Beethoven im Ohr - in Gedanken bei Japan
27.03.2011 | 21:03 Uhr 2011-03-27T21:03:00+0200
Düsseldorf. 1800 Menschen besuchten ein Solidaritätskonzert für Japans Erdbebenopfer in der Düsseldorfer Tonhalle. Die Japaner in Düsseldorf wünschten sich Beethovens Neunte. Generalkonsul Koinuma: „Wir wissen, dass wir nicht allein sind“
„Alle Menschen werden Brüder!“ Keine Hand regt sich, als Beethovens Neunte Symphonie mit Schillers „Ode an die Freude“ verklingt. Die 1800 Besucher der Düsseldorfer Tonhalle erheben sich, verharren eine bewegende Minute lang in Stille. Ihre Gedanken sind bei den Opfern der Tsunami-Katastrophe in Japan .
In ihrer Sprache, mit Musik, wollten die Düsseldorfer Symphoniker ihre Verbundenheit und ihr Mitgefühl zeigen. Die Idee zu diesem Gratis-Sonderkonzert am Samstagabend hatte das Orchester ganz spontan – beim Mahler-Konzert am 11. März, dem Tag, als in Japan die Erde bebte. Danach ging alles ganz schnell. Das WDR Sinfonieorchester bot seine Unterstützung an, der WDR Rundfunkchor und der Düsseldorfer Musikverein sagten ohne Zögern zu. Und sogar der japanische Stardirigent Yutaka Sado (49) reiste eigens aus Japan an, um die „tiefe und wichtige Freundschaft zwischen Deutschland und Japan“ zu unterstützen.
Mit ihrem Verzicht auf Honorar forderten die Musiker zugleich dezent zur finanziellen Unterstützung der Erdbeben-Opfer auf. Die Stadt Düsseldorf hatte als erste 100 000 Euro bereit gestellt.
Positiver Blick in die Zukunft
„Wir sind überwältigt von den Beileidsschreiben, Hilfsangeboten und Spenden, die täglich bei uns ankommen“, sagte der japanische Generalkonsul Kiyoshi Koinuma in einer kurzen Ansprache. Das Mitgefühl bedeute den Japanern sehr viel: „Die große Solidarität macht uns bewusst, dass wir nicht allein sind.“
Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde Beethovens „Neunte“ ausgesucht. Diese Symphonie habe für die japanische Bevölkerung eine ganz besondere Bedeutung: „Sie bringt viele Gefühle zum Ausdruck und zeigt durch die „Ode an die Freude“ einen positiven Blick in die Zukunft.“
So erlebten die Besucher kein Trauerkonzert, sondern ließen sich mitreißen von Schillers Idealen: „Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein ...“
Kraft: „Japan ist uns nah“
Hunderte von Düsseldorfern, darunter viele japanische Familien, versammelten sich gestern Nachmittag zu einer Gedenkveranstaltung des Landes Nordrhein-Westfalen im Nordpark. „Japan ist uns nah “, sagte Ministerpräsidenten Hannelore Kraft zu den Menschen auf der Engländerwiese.
Glockenschläge der japanischen Glocke im Edo-Haus und Bachs „L’Air“ durch ein Saxophon-Quartett waren der Auftakt zu dieser öffentlichen Veranstaltung als „starkes Zeichen der Verbundenheit“. Nach einer kurzen buddhistischen Andachten sprachen Generalkonsul Kiyoshi Koinuma und Oberbürger Dirk Elbers zu den Anwesenden. Fürbitten wurden von Kirchenrat Rolf Krebs und Prälat Martin Hülskamp gesprochen. Mit einer großen, regensicheren Bühne, Übertragungsanlage und mobilen Toiletten hatte sich das Land auf eine Großveranstaltung vorbereitet.
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