle einen großes Stück nach hinten versetzt. Hallen- und Freibad würden sich einen Eingang teilen.

Es sieht zumindest so aus, als könnten dann beide Bäder ganzjährig geöffnet bleiben. Im vergangenen Sommer hatte es Irritationen gegeben, weil an heißen Tagen die gesamte Belegschaft im Freibad Dienst tun musste und das Hallenbad an manchen Tagen überraschend geschlossen blieb.

Zudem soll das neue Benrather Bad einen klaren Schwerpunkt in den Bereichen Gesundheit und Wellness bekommen. Damit denkt Bäderchef Roland Ketteler daran, dass auf einer Galerie Räume an Masseure und andere Dienstleister vermietet werden könnten. Wer demgegenüber mit dem Schwimmen eher sportliche Ambitionen verbindet, soll sich umorientieren, und das nur wenige Kilometer entfernte Hallenbad im Sportpark Niederheid benutzen.

Den Politikern der zuständigen Bezirksvertretung 9 gegen die Umbaupläne und Veränderungen nicht weit genug. Zumindest die Gestaltungskoalition aus CDU und Grünen im Stadtteilparlament regte an, über noch größere Veränderungen nachzudenken. Demnach können sie sich vorstellen, ein Stadtteilzentrum nach Bilker Vorbild neben dem ebenfalls neu zu bauenden Albrecht-Dürer-Berufskolleg auf einer großen, seit mehr als 20 Jahren ungenutzten Industriebrache in Benrath-Ost, der „Paulsmühle“ zu platzieren. Auch hierfür gibt es eine Option zur Gegenfinanzierung: In das neue Stadtteilzentrum mit Schwimmbad sollen auch die Kursräume einziehen, die der Stadtteil derzeit im Bürgerhaus an der Telleringstraße bietet.

Dieses sanierungsbedürftige Schulgebäude könnte abgerissen und an Investoren verkauft werden – die leichter, als unmittelbar neben Bahnlinie und Industriegrundstücken dort eine Wohnbebauung realisieren könnten. Die Stadtteil SPD mit dem ehemaligen Sportamtsleiter Udo Skalnik an der Spitze hält von solchen Wolkenschlössern nichts: „Ich fürchte, es würde viel zu lange dauern, allein die Machbarkeit hierfür zu prüfen.“

Momentan läuft daher alles auf einen Neubau des Hallenbads unweit des heutigen Standorts hinaus.

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