Bebender Busen - bebendes Becken
01.02.2008 | 17:52 Uhr 2008-02-01T17:52:00+0100Tänzerinnen aus orientalischen Ländern begeisterten das Publikum beim Festival „Orientale” im Tanzhaus NRW.
Altweiberfastnacht haben auch im Tanzhaus NRW die Frauen das Sagen. Seit 14 Jahren eröffnen Tänzerinnen aus orientalischen Ländern das Festival „Orientale”. Verkleidet in wehenden Kostümen, meistens bauchfrei, führten sie Karnevalsmuffel in traditionelle Formen des Bauchtanzes und in aparte Mischformen des Modern Dance.
Bei der Eröffnungs-Gala am Donnerstag im großen Saal blieb kein Platz frei, gehört doch der Orient zum festen Bestandteil auch des Bildungsprogramms im Tanzhaus. Das Besondere: Die Bühnen- Künstlerinnen geben bis zum 10. Februar nicht nur Kostproben, sondern reichen auch in Workshops ihr Wissen an Amateure weiter.
An den ersten Tagen beginnt das bunte Treiben bereits im Foyer: Ein Basar mit allerlei Zubehör und Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern führt vor Beginn des Bühnenspektakels in die Welt des Morgenlandes. Neben Steinen, Ringen, Plättchen und Glasperlen-Colliers bieten Händler Datteln und Nüsse, Teppiche und Tücher an, ebenso Prunkkostüme in allen Schattierungen, die auch manch' Jecken in Verzückung versetzen dürften.
Die Lust am Verkleiden, mit Schleiern, Blütenkränzen und knalligen Kontrastfarben leben alle National-Folkloren aus, die bei der Orientale 2008 vertreten sind: türkische, persische, ägyptisch-arabische und indisch-asiatische Frauen, die ihre ursprünglichen Musikstile mit Disco-Pop und Modern Ballett mischen. So tauchen beim Trio El-Azhaar drei Damen - zwei davon Asiatinnen - in türkisfarbenen Beinkleidern auf, wiegen und biegen sich zum kuscheligen Bolly-Orient-Jazz. Weichgespülte Rhythmen, alte höfische Tänze mischen sie mit gefälliger Show: Bollywood lässt grüßen.
Nicht weniger exotisch wirkt der perkussive Indo Asian Fusion, zu dem Sophia Chariarse tiefe Beinpositionen aus indischem Tempeltanz mit modernen Bewegungen mischt. Auch das gehört zum Orient. Dann demonstriert Rita Sherif in einem Bauchtanzdress in Babyrosa, die Wurzeln des Klischees. In „Pop Baladi” dominieren bebendes Becken und ebenso bebender Busen. Perfekt versteht sie, Ober- und Unterkörper isoliert zu bewegen, ohne an natürlicher Grazie und Geschmeidigkeit einzubüßen.
Neben streng choreographierten Schleiertänzen beeindruckt die Mixtur aus Orient und Okzident von Deva Matisa. In wallendem Männer-Anzug und mit weißem Borsalino auf dem Kopf dreht und windet sie sich in schlangenhaften Bewegungen, fällt plötzlich in zuckenden Rap und Streetdance. Sie ist die Pionierin des Fantasy-Dance und weist den Weg in eine androgyne Moderne. Abgerundet wird das Spektrums des Orients von den vier Damen des „Tribal Mystica”, die, tief verschleiert, mit sparsamen Drehungen sinnlich geheimnisvolle Gruppenbilder der „Mystic Traditions” kreieren. Rhythmischer Jubel und Bravorufe.
Bis 10. Februar, Bühnenprogramm und 30 Workshops.
2. Februar, Sabuha: Shahnaz und Hossein Fayazpur, Ensemble Assaida: "Gulistan - Rosengarten", Uraufführung.3. Februar, Raksan: "Raksan tanzt! 46 Minuten"8. Februar: Ziya Azazi: "Dervish"9. Februar: Ratatouillle, Jubiläimsparty mit Live Musik (nur Restkarten) 10. Februar: Projektgruppe Orientalischer Tanz.Karten kann man bestellen: 17 27 00.
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