Baustelle durchwandert Hohe Straße

Carlstadt..  „Baustellenverkauf!“ steht auf dem Schaufenster des Geschäfts von Tinazay Hülya. Das spielt nicht nur auf den Umbau des Ladenlokals an, aus dem „Daheim in der Provence“ werden soll, sondern auch auf die Baustelle, die bis September durch die Hohe Straße wandern wird und derzeit noch Station auf Höhe der Bastionsstraße macht. Bei einer Routineuntersuchung des mehr als 120 Jahre alten Abwasserkanals stellte die Stadt Schäden fest, ein neuer Kanal muss her. Vollsperrung, Halte- und Parkverbot, Baulärm – die meisten Händler nehmen es gelassen.

„Das ist natürlich kein ästhetischer Anblick für die Kundschaft, die aus Richtung des Carlsplatzes kommt“, sagt Hülya, die Geschäftsführerin von Heubel. „Für uns ist das aber ganz passend, eine Baustelle außen wie innen.“ Denn auch in ihrem Laden wird gebaut, Anfang Mai soll er neu eröffnen, mit neuer Filialleitung. Vor ein Problem stellt die Baustelle das Geschäft dann aber doch: den An- und Abtransport der Waren. Denn die etwa 5 Meter breite Baustelle verhindert die Durchfahrt, Platz bleibt nur für die Fußgänger auf beiden Seiten der Straße. „Die Kunden kaufen einen Schrank und wissen nicht, wie sie ihn wegschaffen sollen“, sagt Hülya.

„Momentan gibt es dort eine geänderte Verkehrsführung, die Straße ist nördlich und südlich aber weiterhin befahrbar“, sagt Ruth Benninghoven, die mehr als 20 Jahre lang ein Geschäft an der Straße führte. Als inoffizielle Sprecherin der Geschäftsleute der Straße setze sie sich dafür ein, dass aus dem beidseitigen Halteverbot ein einseitiges wird.

Seit Baubeginn vor vier Wochen blickt Kunsthändler Markus Weller von der anderen Straßenseite auf die Bauzäune rund um das etwa sechs Meter tiefe Loch. Da hier ein Anschluss an das Abwassersystem gelegt werden muss, ist diese Stelle besonders arbeitsintensiv. Obwohl Weller die Notwendigkeit der Baustelle erkenne, habe er große Probleme mit der Warenlieferung: Durch das Park- und Halteverbot und die fast dreißig Meter lange Sperrung sei sie nur eingeschränkt möglich. „Gegen eine Baustelle hat niemand etwas einzuwenden“, sagt Markus Weller. „Wenn zügig gearbeitet wird.“ Er habe allerdings schon mehrere Werktage erlebt, an denen er keine Arbeiter gesehen hat, am frühen Nachmittag seien sie auch sonst schon wieder weg.

Dies bestätigt ein Fifty-Fifty-Verkäufer, der vor einer nahen Bäckerei steht: „Um drei oder vier Uhr machen die Feierabend.“